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Nacktschnecken sind wieder aktiv und fressen im Garten die Pflanzen an.

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Schnecken bekämpfen: Tipps von Laufenten bis Schneckenkorn

Feuchtigkeit und wenig Sonnenschein - ideale Bedingungen für Nacktschnecken, im Garten über Ihre Pflanzen herzufallen. Mit Schneckenkorn, Schneckenzaun und Co. lassen sich die Tiere bremsen. So bekommen Sie das Schnecken-Problem in den Griff.

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Von
  • Marlene Riederer

Es gibt verschiedenste Schneckenarten. Der ersichtlichste Unterschied: Manche tragen ein Häuschen, manche schleimen nackt durchs Leben. Nur wenige Schneckenarten richten im heimischen Garten wirklich Schaden an. Dies sind vor allem die Weg- und Ackerschnecken. Viele heimische Schneckenarten, darunter auch Nacktschnecken wie der Tigerschnegel, leben dagegen vor allem von abgestorbenen Pflanzenteilen. Auch "Häusle"-Schnecken sind im Garten eher keine Gefahr. Sie sind sogar nützlich, weil sie die Eier der Nacktschnecken fressen.

Schnecken mögen es feucht und keinen Sonnenschein

Schnecken bestehen zu etwa 85 Prozent aus Wasser, das leicht über ihre Oberfläche verdunstet. Hitze bzw. Trockenheit und Schnecken sind sich spinnefeind. Die Gehäuseschnecken ziehen sich einfach in ihr Haus zurück, wenn es ihnen zu trocken wird. Für Nacktschnecken ist der Rückzug nicht so einfach, sie müssen sich erst einen geeigneten Platz suchen. Dieser ist vorzugsweise feucht und dunkel.

In diesen Verstecken verbringen die Nacktschnecken den Großteil der Tageszeit, vor allem an heißen Sommertagen. Hier legen sie auch ihre Eier ab, bis zu 400 pro Jahr. Von der Eiablage bis zum Schlupf vergehen je nach Witterung zwei bis vier Wochen. In feuchten Frühjahren und Sommern können die Schnecken zu einer ausgewachsenen Plage werden und nachts oder bei feuchter Witterung jeden Garten kurz und klein fressen.

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Der Albtraum jedes Gärtners: eine fressende Nacktschnecke

Schnecken per Hand einsammeln

Wer weiß, wie Schnecken leben, der weiß auch, wo er sie findet und kann sie absammeln. Sie sitzen unter Rhabarberblättern, Trittbrettern, im kühlen Schatten unter dichten Sträuchern oder unter morschen Holzresten. Hier lassen sie sich in großen Mengen auf einen Schlag finden. Tipp: Mulchdecken immer wieder wenden und die Erdoberfläche regelmäßig harken, damit Bodenritzen nicht als Rückzugsort genutzt werden können.

Man sammelt sie in einem Eimer, im Anschluss folgt der makabre Teil, über den jeder selbst entscheiden muss. Der Tod durch Überbrühen ist ein sehr rascher, der Griff zum Salz qualvoll für die Tiere. Auch das Zerschneiden der Tiere ist eine Möglichkeit.

Vorsicht! Schnecken sind Aasfresser und werden von den Kadavern ihrer Artgenossen angezogen, Vergraben ist also sinnvoll. Einfach eine kleine Grube in der hinteren Ecke des Gartens ausheben und die Artgenossen werden nichts mitbekommen. In der Mülltonne entsorgen sollte man Nacktschnecken nicht, sie fangen an zu gären und entwickeln einen extrem unangenehmen Geruch.

Ein schützender Schneckenzaun

Schneckenzäune können aus verschiedensten Materialien sein, den meisten gemeinsam ist die Wölbung, die den Feind abhalten soll. Ein umgedrehtes "J", bei dem der Bogen vom Beet weg zeigt, verdeutlicht, wie so ein Schneckenzaun funktioniert. Will eine Schnecke zum Salat, muss sie zunächst diese Barriere überwinden. Um ihr das so schwer wie möglich zu machen, sind die Kanten der Zäume oft mit Zacken und Zähnen übersäht. Die Schnecken versuchen zwar meist, in den umzäunten Bereich zu gelangen, die Geduld ist aber eher erschöpft als das Ziel erreicht. Wichtig dabei ist: Es darf rein gar nichts über den Zaun ragen, was Schnecken als Brücke verwenden könnten.

Es gibt auch Schneckenzäune für einzelne Pflanzen, sogenannte Schneckenkragen. Diese Kragen stülpt man einfach über gefährdete Pflanzen. Man kann auch erst den Kragen im Garten platzieren und dann direkt in seine geschützte Mitte pflanzen.

Lockpflanzen und Kriechbarrieren gegen Schnecken

Mit Lockpflanzen wie kleinen Tagetes, frisch gesäten Sonnenblumen oder überschüssigen Salatpflanzen können Sie Schnecken ablenken und weitgehend überzeugen, die von Ihnen bevorzugten Pflanzen außer Acht zu lassen. Kriechbarrieren aus Kaffeesatz, Kiefernzapfen oder spezielle Granulate (z.B. gemahlene und zu Pellets gepresste Neemsamen) werden als breite Wälle bzw. Streifen angelegt, so Karin Greiner, BR Gartenexpertin.

Sie gibt außerdem den Tipp: Pflanzen, die mit kaltem Kaffee besprüht werden, sollen Schnecken mit Verachtung strafen. Ein Versuch ist es wert. Das Problem: Sobald es geregnet hat, verlieren Barrieren und Besprühen an Wirksamkeit und man muss das Ganze wiederholen. Der Kampf gegen Nacktschnecken verlangt dauerhaften Einsatz - ähnlich wie die Bekämpfung des Buchsbaumzünslers.

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Ein Schneckenzaun soll verhindern, dass Schnecken in den Gemüsegarten gelangen können.

Laufenten - nur für größere Gärten sinnvoll

Viele natürliche Feinde hat die Nacktschnecke nicht. Blindschleiche, Maulwurf und Kröte gehören dazu, vor allem aber Laufenten. Wie ihr Name schon sagt, sind diese geselligen Tiere die meiste Zeit auf Achse, um Schnecken zu suchen. Platz ist also ein Muss! Bei einer Gartengröße von 500 Quadratmetern lohnt sich das Anschaffen eines Entenpaares. Bedenken sollte man aber, dass Laufenten Haustiere sind, die einen mardersicheren Stall für die Nächte, immer etwas zu Trinken und ein wenig Zusatznahrung zu Schnecken, Würmern und Schneckeneiern benötigen.

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Bildrechte: picture-alliance / dpa | Horst Pfeiffer

Zwei Laufenten lassen sich Schnecken schmecken

Schnecken mit Schneckenkorn bekämpfen

Fruchten alle "natürlichen" Maßnahmen nicht, hilft nur noch Schneckenkorn. Je eher im Jahr Sie damit beginnen, desto besser. Wenn sie schon im März oder April, je nach Witterung, die erste Generation der Schnecken abtöten, bleiben Ihnen die unzähligen Nachkommen erspart. Zudem ist dann gewährleistet, dass die die Schnecken mangels schmackhaften Grüns die Körner auch fressen.

Verschiedene Wirkstoffe im Schneckenkorn

Der Wirkstoff Methiocarb wurde bis 2014 verwendet, seither darf er nicht mehr verkauft und verwendet werden, so das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit. Dabei handelte es sich um ein Nervengift, das die Tiere sofort tötete. Die Gefahr von Vergiftungen für andere war groß.

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Schneckenkorn ist ein wirksames Mittel in der Bekämpfung von Schnecken. Man sollte aber auf den Wirkstoff achten.

Gängige Mittel zur Schneckenbekämpfung

Metaldehyd zerstört das Körpergewebe der Schnecken. Auch wenn es häufig als harmlos dargestellt wird, warnt die Verbraucherzentrale vor unbedachten Gebrauch von Schneckenkorn mit Metaldehyd. Auch das Umweltbundesamt rät vom Gebrauch ab. Wenn Sie es doch verwenden wollen: Halten Sie Haustiere und Kleinkinder davon fern. Wenn Kinder trotz aller Vorsichtsmaßnahmen die kleinen Kügelchen gegessen haben, sollte man den Giftnotruf wählen.

"Wie bei allen Stoffen kommt es auf Menge, Zeitraum der Einnahme und die konkreten Inhaltsstoffe an, ob Gefahr besteht. Metaldehyd (...) ist für die Giftzentrale bedenklicher als mögliche Alternativen. 'Hunde reagieren darauf sehr empfindlich, Kinder empfindlich!" Die Verbraucherzentrale auf ihrer Webseite

Sowohl Giftnotrufzentralen als auch die Verbraucherzentralen raten zum Einsatz von Eisen-III-Phosphat. Da es natürlicherweise im geringen Maße auch im Boden vorkommt, gilt es ökologisch als unbedenklich und hat so gut wie keine negative Umweltwirkung, so die Verbraucherzentrale. Auch wenn Kinder oder Haustiere versehentlich etwas davon aufnehmen, ist es weniger gefährlich als zum Beispiel Metaldehyd.

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Ob im Wasser oder zu Lande, nackt oder mit Haus: Mit 43.000 bekannten Arten bilden Schnecken die größte Weichtiergruppe. Symbol für Fruchtbarkeit, Auferstehung, Macht und Slowfood. Autorin: Ariane Huml

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