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Die Hälfte der Europäer sitzt über viereinhalb Stunden am Tag | BR24

© picture alliance / Christin Klose

Im Schnitt sitzen die erwachsenen Europäer viereinhalb Stunden am Tag und schaden damit ihrer Gesundheit-

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    Die Hälfte der Europäer sitzt über viereinhalb Stunden am Tag

    Wir alle ahnen es, doch jetzt hat eine groß angelegte Studie den Verdacht bestätigt: Wir sitzen zu viel - am Schreibtisch, auf dem Sofa oder der Parkbank. Stundenlanges Sitzen ist ungesund, es hat Auswirkungen auf den ganzen Körper, auch das Gehirn.

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    Bewegungsmangel ist von Expertinnen und Experten schon länger als stiller Risikofaktor für unsere Gesundheit erkannt worden, der auch große Auswirkungen auf unsere Sozialsysteme und die Wirtschaft haben kann. Doch bislang gab es nur wenige groß angelegte Studien, die das ganze Ausmaß des Bewegungsmangels dokumentiert haben.

    Eine neue Studie, die im August im British Medical Journal veröffentlicht wurde, hat erwachsene Europäerinnen und Europäer im Zeitraum von 2002 bis 2017 untersucht.

    Die Ergebnisse:

    • Zwischen 2002 und 2017 hat sich der Bewegungsmangel bei den Erwachsenen erhöht: von etwa 49 Prozent auf 55 Prozent. Als Bewegungsmangel definierten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ein tägliches Sitzen von 4,5 Stunden oder mehr.
    • Männer sitzen in allen EU-Ländern täglich länger als Frauen.
    • Die Altersgruppen zwischen 18 und 24, sowie die Menschen, die älter als 65 Jahre sind, bewegen sich im Schnitt weniger.

    Damit bestätigt die neue Studie Ergebnisse früherer, kleinerer Untersuchungen.

    Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch Bewegungsmangel

    Dass über die Hälfte der Europäerinnen und Europäer mindestens 4,5 Stunden am Tag sitzt und damit einen erheblichen Bewegungsmangel hat, ist ein Problem für die Gesundheit. Studien lassen vermuten, dass schon vier Stunden Inaktivität täglich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen und zu einem früheren Tod führen können. Auch Krankheiten wie Diabetes werden durch den Bewegungsmangel beeinflusst.

    Wenn man seinen Tagesdurchschnitt an Sitz-Zeit um nur zwei Stunden verringert, verringert das auch die Sterblichkeit in der Gesamtbevölkerung um rund 2 Prozent.

    Das Sitzen hat sich eingeschlichen

    In den letzten 15 Jahren hat sich der tägliche Bewegungsmangel stetig erhöht. Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen werden Pendelzeiten höher, Maschinen nehmen den Menschen körperliche Arbeit ab, auch zu Hause, und wir sitzen mittlerweile auch viel unserer Freizeit, am Laptop, vor dem Smart-TV oder dem Smartphone auf dem Sofa. Das betrifft auch Kinder und Jugendliche.

    Darüber hinaus geht höhere Bildung auch mit mehr Sitzen einher, auch fördern Computerarbeitsplätze körperliche Inaktivität. Interessanterweise sind Seniorinnen aktiver als Senioren, das könnte daran liegen, dass Frauen häufiger den Haushalt machen oder dass sie häufiger kurze Phasen der Inaktivität leben als lange, was wiederum besser für die Gesundheit ist.

    Jeder kann im Alltag aktiver werden

    Expertinnen wie die Sportwissenschaftlerin Birgit Sperlich von der Deutschen Sporthochschule Köln rät, sich die Aktivität zurück in den Alltag zu holen. Treppensteigen statt Aufzug fahren, den zentralen Drucker auf dem Gang nutzen und nicht den eigenen auf dem Schreibtisch und lieber einmal eine Station früher aus der U-Bahn oder dem Bus aussteigen und 10 Minuten zu Fuß gehen. Regelmäßiger Sport ist auch wichtig, doch um Inaktivität zu bekämpfen, hilft es nicht, zweimal die Woche eine Stunde im Fitness-Studio zu schwitzen. Es kommt auf die Regelmäßigkeit über den Tag verteilt an.

    "Gegen zu viel sitzen hilft nur, weniger zu sitzen." Birgit Sperlich, Sporthochschule Köln

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