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#Faktenfuchs: Corona-Mythen zu Bill Gates | BR24

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In einem Youtube-Video werden Unwahrheiten über den Microsoft-Gründer Bill Gates und dessen Engagement in der Corona-Krise verbreitet.

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    #Faktenfuchs: Corona-Mythen zu Bill Gates

    Er lenkt die WHO, will mit Impfstoffen die Bevölkerung dezimieren oder besitzt ein Corona-Patent: Um Microsoft-Gründer Bill Gates kursieren jede Menge Behauptungen und Gerüchte. Manche Vorwürfe haben einen wahren Kern, andere sind haltlos.

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    Während der Corona-Pandemie haben Gerüchte um Bill Gates Fahrt aufgenommen. Auch in BR24-Kommentaren oder Mails an die Redaktion werfen Leser Gates vor, mit Finanzmitteln Einfluss auf die globale Gesundheitspolitik oder einzelne Impfprojekte zu nehmen. Eine Userin machte den #Faktenfuchs auf ein Youtube-Video aufmerksam, das schon fast 90.000-mal aufgerufen wurde (Stand 29.4.20).

    "Doch nicht nur China lenkt die WHO, sondern auch der Microsoft-Milliardär und China-Freund Bill Gates", heißt es in dem Clip auf einem deutschen Youtube-Channel, der kein Impressum, keinen Klarnamen und keine Anschrift in der Kanalinfo angibt.

    Dieses Video ist nur ein Beispiel in einer ganzen Reihe von Behauptungen und Mythen, die sich in der Corona-Krise um Gates ranken. Warum ausgerechnet der Microsoft-Gründer zur Zielscheibe wird, behandelt der BR24-#Faktenfuchs in einem zweiten Artikel. In diesem Beitrag widmen wir uns deshalb ausschließlich den wiederkehrenden Behauptungen rund um Gates und untersuchen sie auf ihren Wahrheitsgehalt.

    Die Bill & Melinda Gates Stiftung und die WHO

    In dem Video, auf das uns die Userin hinwies, behauptet der Sprecher: "Mit 250 Millionen Dollar jährlich ist die Bill & Melinda Gates Foundation der mit Abstand größte Beitragszahler der Weltgesundheitsorganisation." Begleitend ist der Screenshot einer SWR-Webseite zu sehen, der die Überschrift "Die WHO am Bettelstab: Was gesund ist, bestimmt Bill Gates" trägt. Der Artikel ist der Begleittext zu einer Sendung, die 2017 zum ersten Mal ausgestrahlt und im Januar 2019 wiederholt wurde.

    Richtig ist, dass die Bill & Melinda Gates Foundation einer der größten Geldgeber der WHO ist. Diese finanziert sich zu etwa 80 Prozent aus freiwilligen Beiträgen. Für die Periode 2018 und 2019 war die Bill & Melinda Gates Foundation nach den USA der zweitgrößte Geldgeber mit einem Anteil von 9,76 Prozent (Stand: 30.4.20). Das sind für den Zweijahreszeitraum etwa 550 Millionen Dollar. Wichtig ist das auch deshalb, weil US-Präsident Donald Trump im April 2020 erklärt hat, die Beitragszahlungen der USA an die WHO vorerst einzustellen.

    Tatsächlich kann Gates über diese Zahlungen einen gewissen Einfluss auf die WHO nehmen. Dieser entsteht dadurch, dass die meisten freiwilligen Geldmittel zweckgebunden zur Verfügung gestellt werden. In dem SWR-Beitrag heißt es: "Die großen Verdienste der Gates Stiftung sind unbestritten. Problematisch ist, dass Bill Gates durch seine Stiftungen seine Vorstellung von Gesundheitsförderung durchsetzt.“

    Laut dem SWR investiert die Gates-Stiftung das Geld vor allem in Maßnahmen zur Eindämmung von Infektionskrankheiten, darunter Impfkampagnen und die Verteilung von Medikamenten. Weiter heißt es: "Gesundheitsexperten wie Thomas Gebauer von der Hilfsorganisation Medico International kritisieren, dass dadurch andere wichtige Aufgaben vernachlässigt würden – der Aufbau funktionierender Gesundheitssysteme in armen Ländern zum Beispiel.“ Ein Problem, das WHO-Direktor Gaudenz Silberschmidt in der Reportage selbst zugesteht: "Diese Tendenz stimmt; und wir sind uns dessen bewusst. Aber wir sind auch im Dialog, der dazu beigetragen hat, dass die Gates-Stiftung und Bill und Melinda Gates selber verstanden haben: Es geht nicht ohne eine Stärkung der Gesundheitssysteme."

    Als Zwischenfazit lässt sich festhalten: Richtig ist, dass die Bill & Melinda Foundation ein wichtiger Geldgeber der WHO ist, die Stiftung finanziert etwa 10 Prozent des Beitragsaufkommens. Gesundheitsexperten kritisieren in dem zitierten Beitrag, dass die Mittel zweckgebunden sind, also nur für einen bestimmten Bereich der Gesundheitsförderung verwendet werden. Rund 80 Prozent der WHO-Beiträge kommen aus freiwilligen Spenden. Die Organisation ist also fundamental darauf angewiesen. So entsteht ein Legitimationsproblem. Selbst Kritiker würdigen jedoch, dass sich die Gates-Stiftung finanziell stark für die Weltgesundheit engagiert.

    Durch Impfen der Bevölkerung schaden?

    Über seine Stiftung finanziert Bill Gates die Forschung an einem Corona-Impfstoff mit. In dem Youtube-Video zitiert der Sprecher Gates mit einer angeblichen Aussage über diesen Einsatz. Der Sprecher gibt Gates so wieder: "Die Welt werde erst zur Normalität zurückkehren, sobald man der gesamten Menschheit einen Impfstoff verabreicht habe." Viele Menschen, heiß es weiter, würden hinter dieser Aussage von Gates "eine Depopulations-Agenda" vermuten. Auf lange Sicht würden die Nebenwirkungen des von Gates mitfinanzierten Corona-Impfstoffes schlimmer sein als die eigentliche Pandemie. So entsteht der Eindruck, Bill Gates wolle allen Menschen einen schädlichen Impfstoff verabreichen, um die Menschheit zu reduzieren.

    Das Problem: Gates hat das nie so gesagt. Die falsch zitierte Aussage lautet im Original: "It is fair to say things won’t go back to truly normal until we have a vaccine that we’ve gotten out to basically the entire world.” Sie stammt aus einem Interview von April 2020. Korrekt übersetzt heißt das: "Man kann durchaus sagen, dass die Dinge erst dann wieder wirklich normal werden, wenn wir einen Impfstoff haben, den wir nahezu der ganzen Welt zur Verfügung gestellt haben.“

    Die starke Formulierung "verabreichen" geben weder das Original selbst noch der Kontext her. Denn im Gespräch geht es zuvor darum, ob es bei nur einer Infektionswelle bleiben wird, wenn alle Maßnahmen des Shutdowns und des Testens eingehalten würden. Gates antwortet, dass man noch nicht wisse, wie saisonal das Coronavirus sei.

    Die Annahme, dass Corona-Impfstoffe, an denen derzeit geforscht wird, schlimmere Auswirkungen haben könnten als das Virus selbst, entbehrt jeder Grundlage. Es ist eine unbelegte Behauptung. Impfstoffe werden, bevor sie eingeführt werden, geprüft. Die Entwicklungs- und Prüfverfahren werden zum Beispiel in diesem Artikel dargelegt.

    Recherchen anderer Faktenchecker

    Auch andere Faktenchecker setzten sich bereits mit Gerüchten zu Gates auseinander. So gelangte zum Beispiel das Recherchezentrum Correctiv zu dem Schluss: "Nein, Bill Gates hat kein Patent auf das neue Coronavirus oder den Ausbruch mit 65 Millionen Toten vorhergesagt."

    Der ARD-faktenfinder untersuchte, was an den Vorhaltungen dran ist, dass Gates hinter der Pandemie stecke, um Impfstoffe zu verkaufen, oder dass er den Menschen Mikrochips einsetzen wolle und mit Hilfe dieser Chips und 5G die Menschheit kontrollieren wolle. Das Ergebnis: "Die Behauptungen über Gates basieren zumeist auf wenigen Zitaten, die aus dem Kontext gerissen oder bewusst falsch interpretiert werden. Die transparente Zusammenarbeit seiner Stiftung mit anderen Institutionen wird als ein dubioses, geheimnisvolles Netzwerk dargestellt. Auf diese Art und Weise werden komplexe Legenden erschaffen."

    Fazit: Das Engagement von Bill Gates und der Bill & Melinda Gates Foundation für die WHO kritisierten auch schon Fachleute – allerdings nicht das Engagement als solches, sondern dessen Schwerpunktsetzung. Zum Teil werden ausgehend von Tatsachen Gerüchte zu Bill Gates aufgebaut und mit nicht belegbaren Absichten verknüpft. Zum Teil sind die Behauptungen und Vermutungen aus der Luft gegriffen und dazu geeignet, Menschen Angst einzujagen und ein Feindbild zu schaffen. Zum Thema "Impfen" und "Lenken der Menschheit" bildeten sich komplexe Verschwörungsmythen.

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