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70 Jahre Münchner Patentamt: Wo Pumuckl auf Knautschzone trifft | BR24

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Es ist kein Zufall, dass München 1949 als Standort für das Deutsche Patent- und Markenamt ausgewählt wurde. Hier gibt es Technologieunternehmen und Universitäten. Bis heute kommen die meisten Patentanmeldungen aus Bayern, auch außergewöhnliche.

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70 Jahre Münchner Patentamt: Wo Pumuckl auf Knautschzone trifft

Sie sind bahnbrechend, praktisch oder einfach nur naheliegend - die Erfindungen, die im Deutschen Patent- und Markenamt in München angemeldet werden. Ob frecher Kobold, Konzernlogo oder Medizintechnik - hier wird geistiges Eigentum geschützt.

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Als sich am 1. Oktober 1949 die Türen des Deutschen Marken- und Patentamtes in München erstmals öffneten, ahnte noch niemand, welche bahnbrechenden technische Lösungen, aber auch Weltmarken und TV-Helden in den folgenden Jahrzehnten Eingang in die Register der Behörde am Isarufer finden würden. Zuständig ist das Münchner Amt nämlich nicht nur für technische Erfindungen, die hier vor der Patentierung auf Herz und Nieren geprüft werden. Als weltweit fünftgrößtes Patentamt schützt es auch Marken und Produktdesigns und hütet damit das geistige Eigentum von Forschungseinrichtungen und Großkonzernen genauso wie die Entwicklungen mittelständischer Unternehmen.

"Die meisten Meldungen kommt aus den Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der Unternehmen. Aber wir haben auch immer wieder ungewöhnliche Patentanmeldungen, die aber eher selten erteilt werden." Til Huber, Pressesprecher des Deutschen Patent- und Markenamtes

So findet sich im Kuriositätenkabinett der außergewöhnlichen Anmeldungen etwa die dreibeinige Strumpfhose, die Weißwurst mit Fischfüllung und auch das "Kotauffanggerät für Hunde mit automatischem Beutelauswurf" - allesamt Patentanmeldungen, die von den Münchner Beamten allerdings nicht erteilt wurden.

Held vieler Kinder und gleichzeitig eine geschützte Marke: der Pumuckl

© picture alliance / Franckh-Kosmos Verlag /dpa

Held vieler Kinder und gleichzeitig eine geschützte Marke: der Pumuckl

Da die Münchner Behörde nicht nur für technische Erfindungen, sondern auch für den Schutz von Marken zuständig ist, bekommen die Mitarbeiter es mitunter auch mit spaßigen Gesellen zu tun. Nachdem der Pumuckl bereits seit Anfang der 1960er-Jahre durch die Hörspiele des Bayerischen Rundfunks geisterte, gelang ihm 1982 der Sprung auf die große Kino-Leinwand - und damit ins Münchner Patentamt. Der Schwiegersohn von Ellis Kaut, Brian Bagnall, hatte die Zeichentrickfigur in leuchtenden Farbtönen geschaffen. Die Markenrechte an diesem Pumuckl sicherten sich die Tochter von Ellis Kaut, Ursula Bagnall, sowie der Bayerische Rundfunk. Teile des Vorspanns der Pumuckl-Serie wurden übrigens auf der Dachterrasse des Dienstgebäudes des Deutschen Patentamtes in der Münchner Zweibrückenstraße gedreht. Und auch die Schreinerei vom Meister Eder befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Patentamt in einem Hinterhof im Münchner Stadtteil Lehel.

Eine bahnbrechende Erfindung der Medizintechnik: der Magnetresonanztomograph

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Eine bahnbrechende Erfindung im Bereich der Medizintechnik: der Magnetresonanztomograph

Eine ganz andere, wenn auch nicht weniger erfolgreiche Karriere machte das Patent mit der Anmeldenummer DE 3504734. Eine Erfindung, die in München nicht nur erfolgreich registriert wurde, sondern heute zu den Meilensteinen deutscher Ingenieurskunst zählt. 1985 zum Patent angemeldet wurde die FLASH-Methode, mit der die Magnetresonanztomografie (MRT) für die moderne Medizin nutzbar gemacht wurde. Professor Jens Frahm vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie erhielt dafür im vergangenen Jahr den Europäischen Erfinderpreis.

mp3 - Musik ganz einfach via Internet

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Musik ganz einfach via Internet? Das geht erst seit Münchner Forschern die Entwicklung der mp3-Datei gelang.

Eine andere bahnbrechende Erfindung gelang 1987 den Forschern des Münchner Fraunhofer-Institutes: die Entwicklung des MP3–Formats. Um die Datenmenge einer Audiodatei möglichst stark zu reduzieren, ohne die Klangqualität zu verschlechtern, eliminierten die Wissenschaftler jene Frequenzen, die ohnehin nicht vom menschlichen Ohr wahrgenommen werden können. Diese Kompression von Audio-Files ermöglichte die Übertragung von Musikdateien via Internet und revolutionierte damit die Musikbranche.

FC Bayern: Münchner Logo, in München registriert

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Münchner Verein - Münchner Marke - in München registriert: das Logo des FC Bayern München

Das blau-weiß-rote Logo des FC Bayern München ist als Bildmarke von den Münchner Patenthütern geschützt. Und auch "Berni", seit 2004 offizielles Bayern-Maskottchen, ist seit 2004 angemeldet. Auch wenn es im Laufe der Jahre zu zahlreichen Modifikationen des Bayern-Logos kam, so blieb die Grundgestalt des kreisrunden Markenzeichens mit mittigem bayerischen Rautenmustern seit den 1970er-Jahren stets gleich. Die letzte geringfügige Anpassung des Bayern-Logos mit einem neuen, dunklerem Blau und einem wärmeren Rot erfolgte 2017. Auf die fußballerischen Leistungen des Rekordmeisters hatten die Designänderungen vermutlich wenig Einfluss.

Eine geschützte Erfindung - die Knautschzone

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Gestatten: eine geschützte Erfindung - die Knautschzone

Eine Erfindung, die viele Leben retten sollte, meldete Daimler-Benz 1951 zum Patent an. Der Konstrukteur Béla Barény überlegte, wie er Autoinsassen bei einem Aufprall besser schützen könne. Statt einer starren Fahrzeugkarosserie teilte er das Fahrzeug in drei Zellen auf: eine stabile Fahrgastzelle in der Mitte, sowie zwei verformbare Knautschzonen an Front und Heck. Bei einem Zusammenstoß verformen sich die Karosserieteile und reduzieren somit die auf die Passagiere wirkenden Kräfte. Der erste Mercedes mit Knautschzone ging 1959 in Serie, heute finden sich diese in fast jedem Fahrzeug.