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Elefanten Kluge Dickhäuter mit Familiensinn

Der Elefant, ein riesiger Koloss mit langem Rüssel, der Bäume umrennt? Von wegen! Die sanften Riesen sind auf leisen Sohlen unterwegs und haben viel Feingefühl. Denn Elefanten sind Familientiere, die sich gegenseitig trösten. Und Trost haben sie nötig ...

Stand: 21.02.2017

Bei Elefanten nimmt die Führungsqualität mit dem Alter zu. (Amboseli Tierpark in Kenia) | Bild: picture-alliance/dpa

Es sind die größten landlebenden Tiere und ihre Vorfahren bevölkerten schon vor 55 Millionen Jahren mit 350 Arten die Erdteile, lange vor dem Homo sapiens. Vor dreihundert Jahren gab es noch rund zehn Millionen Elefanten. Heute sind es nur noch ein paar Hunderttausend. Drei Arten sind bis in unsere Zeit übrig geblieben: der Afrikanische Elefant, der Asiatische und der noch wenig erforschte Waldelefant.

Die Größten und die Stärksten im Tierreich

Graziöse Wesen auf leisen Füßen

Fast zwei Jahre dauert es, bis ein Elefantenjunges auf die Welt kommt.

Die Kolosse, die vierzig bis sechzig Jahre alt werden, können eine Höhe von bis zu vier Metern und ein Gewicht von sieben Tonnen erreichen. Der enorme Körper steht dabei auf besonderen Füßen: Ein dickes Polster aus Gallertgewebe verteilt das Gewicht optimal auf dem Boden und hinterlässt fast keine Spuren. Mit diesen Beinen können sie balancieren, in schwierigen Lagen das Gleichgewicht bewahren und verletzen auch in Kampfsituationen ihre Jungtiere nicht, die unter den massiven Körpern Schutz suchen.

Dickhäuter mit Allzweckwaffe

Elefanten duschen gerne mit Sand. Das schützt ihre empfindliche Haut gegen Zecken.

Elefanten haben eine sehr empfindliche Haut, für die sie sehr viel tun. Sie baden regelmäßig und sie bewerfen sich nach dem Baden mit Sand, Schlamm, Heu oder Stroh. Das dient als Schutz gegen Zecken und anderes Getier, das ihnen zu schaffen macht.

Elefantenkälber können ihren Rüssel schon früh gezielt einsetzen. Rund 60.000 Muskeln betätigen das Allzweckorgan. Mit ihm atmet, wittert, trompetet und greift der Elefant. Mit ihm kämpft, trägt und frisst er. Und er benutzt ihn als Dusche für Wasser und Staub. Das erfordert eine weit fortgeschrittene Gehirnentwicklung, die eine entsprechend lange Schwangerschaft benötigt.

Koloss mit hoher Sozialkompetenz

Elefanten sind Herdentiere. Jungtiere suchen unter den massiven Körpern ihrer Verwandten Schutz.

Ähnlich wie Menschen leben Elefanten in komplexen Netzwerken, in denen Mitgefühl und Hilfe für andere zum Überleben wichtig sind. Die Elefantenkühe gehen sehr sanft mit ihren Jungtieren um. Die Väter dagegen kommen nur gelegentlich vorbei. Kaum ist ein Elefantenkind geboren, eilen die Tanten und Geschwister herbei, begrüßen und betasten es, sagt Josef Reichholf, Professor für Ökologie und Naturschutz an der TU München.

Elefanten berühren gestresste Artgenossen mit dem Rüssel, um sie zu trösten.

Bei asiatischen Elefanten ist sogar beobachtet worden, dass sie sich gegenseitig trösten. Das belegt eine Studie vom Februar 2014. Tierpsychologe Joshua Plotnik, der an der Mahidol-Universität in Thailand lehrt, konnte erstmals empirisch nachweisen, dass gestresste Elefanten auf das Mitgefühl ihrer Artgenossen zählen können. Mit Kollegen hat er fast ein Jahr lang 26 asiatische Elefanten in Nordthailand beobachtet und ihre Reaktionen etwa auf eine Schlange im Gebüsch festgehalten. In Gefahrensituationen grummelt ein Elefant, weiß er zu berichten. In solchen Momenten kommt meist ein anderer, häufig weiblicher Elefant und versucht den Artgenossen zu beruhigen, indem er ihn berührt, oder ihm sogar den Rüssel in den Mund steckt - ein Äquivalent zum Handschlag beim Menschen.

Die drei Elefanten-Arten

Asiatischer Elefant

Asiatischer Elefant

Es gibt in der Familie der Elefanten drei verschiedene Arten, die leicht unterscheidbar sind: Der Asiatische Elefant (Elephas maximus) hat einen gewölbteren Rücken und ist deutlich kleiner als der Afrikanische Elefant. Auch seine Ohren sind viel kleiner. Sein Rüssel hat nur einen "Greiffinger" an der Spitze. Weibliche Asiatische Elefanten haben oft keine oder nur rudimentäre Stoßzähne.

Afrikanischer Savannen-Elefant

Afikanischer Savannen-Elefant

Beide Arten des Afrikanischen Elefanten haben zwei Greiffinger am Rüssel und wesentlich größere Ohren als der Asiatische Elefant. Der größere der beiden Afrikaner ist der Steppen- oder Savannenelefant (Loxodonta africana). Er ist das größte lebende Säugetier und lebt vorzugsweise im steppenhaften Flachland, kommt aber auch in den Bergen und sogar in der Wüste vor.

Waldelefant

Afrikanischer Waldelefant

Der Waldelefant (Loxodonta cyclotis) ist deutlich kleiner als der Steppenelefant. Seine ebenfalls sehr großen Ohren sind auffallend rund - was ihm auch seinen wissenschaftlichen Namenszusatz "cyclotis" einbrachte - der "Rundohrige". Waldelefanten leben im Dschungel: in den Regenwäldern Zentralafrikas.

Systematik

  • Ordnung: Rüsseltier
  • Familie: Elefant (einzig noch lebende Familie der Rüsseltiere)
  • Gattungen: Asiatischer Elefant (Elephas) und Afrikanischer Elefant (Loxodonta)
  • Arten: Asiatischer Elefant (Elephas maximus), Afrikanischer Steppen- oder Savannenelefant (Loxodonta africana) und Waldelefant (Loxodonta cyclotis)

Verhaltensforscher verbürgen sich für die hohe Intelligenz der Elefanten, ihr geselliges Wesen, ihren Spaß am Spiel und ihren erstaunlichen Familiensinn. Legendär ist das sanfte Gemüt der Elefanten, sprichwörtlich ihr enormes Gedächtnis. Sie verfügen über ein spezielles Sprachsystem und kommunizieren - ähnlich wie Wale - mittels Infraschall. Diese Laute sind fast unhörbar und klingen laut Tierpflegern wie ein Rumpeln im Bauch.

Wissenswertes über die grauen Riesen

Herdenleben

Solidarität und Mitgefühl ist die evolutionäre Überlebensstrategie der großen Säuger. Wird ein Tier verletzt oder krank, kümmert sich die ganze Herde um den Artgenossen, bringt Nahrung, versorgt Wunden und wartet geduldig auf Heilung. Familienbande halten bis über den Tod hinaus. So kehren manche der Herdentiere regelmäßig zu den Gebeinen ihrer Verwandten zurück, um die Knochen sanft zu beschnuppern.

Kommunikation

Die enge Gruppenbindung wird auch durch ein akustisches Kommunikationssystem aufrechterhalten, das neben der Körpersprache existiert und erst jüngst entdeckt wurde. Tatsächlich ist es ein mithilfe des Resonanzkörpers Bauch erzeugter Schall, der in dem (für den Menschen fast unhörbaren) Infraschallbereich zwischen 14 und 35 Hertz liegt. Mit dieser gemeinsamen Sprache lässt sich erklären, warum Elefanten sich in freier Wildbahn plötzlich zu einer Herde formieren oder kollektiv vor einer plötzlichen Gefahr fliehen. Diese Infraschall-Dialoge funktionieren bis zu zehn Kilometer weit.

Schwangerschaft

Die Schwangerschaft einer Elefantenkuh dauert fast zwei Jahre - so lange wie bei keinem anderen Tier. Wie die Rüsseltiere eine so lange Tragezeit physiologisch bewerkstelligen, hat ein deutsch-kanadisches Forscherteam mittels Ultraschall und Hormonmessungen herausgefunden: In den Eierstöcken der Elefantenkühe reifen immer mehrere Eizellen gleichzeitig zu sogenannten Gelbkörpern heran. Diese geben während der gesamten Schwangerschaft das Hormon Progesteron ab. Es passt die Gebärmutter an die Bedürfnisse des Ungeborenen an und macht so die lange Schwangerschaft erst möglich. Notwendig ist die lange Schwangerschaft wahrscheinlich für das Gehirn der Elefantenjungen, das bei deren Geburt schon sehr reif ist.

Geruchssinn

Afrikanische Elefanten besitzen doppelt so viele Gene für den Geruchssinn wie Hunde und sogar fünf Mal mehr als Menschen. Offensichtlich sei die Nase eines Elefanten nicht nur lang, sondern auch hoch entwickelt, so Yoshihito Niimura von der Universität Tokio. Sein Team hatte die Gene für die Geruchswahrnehmung bei 13 Säugetieren untersucht. Neben Elefanten wurden unter anderem Ratten, Kühe, Pferde, Hunde, Mäuse und Primaten berücksichtigt. Mit fast 2.000 Erbgutabschnitten liegt der Afrikanische Elefant an der Spitze. Allerdings sei die Zahl der Gene allein noch kein sicherer Beweis für die tatsächlichen Riechfähigkeiten, schränken die Forscher ein. Die Wissenschaftler vermuten, dass der Geruchssinn beim Menschen infolge verbesserter Sehfähigkeiten an Bedeutung verloren hat.

Die starken Riesen werden immer weniger

Elfenbein, das "weiße Gold", verleitet immer noch Menschen in armen Ländern zum Wildern.

Die Einengung ihres Lebensraums hat die großen und klugen Tiere an den Rand der Ausrottung gebracht. Und auch die Gier des Menschen nach Elfenbein. Die gewaltigen Stoßzähne erzielen bis heute Höchstpreise und verleiten, gerade in den unterentwickelten Ländern Afrikas, Menschen in sozialer Not zum Wildern.

Elefanten sind weltweit gefährdet

Auf der Roten Liste

Verbreitungsgebiet der Elefanten

Von den einstigen Millionen Elefanten, die durch Afrikas Savannen zogen, ist nur noch ein Bruchteil übrig. Man schätzt, dass es vor drei Jahrhunderten noch rund zehn Millionen Afrikanische Elefanten gegeben hat. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es noch mehrere Millionen. Doch von 1981 bis 1997 schrumpfte ihre Zahl von 1,2 Millionen auf nur noch 600.000 Tiere. Heute, keine zwei Jahrzehnte später, sind davon nur noch rund 350.000 übrig (Stand: Januar 2017). Beide afrikanischen Elefantenarten, der Savannenelefant wie der Waldelefant, stehen als "gefährdet" auf der internationalen Roten Liste der IUCN.

Der Asiatische Elefant, von dem noch Mitte des 20. Jahrhunderts 160.000 Exemplare lebten, gilt heute mit weniger als 35.000 Tieren sogar als "stark gefährdet". 15.000 dieser Elefanten leben weder in der Wildnis noch in Naturreservaten, sondern als Arbeitselefanten in Gefangenschaft.

Genau abgezählt

Um herauszufinden, wie viele Elefanten es in Afrika wirklich noch gibt, haben 90 Forscher zwei Jahre lang von Flugzeugen aus gezählt - Herden und die Skelette von Elefanten. Diesen kontinentweiten Zensus veröffentlichten sie im September 2016  im Fachjournal "PeerJ". Sie fanden 352.271 Elefanten in 18 afrikanischen Staaten. Die große Mehrheit von 80 Prozent lebte in Naturreservaten. Im Vergleich mit älteren Daten zeigte sich, dass allein von 2007 bis 2014 in einem Großteil der Staaten die Zahl Afrikanischer Elefanten um 30 Prozent gesunken ist, was etwa 144.000 Tieren entspricht. Pro Jahr schrumpfen die Bestände derzeit um acht Prozent, so die Forscher.

Hauptgrund: Wilderei. Mehr als 20.000 Elefanten werden Jahr für Jahr abgeschlachtet, schätzen Experten.

Todesurteil Stoßzahn

Dem Elefanten geht sein Lebensraum verloren. Menschliche Siedlungen breiten sich immer weiter aus und geraten dem weit umherziehenden Herdentier buchstäblich in die Quere. Doch sein eigentliches Todesurteil trägt der Elefant mit sich herum: den Stoßzahn. Das Elfenbein ist trotz internationaler Verbote so begehrt, dass Elefanten massenhaft von Wilderern abgeschlachtet werden, nur um an die Stoßzähne der Tiere zu gelangen.

Die Jagd nach Elefanten-Stoßzähnen bedroht auch den Waldelelefanten (Loxodonta cyclotis), die zweite und seltenere Elefantenart in Afrika. Sein Elfenbein gilt als besonders hart und ist daher sehr begehrt. Eine Studie der amerikanischen Umweltorganisation Wildlife Conservation Society (WCS) ging im März 2013 davon aus, dass in nur zehn Jahren 62 Prozent der afrikanischen Waldelefanten getötet worden seien und es nur noch etwa 100.000 Tiere gibt.

Im Februar 2017 unterstrich eine Studie über den Minkébé-Nationalpark in Gabun, wie schlecht es um den Waldelefanten bestellt ist: Von 2004 bis 2014 ging allein dort der Bestand um rund 80 Prozent der Tiere, also um rund 25.000 Exemplare zurück. Der Grund: Wilderei. (Studie in "Current Biology", 20.02.2017, Studienautor: John R. Poulsen, Duke University Durham, USA)

Elfenbeinhandel blüht

Der internationale Handel mit Elfenbein ist seit Langem verboten - und findet dennoch statt. Allein im Jahr 2016 wurden 21,5 Tonnen geschmuggelten Elfenbeins sichergestellt, davon 1,2 Tonnen in Deutschland. Ein Teil davon könnte auch aus alten Beständen stammen, doch eine Studie im November 2016 kam zu dem Schluss, mehr als 90 Prozent der illegal gehandelten Stoßzähne stammten von Elefanten, die höchstens drei Jahre zuvor getötet worden waren. In der Studie wurden 230 Stoßzähne untersucht, die von 2002 bis 2014 beschlagnahmt wurden.

Besonders gefährdet sind die Elefanten-Populationen der afrikanischen Staaten Kenia, Tansania und Uganda. Von hier aus wird das meiste Elfenbein per Schiff oder Flugzeug geschmuggelt. 2013 rügte die Internationale Artenschutzkonferenz diese Staaten dafür. Zu einer wirklichen Strafe kam es nicht, da die gerügten Länder Aktionspläne für einen Kampf gegen den Elfenbeinhandel vorlegten.

Kampf gegen Schmuggel

Wohin geht all das illegale Elfenbein, für das Jahr für Jahr rund 20.000 Elefanten gewildert werden? Vor allem nach China und Thailand. Auch diese Staaten wurden schon 2013 von der Internationalen Artenschutzkonferenz gerügt und aufgefordert, etwas gegen den Schmuggel mit den Stoßzähnen zu unternehmen. Ebenso die Transitländer Malaysia, Philippinen und Vietnam.

Auf der Internationalen Artenschutzkonferenz 2016 wurde der Antrag von Simbabwe und Namibia, das Verbot des Elfenbeinhandels zu lockern, abgelehnt. Und die Internationale Naturschutzunion IUCN entschied sich auf ihrer Konferenz im September 2016 für ein striktes Handelsverbot für Elfenbein auch auf Binnenmärkte.

Bereits 2015 haben alle 193 Staaten, die den Vereinten Nationen angehören, eine Resolution unterzeichnet, die der Wilderei und dem illegalen Handel mit Tieren Einhalt gebieten sollten. Allerdings war der Text der Resolution nicht bindend. Auch China gehört zu diesen 193 Staaten.

Zum Jahresende 2016 hat China nun endlich verkündet, dass es bis Ende 2017 den Handel mit und die Verarbeitung von Elfenbein im eigenen Land schrittweise verbieten will. Das könnte ein Meilenstein im Kampf für das Überleben der Elefanten sein, wenn auch ein sehr später.

"Je größer ein Lebewesen geworden ist, desto mehr Raum braucht es zum Leben, in der Regel natürlich auch umso mehr Nahrung. (..) In früherer Zeit, da lösten die Elefanten dieses Problem mit weiträumigen Wanderungen. Das ist heute praktisch nicht mehr möglich."

Josef Reichholf, Evolutionsbiologe an der Technischen Universität München

  • "Big Tusker - die mächtigsten Elefanten Afrikas": 14. April 2018, 9.30 Uhr, BR Fernsehen.
  • "Big Five Asien - Der Elefant": 28. August 2017, 10.25 Uhr, BR Fernsehen
  • "Großer Elefant - Kleiner Elefant": 20. Januar 2017, 10.30 Uhr, BR Fernsehen
  • "Großer Elefant - Kleiner Elefant": 8. Juli 2016, 14.15 Uhr, BR Fernsehen
  • "Elefanten - Die sanften Riesen": 26. April 2012, 9.05 Uhr, radioWissen, Bayern 2.

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