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Kunststoff-Mix Probleme fürs Plastik-Recycling

Plastikmüll ist oft schwer zu entsorgen, weil manche Kunststoffe - wie zum Beispiel mehrschichtige Folien - aus verschiedenen Materialien bestehen. Forscher und Firmen sind bemüht, Mischkunststoffe sortenrein aufzutrennen, um sie recyceln zu können.

Von: Miriam Stumpfe

Stand: 18.05.2018

Wie praktisch, wenn das Steak zwei Tage eingeschweißt in der Kühltheke liegen kann und immer noch appetitlich rot aussieht oder sich bei den Champignons in der Plastikschale auch nach einer Woche noch kein Kondenswasser gebildet hat.

High-Tech-Produkt Plastik-Verpackung

In Folie verpacktes Fleisch in der Fleischtheke. Diese Folien sind High-Tech-Produkte aus mehreren Schichten.

Selbst dünne Plastikfolien können heute viel mehr als nur Verpackung sein: Sie können Sauerstoff abschirmen oder auch Wasser aufnehmen - ganz so wie es die verpackte Ware braucht. Es sind High-Tech-Materialien, die aus aus mehreren hauchdünnen Schichten bestehen. Jede Schicht besteht aus einem anderen Material.

Recyclingprobleme bei Mehrschichtfolien aus Kunststoff

Firmen, die aus Plastikabfällen neue Kunststoffe machen, stehen mit diesen kompliziert aufgebauten Verpackungen vor einer großen Herausforderung.

"Wenn Sie heute Verpackungssysteme anschauen, dann sind diese immer komplexer aufgebaut - zum Beispiel mehrschichtige Folien. Je komplexer das System, desto schwieriger ist es, diese im Nachhinein zu recyceln."

Thomas Probst, vom Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung (BVSE)

Down-Cycling für komplizierte Plastik-Verpackungen

Folien werden für viele Verwendungen produziert. Bestehen sie aus verschiedenen Schichten, sind sie schwer zu recyceln.

Meistens werden in Recyclinganlagen Kunststoffe geschreddert und dann eingeschmolzen - dazu müssen sie sortenrein sein. Wenn sie das nicht sind, bleibt nur das so genannte Down-Cycling: Aus den Folien und Verpackungen werden Bauzäune oder Gartenbänke gemacht oder die Kunststoffreste werden verbrannt. Dabei liefern sie zwar noch Energie für Fernwärme oder Strom, aber fürs Recycling sind sie verloren. Das betrifft etwa die Hälfte der Kunststoffe.

Chemische Trennverfahren für komplexe Kunststoffe

Das Leipziger Unternehmen APK hat eine Technik entwickelt, um zumindest einem Teil dieser Mischkunststoffe zu Leibe zu rücken - etwa Folien, in denen Steaks in der Kühltheke eingeschweißt sind. Sie bestehen aus Polyamid und Polyethylen.

"Kunststofffolien werden in einem Lösemittelbad aufgelöst, wodurch sich ein bestimmter Teil abtrennt, zum Beispiel das Polyamid. Das Polyethylen aber bleibt fest, wodurch die Trennung zustande kommt."

Florian Riedl, Leiter Business Development Newcycling bei der APK AG

Recycling von Multi-Layer-Folien aus Kunststoff

In einer Pilotanlage hat das Unternehmen APK AG diesen Prozess für die vielschichtigen so genannten Multi-Layer-Folien schon getestet. Im Herbst öffnet die erste Anlage in industriellem Maßstab. Abfall und Recyclingexperten verfolgen solche Ansätze mit Interesse, sehen aber auch die Grenzen.

"Letztlich brauchen wir eine Gesamtbilanz, die auch eine Energiebilanz umfasst. Außerdem geht es um die Einschätzung der chemischen Lösemittel, die zum Teil mit großem Aufwand hergestellt werden."

Vera Rotter, Professorin für Umwelttechnik an der TU Berlin und Mitglied im Sachverständigenausschuss für Umweltfragen

Der erwünschte Kreislauf von Kunststoff-Herstellung bis Recycling

Diese Ballen werden für das Kunststoff-Recycling gesammelt. Komplex aufgebaute Folien lassen sich schwer in Bestandteile trennen.

Um besonders wertvolle Kunststoffe aus Spezialanwendungen zurückzugewinnen, könnten solche technischen Verfahren sinnvoll sein. Sicherlich eignen sie sich aber nicht als Standardlösung für jede Verpackung. Wenn es darum geht, möglichst viel Plastik wiederzuverwerten, dann sind nicht nur neue Recycling-Technologien gefragt. Das ökologische Design müsste schon beim Hersteller anfangen und standardisiert werden.

Qualitätskriterium Recyclingfähigkeit der Kunststoffe

In der Europäischen Union wird über eine Neuausrichtung der Ökodesign-Richtlinie diskutiert. In Zukunft soll sie auch berücksichtigen, wie gut sich ein Produkt recyceln lässt.

  • Aus Wissenschaft und Technik, Sonntag, 20.05.2018 um 13:35 Uhr in B5 aktuell

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