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Arzt untersucht Long-Covid-Patientin

Long-Covid-Patient ist nach Definition der WHO, wer mindestens drei Monate nach der Akut-Infektion noch Beschwerden hat.

Bildrechte: picture alliance/KEYSTONE | ALESSANDRO CRINARI
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    Wie die Post-Covid-Versorgung in Bayern besser werden soll

    Im ersten Halbjahr 2021 wurden in bayerischen Arztpraxen 65.000 Menschen mit Post-Covid-Symptomen behandelt. Um diese Patientinnen und Patienten besser betreuen zu können, wird bis zum Frühjahr 2022 ein ambulantes Versorgungsnetzwerk aufgebaut.

    Von
    Susanne DietrichSusanne Dietrich
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    Eva S. erkrankte im Februar 2021 an Covid-19. Der Verlauf war mild, aber in den Monaten danach geht es der jungen Frau Ende 20 nicht besonders gut: "Irgendetwas passte nicht mit meinem Herzen und über Wochen und Monate hinweg kamen dann vielfältige Symptome dazu, unter anderem Verdauungsprobleme und Konzentrationsschwächen."

    Die Studentin aus dem Landkreis Regensburg kannte solche Beschwerden vor der Corona-Erkrankung nicht. Früher war sie sportlich und voller Energie, seit der Infektion ist sie schnell erschöpft und wenig belastbar. Neben der Abgeschlagenheit machen ihr vor allem Herzrhythmusstörungen zu schaffen: "Dann bekommt man vom Arzt eine Überweisung und ruft verschiedene Kardiologen an. Aber bei allen war die Wartezeit mindestens drei Monate. Nach diesen ganzen Telefonaten steht man schon da und fragt sich: Und jetzt?"

    Post-Covid-Betroffene suchen Informationen in Selbsthilfegruppen

    Der Hausarzt von Eva S. stuft ihre Symptome zunächst als psychosomatisch ein. Er sei zwar bemüht, scheint sich aber nicht besonders gut mit Corona-Langzeitfolgen auszukennen, stellt die Studentin fest: "In der Facebook-Selbsthilfegruppe 'Leben mit Covid-19' habe ich mehr über Post Covid erfahren als von ihm."

    Ähnlich erleben das andere Mitglieder der Selbsthilfegruppe, und sie bemängeln lange Wartezeiten bei Facharztpraxen. Auch konkrete Tipps werden eher unter Betroffenen weitergeben, beispielsweise, dass es für Post-Covid-Betroffene keine Beschränkung für Physiotherapie-Termine gibt.

    Bis zu 80 Prozent der Post-Covid-Betroffenen werden in Hausarztpraxen betreut

    Die ambulante Betreuung von Menschen mit Corona-Langzeitfolgen in Bayern ist durchaus ausbaufähig. Hausärztinnen und Hausärzten kommt bei der ambulanten Unterstützung von Menschen mit Corona-Langzeitfolgen eine Schlüsselrolle zu: 75 bis 80 Prozent der Patienten wurden nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) im ersten Halbjahr 2021 von Allgemeinärzten betreut.

    Dr. Oliver Abbushi, Bezirksvorsitzender München des Bayerischen Hausärzteverbands, sieht täglich Betroffene in seiner Praxis. Grundsätzlich sind die bayerischen Hausärztinnen und Hausärzte nach seiner Einschätzung gut für die Betreuung von Menschen mit Corona-Langzeitfolgen aufgestellt. Aber die Aufgabe sei komplex, schließlich sei Post Covid bislang nicht abschließend erforscht. Die Krankheit habe viele Gesichter, und es gebe noch kein Medikament und keine standardmäßige Therapie.

    Wissenschaftliche Untersuchungen und Schulungen von Haus- und Fachärzten sollten aus der Sicht von Dr. Abbushi Hand in Hand gehen: "Weiterbildung ist immer gut. Aber wir haben zuerst einmal das Problem, dass wir von wissenschaftlicher Seite Input brauchen, um diese Diagnose stellen zu können und dann natürlich auch Therapieempfehlungen anzubieten. Das ist alles intensiv im Moment in Arbeit an den Universitäten. Da kommst du als niedergelassener Arzt nicht drum rum, dich damit zu beschäftigen."

    Ambulantes Post-Covid-Netzwerk wird bis Frühjahr 2022 aufgebaut

    Die zwölf Post-Covid-Ambulanzen an Kliniken in Bayern haben zum Teil lange Wartezeiten. Eine gute Versorgung durch niedergelassene Ärzte ist deshalb wesentlich – gerade angesichts der großen Betroffenenzahl. Aus diesem Grund hat die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) Anfang August das ambulante Post-Covid-Netzwerk LoCoN ins Leben gerufen. Damit soll die Zusammenarbeit von Haus-, Fachärzten und Psychotherapeuten in ganz Bayern optimiert werden.

    Der Aufbau von LoCoN dauert bis etwa zum Frühjahr 2022, sagt der Vorstandsvorsitzende der KVB, Dr. Wolfgang Krombholz: "Weil man jetzt so langsam diese Diagnose erkennt, in welcher Schwierigkeit sie besteht für die Patienten. Und diese Zusammenarbeit versuchen wir auch inhaltlich so zu stützen und zu organisieren, dass der Patient es leichter hat als vor einem halben Jahr."

    Interessierte Ärztinnen und Ärzte – gerade auch aus dem ländlichen Bayern – können sich dem Netzwerk anschließen und erhalten dort aktuelle wissenschaftliche Informationen und Fortbildungsangebote zum Thema Post Covid. Vor allem aber können sie sich mit Kollegen anderer Fachrichtungen vernetzen, die dann im besten Fall schnell einen Termin zur Verfügung stellen können.

    Stadt und Land: Gleichermaßen versorgt?

    "In Oberfranken, in der südlichen Oberpfalz und in Niederbayern wurde oder wird diese Erkrankung am häufigsten behandelt", sagt Dr. Krombholz. Eine Herausforderung ist die ambulante Versorgung von Post-Covid-Betroffenen nach der Einschätzung von Hausarzt Abbushi in ländlichen und städtischen Gebieten Bayerns gleichermaßen: "Auf dem Land ist es sicherlich immer etwas schwieriger, weil dort die Ärztedichte nicht so groß ist. Aber auf der anderen Seite kann ich auch berichten, dass selbst in München bestimmte Adressen, die sich als Post-Covid-Ambulanzen bezeichnen, überfüllt oder gar nicht erreichbar sind."

    Hilfreiche Informationen für Betroffene: die Patientenleitlinie

    Für Betroffene ist es in jedem Fall hilfreich, sich zunächst in der kürzlich erschienenen Patientenleitlinie zu Corona-Langzeitfolgen zu informieren und sich dann an die Hausärztin oder den Hausarzt zu wenden. Diese können erste Untersuchungen wie Blutbild und EKG vornehmen und Überweisungen an Fachärzte wie Pneumologen, Kardiologen oder Neuropsychologen ausstellen.

    Wer akut Unterstützung sucht, kann die Patientenservicenummer 116/117 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung anrufen – darüber werden unter anderem auch Arzttermine vermittelt.

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