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Musiker in Corona-Zeiten: Aerosolstudie mit den Bläsern des BRSO | BR24

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Musizieren unter Corona-Bedingungen - Ein Interview mit Matthias Echternach von der LMU München zu der Aerosolstudie

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Musiker in Corona-Zeiten: Aerosolstudie mit den Bläsern des BRSO

Seit Beginn der Corona-Pandemie ringen Ensembles mit Mindest-Abständen und Hygiene-Regeln: Musiker müssen große Sicherheitsabstände einhalten – das macht Aufführungen von Symphonien oft unmöglich.

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Von
  • Thomas Kempe

Vor allem bei Bläsern entstehen beim Spielen Aerosole. Deswegen sehen Hygienekonzepte für Musikerinnen und Musiker große Abstände vor. Denn Aerosole können Viren transportieren und somit eine Ansteckung mit Sars-Cov-2 begünstigen, sollte ein Musiker das Virus in sich tragen.

Verschiedene Forschergruppen und Orchester haben deswegen Studien begonnen, um genauer zu bestimmen, wie viele Aerosole Bläser tatsächlich ausstoßen – und wie stark sie sich beim Spielen ausbreiten. Jetzt liegen erste Ergebnisse einer Studie vor, die eine Forschergruppe der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Universität Erlangen zusammen mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gemacht hat.

Atemwolken sichtbar gemacht

In einem abgedunkelten Raum spielten die Musiker des BR einzeln ihr Instrument. Vorher mussten Sie einmal tief an einem sogenannten E-Dampfer ziehen, einer E-Zigarette, die Flüssigkeit ohne Nikotin enthielt. Mit Hilfe von Hochgeschwindigkeitskameras und Laserlicht konnten die Wissenschaftler dann die Aerosolwolken, die beim Musizieren entstehen, sichtbar machen und ausmessen.

Abstände je nach Instrument

Wichtigste Erkenntnis: Die Aerosolwolke breitet sich nach vorne deutlich stärker aus als zur Seite. Das bedeutet für Studienautor Matthias Echternach von der Ludwig-Maximilians-Universität München: "Es ist so, dass wir für fast alle Instrumente einen Abstand nach vorne von zwei Metern und zur Seite von eineinhalb Metern als sicher empfinden würden." Das ist etwas weniger als die derzeitigen Empfehlungen der Berufsgenossenschaft. Nur Flötisten müssen mehr auf Abstand gehen: "Bei der Querflöte schlagen wir vor, dass man 3-Meter nach vorne geht und zwei Meter zur Seite."

Je nach Instrument breiten sich Aerosole aus der Atemluft ganz unterschiedlich aus. Bei der Querflöte zum Beispiel, blasen die Musiker über eine Öffnung wie über einen Flaschenhals. Die Atemwolke breitet sich besonders weit aus. Anders bei Trompeten, wie Mitautor Stefan Kniesburges von der Universität Erlangen ergänzt:

"In der Trompete wird letztlich fast alles zurückgehalten und es kann nur eine sehr geringe Ausbreitung erfolgen." Dazu trägt unter anderem bei, dass beim Spielen ein Teil der Aerosole auch im Instrument kondensiert und gar nicht über den normalen Luftstrom entweicht.

Bald neue Empfehlungen möglich?

Die Studienautoren hoffen, dass ihre Ergebnisse auch in zukünftige Empfehlungen und Vorgaben für Orchesteraufführungen einfließen, wenn Konzerte wieder möglich sind. Die Bayerische Staatsregierung hat die Studie mitfinanziert.

Größeres Repertoire könnte möglich werden

Derzeit sind Aufführungen von Werken wie der Missa Solemnis von Beethoven oder ein Großteil der romantischen Orchesterwerke unmöglich. Die neuen Untersuchungsergebnisse sollen helfen, die Abstandsregeln für Orchester präziser zu machen, so Studienautor Matthias Echternach.

"Es ist besser als nichts. Wenn wir die Abstände auf anderthalb Meter verkleinern können, öffnet das ein komplett anderes Repertoire sowohl im Chorgesang, aber vor allem im Orchesterbereich. Das ist schon mal sehr wichtig. Wenn das in der Politik dann umgesetzt wird."

Unabdingbar: Lüften!

Die Studienautoren betonen aber auch, dass sie sich nur die Verbreitung der Aerosole um die Musikerinnen herum angesehen haben – weitere Untersuchungen zur Verbreitung im Raum müssten folgen. Unerlässlich bleibt eine gute Belüftung, am besten per leistungsfähiger Klimaanlage. Sonst sammeln sich die Aerosole in der Raumluft an – dann helfen auch Abstände nicht.

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