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Frühe Vierfüßer lebten wohl im Wasser und nicht an Land | BR24

© Mikhail Shekhanov for the Ukhta Local Museum

So könnte die Lagune, in der die frühen Tetrapoden lebten, ausgesehen haben.

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    Frühe Vierfüßer lebten wohl im Wasser und nicht an Land

    Von den Tetrapoden, auf Deutsch Vierfüßer, stammen Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere ab. Sie waren die ersten Wirbeltiere, die das Land eroberten. Damit ließen sie sich aber anscheinend ziemlich Zeit, zeigen neu entdeckte Fossilien.

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    Die ersten Tetrapoden entwickelten sich aus den Fischen im Devon-Zeitalter, das vor etwa 360 Millionen Jahren endete. Das bisher bekannte Wissen stammte von wenigen Gattungen der Vierfüßer, hauptsächlich Ichthyostega and Acanthostega, bei denen es nahezu komplette Skelette zu untersuchen gab. Von den meisten anderen Tetrapoden aus dem Devon waren es hingegen nur ein paar Kieferreste und Knochen der Gliedmaßen. Das war genug, um festzustellen, dass diese Tiere existierten, aber zu wenig für aussagekräftige Erkenntnisse. Zudem lebten Ichthyostega and Acanthostega ganz am Ende des Devon. Manche Überreste der Tetrapoden sind aber bis zu 373 Millionen Jahre alt und damit viel älter. Der älteste Fußabdruck ist sogar 390 Millionen Jahre alt. Die Tetrapoden aus dem Devon haben also eine lange Frühgeschichte, von der man bis jetzt allerdings wenig wusste. Das fanden Forscher frustrierend, denn die Eroberung des Landes ist eine der wichtigsten Phasen in der Geschichte der Wirbeltiere.

    Sehr alte und sehr gut erhaltene Fossilien

    Ein neu entdeckter russischer Tetrapode, den Forscher von der Universität Uppsala in der Fachzeitschrift Nature beschreiben, ändert das nun komplett. Parmastega aelidae ist 372 Millionen Jahre alt. Damit sind seine Fossilien nur wenig jünger als die ältesten Knochenfragmente von Tetrapoden. Die Fossilien von Parmastega stammen aus einer Kalksteinformation in der Nähe der Stadt Uchta in Nordrussland. Kleine und große Exemplare wurden dort gefunden, der größte hatte einen Kopf mit einer Länge von rund 27 Zentimetern. Fischähnliche Merkmale bei manchen Knochen weisen darauf hin, dass Parmastega nicht nur der früheste, sondern auch der primitivste unter den gut erhaltenen Tetrapoden aus dem Devon ist.

    © Pavel Beznosov

    Kiefer Und Zähne des frühen Tetrapoden

    Wie ein Krokodil mit Glubschaugen

    Wie andere Tetrapoden aus dem Devon ähnelt Parmastega ein wenig einem Krokodil. Allerdings ragen seine Augen oben aus dem Schädel hervor. Die Krümmung von Schnauze und Unterkiefer erzeugt den Eindruck, als würde Parmastega seltsam grinsen und dabei seine Zähne zeigen. Hinweise auf seine Lebensweise geben die Kanäle der Seitenlinienorgane, die er von den Fischen geerbt hat. Mit ihnen konnte er Schwingungen im Wasser wahrnehmen. Besonders gut entwickelt waren die Kanäle im Unterkiefer, in der Schnauze und den Seiten des Kopfes. Hinter den Augen oben auf dem Kopf waren sie jedoch kaum vorhanden. Das bedeutet vermutlich, dass er viel Zeit damit verbrachte, an der Wasseroberfläche herumzudümpeln, wobei nur die Augen aus dem Wasser hervorschauten. Krokodile tun dies heute, um nach potenziellen Beutetieren an Land Ausschau zu halten. Vor 370 Millionen Jahren machte Parmastega möglicherweise Jagd auf große Gliederfüßer wie Tausendfüßer und Seeskorpione. Mit seinem schmalen, elastischen Kiefer konnte er wohl auch gut nach Beute am Grund wühlen, die er dann mit seinen nadelspitzen Zähnen und kräftigen Fangzähnen im Oberkiefer packte.

    © Pavel Beznosov

    Das rechte Ufer der Ischma. In der Nähe wurden die Fossilien von Parmastega aelidae gefunden.

    Lauernd auf Beute am Strand

    Die Fossilien hielten noch eine Überraschung parat: Der Schultergürtel bestand teilweise aus Knorpel, der weicher als Knochen ist. Die Wirbelsäule und die Gliedmaßen wurden möglicherweise ganz von Knorpel gestützt, sind allerdings nicht erhalten. Das deutet stark darauf hin, dass Parmastega mit seinem krokodilähnlichen Kopf und den hervorstehenden Augen nie das Wasser verlassen hat. Vielleicht schlich es sich im seichten Wasser an die Beute heran und sprang dann ans Ufer, um sie zu packen und ins Wasser zu schleppen.