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Corona-Schnelltests für die Nase gibt es schon viele zu kaufen.

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    Corona-Nachweis: Gurgeltest, Spucktest, Lollitest

    Der PCR-Test ist der Goldstandard, um SARS-CoV-2-Viren nachzuweisen. Ungenauer, aber leichter anwendbar sind Selbsttests - etwa mit Nasentupfern. Aber auch gurgeln, spucken oder lutschen zeigt akute Corona-Infektionen auf.

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    Von
    • Veronika Bräse

    Alle Corona-Tests haben ein Ziel: Sie sollen anzeigen, ob jemand Corona-Viren in sich trägt oder nicht. Dafür braucht man eine Probe aus dem Nasen- oder Rachenraum. Ideal ist, wenn die Probenentnahme möglichst einfach geht, nicht weh tut und das Ergebnis schnell vorliegt. In Pilotprojekten werden Gurgel-, Spuck- oder Lollitests erprobt.

    Das Zulassungsverfahren für Antigen-Selbsttests in Deutschland

    Wenn ein neuer Selbsttest auf den Markt kommen soll, prüfen das in Deutschland zwei Institutionen: Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut. Die Liste der sonderzugelassenen Corona-Antigen-Schnelltests wird immer länger. Darunter sind in erster Linie Tests mit Nasenabstrich und einige wenige Spucktests. Alle anderen Methoden werden derzeit noch in Pilotprojekten erprobt und sind für Laien noch nicht verfügbar.

    Das Gesetz über Medizinprodukte sieht vor, dass Diagnosemethoden befristet zugelassen werden können, „wenn deren Anwendung im Interesse des Gesundheitsschutzes liegt. Die Zulassung kann auf begründeten Antrag verlängert werden“ (Paragraph 11 Sondervorschriften für das Inverkehrbringen und die Inbetriebnahme). Um Laientests dann regulär auf den Markt zu bringen, wird ein Produktzertifikat von einer Stelle wie dem TÜV benötigt. Dann erst erhält der Test ein CE-Kennzeichen, eine vierstellige Prüfnummer und kann EU-weit verkauft werden. Das vollständige Zulassungsverfahren garantiert Qualität und Zuverlässigkeit der Tests, zieht sich aber oft über viele Monate hin.

    Der Antigen-Selbsttest im vorderen Teil der Nase

    Nach den Osterferien 2021 starteten Bayerns Schülerinnen und Schüler mit zwei verpflichtenden Corona-Selbsttests pro Woche. Dabei handelt es sich um die von Schülern so genannten "Nasen-Popel-Tests", die es im Vorfeld auch schon bei Discountern, Drogerien und in Apotheken zu kaufen gab. Es wird ein dünnes Wattestäbchen in den vorderen Teil der Nase geschoben und darin gedreht. Diese Probe entnimmt jeder selbst. Nach etwa einer Viertelstunde liegt das Ergebnis vor. Es zeigt bei richtiger Anwendung, ob spezielle Protein-Bausteine des Virus SARS-CoV-2 vorhanden sind.

    Zum Vergleich: Ein PCR-Test wird von medizinischem Fachpersonal tief im Nasen- und Rachenraum vorgenommen und weist nach einigen Stunden nach, ob sich Corona-Erbgut in der Probe befindet. Diese Testform gilt als besonders zuverlässig, aber auch als unangenehm, vergleichsweise teuer und langwierig.

    Der Gurgeltest zum Nachweis von Corona-Viren

    Beim Gurgeltest sollten Anwender im Vorfeld ein bis zwei Stunden lang nichts essen, auch weder die Zähne putzen noch Kaugummi kauen. Um das Ergebnis möglichst sicher zu machen, hilft es auch, den Mund vorher mit klarem Wasser auszuspülen. Dann muss man eine kleine Menge Kochsalzlösung gurgeln. Diese wird dann über einen Trichter in ein Probenröhrchen gespuckt und im Labor ausgewertet.

    In Wien können sich die Bürger kostenlose Gurgeltests im Drogeriemarkt abholen: "Alles gurgelt", heißt die Aktion in Österreich. In den Landkreisen Hof und Wunsiedel beteiligen sich Grund- und Mittelschulen an einem Pilotprojekt für Corona-Gurgeltests.

    Gurgeltests sind sogenannte Pool-Tests. Ein Teil der Probe wird mit denen der Mitschüler zusammengeschüttet, so dass die Auswertung schnell geht. Finden sich in einem Pool Hinweise auf eine Corona-Infektion, werden im Anschluss die einzelnen Röhrchen ausgewertet. Für sämtliche Selbsttests gilt: Ist eine Person positiv getestet, muss sie sich umgehend einem PCR-Test unterziehen.

    Der Spucktest zum Nachweis von SARS-CoV-2-Viren

    Im Unterschied zum Gurgeltest wird beim Spucktest keine Kochsalzlösung benötigt. Um den Speichelfluss anzuregen, sollte man die Wangen eine Weile massieren. Dann spuckt man in eine kleine Tüte. Mit Hilfe einer Pipette kommt die Speichelprobe dann in ein Röhrchen mit Pufferlösung, wird geschüttelt und auf einen Teststreifen getropft. Das Ergebnis lässt sich nach etwa 15 Minuten ablesen.

    Auch beim Spucktest sollte man mindestens zehn Minuten vorher nichts essen oder trinken und auf Süßigkeiten, Kaugummi, Medikamente oder Tabak verzichten. Vertrieben werden die Tests bereits über Apotheken, Drogerien und Discounter.

    Der Lollitest als schonender Rachenabstrich

    Vor allem für Kita-Kinder eignet sich der sogenannte Lollitest. Der "Lolli" ist ein Wattestäbchen, an dem Kinder etwa 30 Sekunden lang lutschen sollen. Sie müssen also keine unangenehme Abstrich-Prozedur in Nase oder Rachen erdulden. Das Wattestäbchen wird dann nicht vor Ort, sondern in einem Labor untersucht.

    Die Analyse geschieht zuerst als Pool-Test einer Gruppe oder einer Schulklasse. Ist ein Pool positiv, kann das Labor die Einzelproben unmittelbar nachtesten und die infizierte Person ausfindig machen. Es handelt sich beim Lollitest um einen PCR-Test, dessen Ergebnis nicht sofort vorliegt. Wird morgens getestet, meldet das Labor in der Regel am frühen Nachmittag die Auswertung. Diese Art von Tests werden bisher nicht frei vertrieben, sondern stehen nur einzelnen Einrichtungen im Rahmen von Pilotprojekten zur Verfügung.

    Der Lollitest wurde an der Uniklinik Köln als "SCHOCO-Projekt" ins Leben gerufen. SCHOCO steht für "Schul-Observation auf Corona". Es soll vor allem Kitas und Schulen dazu befähigen, systematisch und möglichst kindgerecht zu testen. Auch an Freiburger Schulen wird der SCHOCO-Test ausprobiert. Erst wenn genügend Daten ausgewertet sind und ein positives Fazit zulassen, könnte der Lollitest sämtlichen Kitas und Schulen zur Verfügung gestellt werden.

    Corona-Selbsttests sollten einfach und aussagekräftig sein

    Eine Preprint-Studie eines Forschungsteams der Charité und des Universitätsklinikums Heidelberg vom 8. Januar 2021 zeigt, dass Probanden einen Abstrich aus dem vorderen Nasenbereich verlässlich selbst durchführen konnten, wenn sie eine Anleitung zur Verfügung hatten. 80 Prozent gaben an, dass der Test aus ihrer Sicht einfach umsetzbar sei.

    Ein aktualisierter Cochrane Review vom 24. März 2021 vergleicht weltweit sämtliche Selbsttests und kommt zu dem Ergebnis, dass die Qualität stark variiert. Die besten Tests finden über 80 Prozent der Infizierten.

    Lange Zulassungsverfahren für Gurgel-, Spuck-, oder Lollitests

    Corona-Schnelltests sind generell nicht so zuverlässig wie PCR-Tests. Ihr Ergebnis hängt auch stark davon ab, ob sie fachgerecht durchgeführt werden. Da Schnelltests darauf abzielen, möglichst einfach in der Handhabung und möglichst überall verfügbar zu sein, gelten sie als ein wichtiger Baustein, die Pandemie in den Griff zu bekommen.

    Trotz aller Vorteile dauert es in Deutschland vergleichsweise lang bis Selbsttests ausreichend geprüft sind und auf den Markt kommen. Mittlerweile gibt es viele verschiedene Antigen-Schnelltests für den vorderen Nasenabstrich. Die meisten Gurgel-, Spuck-, oder Lollitests sind hingegen für Laien noch nicht erhältlich.

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