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Schlaganfall in Zeiten der Corona-Pandemie | BR24

© icture alliance / imageBROKER/ Fotograf: Thomas Frey

Eine Infektion mit dem Coronavirus kann einen Schlaganfall mitverursachen. Auch in Zeiten der Pandemie gilt aber: Rechtzeitig Hilfe holen!

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    Schlaganfall in Zeiten der Corona-Pandemie

    Neben anderen Risikofaktoren kann auch eine Infektion mit dem Coronavirus einen Schlaganfall mitverursachen. Und: Experten mahnen, selbst in Zeiten der Pandemie schnell ärztliche Hilfe zu holen. Nur so lassen sich schwerwiegende Folgen verhindern.

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    Starkes Übergewicht und hoher Blutdruck gelten bisher als die Hauptursachen für das Erleiden eines Schlaganfalls. Doch auch das Coronavirus sei ein "begünstigender Umstand" für einen Schlaganfall, sagt Professor Helmuth Steinmetz, erster Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft e. V. (DSG) in einer virtuellen Pressekonferenz Ende Oktober 2020.

    Erhöhte Gefahr eines Schlaganfalls durch Infektionen

    Generell ist das Risiko eines Schlaganfalls bei Infektionen erhöht – so auch bei einer Coronavirus-Infektion. Das zeigen aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse. Besonders bei schwer erkrankten Covid-19-Patienten sei ein Schlaganfall laut Experten nicht selten.

    "Vor allem wenn Risikofaktoren wie Übergewicht, Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, kann auch bei jungen SARS-CoV-2-Patienten vermehrt ein Schlaganfall auftreten." Wolf-Rüdiger Schäbitz, Neurologe am Evangelischen Klinikum Bethel (EvKB) und Pressesprecher der DSG

    Der Grund dafür ist: Das Coronavirus kann - wie andere Infektionen auch - zu Entzündungen führen, die das Blutgerinnungssystems aktivieren. Das wiederum erhöht das Risiko für Thrombosen und Embolien. Gelangen dann kleine Blutgerinnsel in das Gehirn, können sie dort die Durchblutung mindern und einen Schlaganfall auslösen. "Zudem haben SARS-COV-2-Kranke mit einer Behinderung aufgrund eines früheren Schlaganfalls einen schwereren Krankheitsverlauf als vorher Gesunde. Sie gehören daher – ähnlich wie Immungeschwächte – zu einer Risikogruppe, die durch SARS-CoV-2 besonders gefährdet ist", ergänzt DSG-Vorsitzender Helmuth Steinmetz.

    Schlaganfall: Auch während der Pandemie schnell Hilfe holen

    Aber auch unabhängig von einer Infektion empfiehlt die DSG dringend, Anzeichen für einen Schlaganfall auch in Zeiten der Corona-Pandemie ernst zu nehmen, die 112 zu wählen und sich sofort notfallmedizinisch in einer Klinik mit Stroke Unit behandeln zu lassen. "Jeder Zeitverlust birgt Risiken, die ungleich höher sind als die einer COVID-19-Infektion im Krankenhaus", warnt der DSG-Vorsitzende.

    Schlaganfall-Patienten: Keine Angst vor Coronavirus Infektion

    Gerade bei Patienten mit einem leichten oder vorübergehenden Schlaganfall wurde während der sogenannten ersten Welle der Pandemie im Frühjahr offenbar aus Angst vor einer Infektion mit SARS-CoV-2 medizinische Hilfe aber häufig nicht in Anspruch genommen, so die Beobachtung von Experten. "Diese Angst ist unbegründet", betont DSG-Experte Steinmetz. "Vor allem in Kliniken ist der Umgang mit Erregern – und natürlich auch mit dem Coronavirus – äußerst professionell organisiert."

    "Zeit ist Gehirn" – die Rolle der Zeit bei einem Schlaganfall

    Die Zeit spiele bei der Behandlung von Schlaganfällen die wesentliche Rolle und sei entscheidend für den Therapieerfolg, mahnt auch Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie mit Experimenteller Neurologie der Charité - Universitätsmedizin Berlin. "Time is Brain" heißt der Slogan bei Schlaganfall-Experten.

    Nicht zuletzt aufgrund eines verbesserten Versorgungsnetzes sei es in den vergangenen 15 Jahren gelungen, die Sterblichkeitsrate von Schlaganfallpatienten sowie die Rate derjenigen, die aufgrund des Schlaganfalls schwerwiegende Behinderungen davontragen, zu halbieren, sagt Endres.

    Anzahl der Schlaganfälle und die Folgen

    Aber immer noch ist Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und die häufigste Ursache für Behinderungen im Erwachsenenalter. Die Auswirkungen eines Schlaganfalls sind für die jährlich 270.000 Betroffenen, die in Deutschland einen Schlaganfall erleiden, oft tragisch. Auf ihr Schicksal will unter anderem der "Weltschlaganfalltag", der jedes Jahr am 29. Oktober stattfindet; aufmerksam machen.

    Der "Weltschlaganfalltag" und der "Tag gegen den Schlaganfall"

    Der "Weltschlaganfalltag" wurde 2006 ins Leben gerufen, um das öffentliche Bewusstsein für das Thema zu schärfen und über die Prävention von Schlaganfällen aufzuklären. 1999 rief die "Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe" erstmals den "Tag gegen den Schlaganfall" aus. Seither veranstalten Kliniken, Ärzte und Selbsthilfegruppen bundesweit rund um den 10. Mai Gesundheitsaktionen und Vorträge.

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