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Basketballer am Korb

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    Wie Textautomatisierung BR Sport unterstützt

    Im Sport nutzt der BR jetzt automatisiert erzeugte Texte als Basis für Berichte zu Spielen der Basketball-Bundesliga. Dadurch finden BR24-Nutzer die Berichte zu Ligaspielen der bayerischen Teams schneller auf der Website.

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    Von
    • Cécile Schneider
    • Uli Köppen

    Für die Basketball-Bundesligasaison 2020/2021 bietet die Sportredaktion die automatisierten Berichte für die Vorrundenspiele an. Die erzeugten Texte werden von der Redaktion geprüft, ggf. überarbeitet und dann veröffentlicht.

    "Der BR berichtet somit für alle Basketball-begeisterten User über jedes bayerische Erstligaspiel wiederkehrend und regelmäßig", sagt Simone Schmauser, Redaktionsleiterin Sport aktuell. "Wir freuen uns, dass wir den Basketballanhängern in Bayern ein Zusatzangebot machen können, gerade auch in Randzeiten und vor allem zeitnah nach Abpfiff."

    "Die Automatisierung spart uns einige zeitaufwändige Arbeitsschritte und sorgt dafür, dass wir uns auf die Analyse konzentrieren können", erklärt Onlineredakteur und Basketball-Experte Wolfram Porr.

    Zusammenarbeit mit TU München

    Den Prototyp hat der Lehrstuhl für Software Engineering betrieblicher Informationssysteme von Prof. Dr. Florian Matthes an der Technischen Universität München gemeinsam mit der Sportredaktion und dem AI + Automation Lab im BR entwickelt, das Automatisierung und künstliche Intelligenz im Journalismus einsetzt. Zum Einsatz kommt er dank der Unterstützung der Abteilung für Softwareentwicklung und Plattformen auf dem Portal von BR24.

    Die Anwendung liest umfangreiche Ergebnisdaten aus dem Basketball-Spiel, zum Beispiel Ergebnisse nach Spielvierteln, Spielplan, Tabellenstände und Wurfstatistiken pro Spieler, automatisch über eine Schnittstelle ein und erzeugt daraus einen Text über den Spielverlauf.

    Der Text wird dann über eine automatisierte Datenleitung direkt als Entwurf ins Redaktionssystem von BR24 eingestellt. Dort können die Dienst habenden Sportredakteure den Text entweder online stellen, oder davor noch mit weiteren Informationen ergänzen.

    Veröffentlichung bleibt in der Hand der Redaktion

    Die Veröffentlichung des Artikels übernehmen in einer Prototypen-Phase weiterhin die Online Sport-Redakteurinnen und -Redakteure. "Uns ist es wichtig, für Verfahren mit Automatisierung und künstlicher Intelligenz Workflows zu finden, bei denen weiterhin die Journalisten die Verantwortung tragen können", erläutert Uli Köppen, Teamleitung im AI + Automation Lab, die Themen rund um den Einsatz künstlicher Intelligenz im BR koordiniert und vorantreibt.

    Zum Anspruch des BR gehört auch die transparente Kennzeichnung von Inhalten, die mit Hilfe von KI oder Automatisierung erstellt werden. Deshalb erhalten die Berichte zu den Ligaspielen der BBL den folgenden Hinweis unterhalb des Artikels.

    💡 Beim Erstellen dieses Artikels haben wir technische Verfahren der Datenverarbeitung und der Erzeugung natürlicher Sprache genutzt. Die Sportredaktion hat den Artikel geprüft und veröffentlicht. Hier erfahren Sie mehr über Textautomatisierung im Sport.

    Verfahren liefert berechenbare Qualität

    Wie steht es nun um die Qualität automatisierter Texte? Bei der Entwicklung der Anwendung hat TU-Informatiker Daniel Braun ein regelgeleitetes Verfahren eingesetzt: "Solche Verfahren bieten sich an, um eine berechenbare Qualität und den Spieldaten entsprechende Ergebnisse zu erzeugen. Anders als Verfahren, die maschinelles Lernen einsetzen, kann unsere Anwendung keine Informationen erfinden, die nicht in den Spieldaten enthalten sind", erklärt der Wissenschaftler. Dieses "Halluzination" genannte Problem tritt manchmal bei Textgenerierung mit Methoden des maschinellen Lernens wie neuronalen Netzwerken auf, die hier aber nicht verwendet werden.

    Für die Entwicklung kam ein Open-Source-Framework für die Erzeugung deutschsprachiger Texte namens SimpleNLG zum Einsatz. Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass die Basketball-Daten nur nach vorher bestimmten Regeln versprachlicht werden, die gemeinsam mit der Sportredaktion erstellt wurden. Aus dem Ergebnis 82:74 der Paarung Bamberg gegen Bayreuth macht die Automatisierung dann "Bamberg besiegt Bayreuth zuhause mit 82:74 Punkten".

    Daten helfen auch Talentsuchern

    Die zugrundeliegenden Ergebnisdaten und Wurfstatistiken (Boxscores) stammen aus der Basketball-Bundesliga und gelangen von dort zum ARD-Lieferanten für Sportdaten. Sie werden direkt in der Halle erfasst und dienen nicht nur dem Sportjournalismus, sondern auch den Trainern und den Talentscouts im Basketball, die immer auf der Suche nach vielversprechenden Spielern sind.

    Führt dies nun dazu, dass Journalisten in Zukunft von Textautomatisierungen ersetzt werden? "Daran ist nicht zu denken", erklärt Simone Schmauser, Leiterin Aktuelles im Sport. "Mein Team ist – wie viele andere im BR – sehr gut ausgelastet. Automatisierungen wie diese helfen dabei, unsere JournalistInnen von Routineaufgaben zu entlasten, damit sie mehr Zeit für Recherche und Einordnung des aktuellen Geschehens haben. Das ist es, was unsere User von uns erwarten."

    © BR/Lisa Hinder
    Bildrechte: BR/Lisa Hinder

    BR-Informationsdirektor Thomas Hinrichs

    Im Sinne der Nutzerinnen und Nutzer sieht Informationsdirektor Thomas Hinrichs viel Potenzial in KI und Automatisierung, denn sie treiben die nächste Welle der Digitalisierung: "Für unseren Informations- und Bildungsauftrag im BR sind diese Technologien aus zwei Gründen sehr wichtig. Wir brauchen diese neue Kompetenz im BR, um den Einsatz von KI in der Gesellschaft auch in unserer Berichterstattung kritisch hinterfragen zu können. Gleichzeitig kommen die Vorteile von KI und Automatisierung unserem Publikum zugute, indem wir die Technologien transparent und verantwortungsvoll im Programm nutzen. Hier helfen uns die KI-Expertise im AI + Automation Lab und der Schulterschluss mit der Forschung sehr."