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München will ein Zeichen gegen Homo- und Transphobie setzen und seine Arena am Mittwochabend beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben leuchten lassen. Dafür wirbt Münchens Oberbürgermeister in einem Brief an den UEFA-Präsidenten.

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Münchner Arena in Regenbogenfarben? Reiters Brief an die UEFA

München will ein Zeichen gegen Homo- und Transphobie setzen und seine Arena am Mittwochabend beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben leuchten lassen. Dafür wirbt Münchens Oberbürgermeister in einem Brief an den UEFA-Präsidenten.

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Von
  • Georg Wolf

Wird die Münchner Arena Mittwochabend beim Spiel Deutschland gegen Ungarn in Regenbogenfarben leuchten? Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) appelliert in einem Brief an den UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin, ein Zeichen gegen Homo- und Transphobie setzen zu dürfen.

Reiter schreibt eindringlichen Brief an UEFA-Präsidenten

Der Münchner Stadtrat hatte entschieden – und Oberbürgermeister Reiter macht sich nun auf, den Antrag durchzusetzen. In einem fraktionsübergreifenden Antrag wurde Reiter gebeten, auf den Deutschen Fußball-Bund und die UEFA zuzugehen, um anlässlich des Gruppenspieles zwischen Deutschland und Ungarn ein Zeichen im Sinne der Weltoffenheit und Toleranz anzuregen. Unterzeichnet hatten den Dringlichkeitsantrag die Stadtratsfraktionen Die Grünen, Rosa Liste, SPD/Volt, CSU, ÖDP, Freie Wähler, FDP, Bayernpartei, Die Linke und Die Partei.

Grund dafür seien "die Einschränkungen, die in Ungarn zu Lasten der Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender (LGBTIQ) gegeben sind", heißt es in einem Brief Reiters an Ceferin, der dem BR vorliegt.

München: Mit Regenbogenfarben gegen die ungarische Politik

Die ungarische Regierung hatte zuletzt ein Gesetz gegen "Werbung" für Homosexualität durch das Parlament gebracht und damit heftige Kritik ausgelöst. Mit dem Gesetz sollen Informationen über Homosexualität und Transgeschlechtlichkeit verboten werden, die für Kinder und Jugendlich zugänglich sein könnten.

Damit folgt Ungarn nach Ansicht der Stadt München "dem Vorbild der homo- und transphoben Gesetzgebung Russlands". Das verabschiedete Gesetz verstoße gegen die EU-Grundrechtecharta, die UN-Kinderrechtskonvention, die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte.

"Ich bitte Sie deshalb, gemeinsam mit dem DFB an diesem Tag und während des Spiels eine Beleuchtung der Arena in Regenbogenfarben zu ermöglichen und so ein weithin sichtbares Signal für unser gemeinsames Werteverständnis zu senden." Dieter Reiter, Münchner Oberbürgermeister (SPD)

Reiter appelliert in seinem Brief außerdem an die UEFA, "sich auch darüber hinaus gerade aus Anlass der EURO2020 mit deren medialer Reichweite nachdrücklich und sichtbar für Toleranz und Gleichstellung einzusetzen."

Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hatte mitgeteilt, er fände es "ein sehr gutes Signal, wenn die Regenbogenfarben strahlen" würden. "Das wäre ein Signal, das für die Freiheit unserer Gesellschaft steht", sagte der CSU-Politiker in Berlin.

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Ministerpräsident Markus Söder würde "es sehr unterstützen", wenn die Münchner Arena beim Spiel gegen Ungarn in Regenbogenfarben erstrahlt. Die Landeshauptstadt wäre auch "bereit" für ein mögliches Finale.

Orban und Co.: Ungarns Rechtsnationalisten unter Druck

Der UEFA wird eine von vielen Seiten kritisch gesehene Nähe zum ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban nachgesagt. Das könnte den Verband in die Bredouille bringen. Schließlich richtet sich das Vorhaben der Münchner unmissverständlich gegen die rechtsnationalistische Regierung Ungarns unter Orban.

Der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD), der eine bunte Münchner Arena befürwortet, sieht durch das ungarische Gesetz den "neuen Höhepunkt einer Unsichtbarmachung und Entrechtung von Lesben, Schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTI)". Er reihe sich laut LSVD-Bundesvorstand Alfonso Pantisano "ein in die seit Jahren betriebene systematische Einschränkung von Rechtstaatlichkeiten und Grundfreiheiten".

DFB-Elf grundsätzlich fürs Zeichen-setzen

Mit seinen Standpunkten findet der LSVD offene Ohren bei den deutschen Nationalspielern. "Sie sind immer ein Thema, weil wir wissen, welche Kraft und Reichweite der Fußball hat", antwortete Joshua Kimmich nach dem Sieg gegen Portugal auf die Frage nach dem Umgang mit den Themen Rassismus und Menschenrechte: "Rassismus ist ein Paradebeispiel. Fußball kann ein großes Vorbild für die Gesellschaft sein. Wir haben als Nationalmannschaft gezeigt, dass wir für die Menschenrechte einstehen."

Das will auch München. Unabhängig von der UEFA-Entscheidung zum Stadion wird das Rathaus schon ab Dienstag mit Regenbogenfahnen geschmückt, "um so ein klares Statement abzugeben".

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