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Tierische Fähigkeiten: Wie denken und empfinden Tiere? | BR24

© picture-alliance/dpa-report

Schimpansen besitzen erstaunliche Fähigkeiten. Was denken und empfinden sie wirklich?

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    Tierische Fähigkeiten: Wie denken und empfinden Tiere?

    Tiere sind schlau und intelligent, betonen Forscher. Sie besitzen Fähigkeiten, die noch wenig bekannt sind. Beobachtungen von Delfinen, Elefanten und Schimpansen zeigen, wie Tiere voneinander lernen, sich erinnern und ihren Totenkult zelebrieren.

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    Haben wir Menschen die Fähigkeiten von Tieren unterschätzt oder übersehen? Verhaltensbiologen machen immer erstaunlichere Entdeckungen, die das Denken und Empfinden von Tieren in ein neues Licht rücken. Meeresbiologen konnten zum Beispiel nachweisen, dass Delfine ein lebenslanges Gedächtnis besitzen. In einem Experiment wurde einer Delfingruppe ein Pfiff von einem Artgenossen vorgespielt, der vor 20 Jahren seine Gruppe verlassen hatte. Die Reaktion der Delfine war so eindeutig, dass die Forscher davon ausgingen, der Pfiff habe eine Erinnerung an den ehemaligen Artgenossen ausgelöst. Denn Delfine lernen von ihren Müttern diesen ganz eigenen Ruf und wandeln ihn dann individuell um. Verhaltensforscher vergleichen diesen Identifikationspfiff mit einem Namen.

    "Delfine haben mit großer Wahrscheinlichkeit ein lebenslanges Gedächtnis, erinnern sich also an andere Individuen, mit denen sie dann bei Bedarf eine Allianz eingehen. Das ist eine Sache, die kann man nicht so einfach beobachten, dazu muss man sie jahrelang, jahrzehntelang beobachten und das dann statistisch auswerten. Das sind Dinge, die sich uns jetzt erst langsam erschließen, die wir vorher gar nicht beobachten konnten." Dr. Karsten Brensing, Meeresbiologe, Verhaltensforscher und Autor

    Soziales Lernen im Tierreich

    Ähnlich wie Delfine verfügen auch Elefanten über ein lebenslanges Gedächtnis. Sie lernen viele Fähigkeiten durch das soziale Miteinander. Als rein unbewusstes Verhalten ist dieses Lernen nicht zu bezeichnen. Für Bensing haben Elefanten deshalb ihre eigene Kultur, in der sie ihre Rituale pflegen.

    „Kultur im Tierreich ist, im Gegensatz zu dem, was wir früher geglaubt haben, relativ weit verbreitet. Wenn man in einem Lexikon nachschaut, dann steht die Kultur meist der Natur gegenüber. In unserem Sprachgebrauch haben Menschen Kultur, Tiere aber nicht, weil sie ja Teil der Natur sind. Aber diese Begriffserklärung oder Definition hat sich weiterentwickelt. Und heute sind viele Forscher, die sich mit diesem Begriff beschäftigen, der Meinung, dass man Kultur besser darüber definiert, was sie zeigt. Und die Kultur zeigt Lernfähigkeit.“ Dr. Karsten Brensing, Meeresbiologe, Verhaltensforscher

    Totenkult in der Tierwelt

    Unter dieser Lernfähigkeit ist auch der Totenkult zu verstehen. Stirbt ein wichtiges Leittier einer Elefantenherde, dann kommen weit entfernte Artgenossen zum Abschiednehmen. Sie bedecken den Leichnam mit Ästen und Büschen und verweilen bei ihm. Forscher gehen davon aus, dass die Tiere genau wissen, vor wem sie stehen, und dadurch eine Vorstellung vom Tod haben.

    © picture alliance/WILDLIFE

    Auch Elefanten können trauern

    Auch bei Schimpansen wurde beobachtet, wie sie um ihre verstorbenen Artgenossen trauern:

    "Bei Schimpansen hat man beobachtet, wie sie sich beibringen, ihre Babys zu mumifizieren, damit sie ihre verstorbenen Jungtiere mit sich herumtragen können - mehrere Monate sogar. Das ist tatsächlich ein Totenkult und eine Form der Trauer. Für die Verhaltensbiologen ist es relativ schwer, darüber eine Aussage zu machen, weil man ja nicht genau weiß, wie ein Tier empfindet." Dr. Karsten Brensing, Verhaltensforscher

    Tiere besitzen ein Bewusstsein über sich selbst

    Die erstaunlichen Fähigkeiten reichen noch weiter. In einem Spiegeltest zeigen Schimpansen, dass sie eine Markierung an ihrem eigenen Körper, in ihrem Spiegelbild erkennen können. Das lässt Rückschlüsse auf ein Bewusstsein über sich selbst zu. Eine Fähigkeit, die aber nicht nur Schimpansen besitzen, sondern sogar so kleine Tiere wie Ameisen. Auch sie entfernen die Markierungen auf ihren Körpern, wenn sie solche im Spiegelbild erkennen. Selbst diese kleinen Tiere sind mit einer Intelligenz ausgestattet. Je mehr neuronale Verschaltungen, desto komplexer sind die kognitiven Fähigkeiten, betont Karsten Brensing.

    © picture alliance/Mint Images

    Schimpansen erkennen sich im "Spiegel".

    Tierische Fähigkeiten weiter beobachten und entdecken

    Tiere zeigen Mitgefühl und sogar gerechtes Verhalten, das beschreibt der Verhaltensforscher Karsten Brensing in seinem Buch "Das Mysterium der Tiere". Was Tiere wirklich empfinden und denken, ist noch weitestgehend unerforscht. Klar ist jedoch, dass Tiere nicht allein nach ihren Instinkten handeln. Angesichts des zunehmenden Artensterbens sollten wir Menschen den Tierschutz neu überdenken. Denn wir können nur erahnen, welche tierischen Fähigkeiten noch zu entdecken sind.