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Antisemitismus-Debatte um "Young Fathers": Konzert abgesagt | BR24

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    Antisemitismus-Debatte um "Young Fathers": Konzert abgesagt

    Die "Ruhrtriennale" hat einen geplanten Auftritt der schottischen Band "Young Fathers" abgesagt. Grund dafür: Die Nähe der Musiker zur israelkritischen "BDS-Bewegung". Das Netz "tobt", die Verantwortlichen fühlen sich "genervt". Von Peter Jungblut

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    Die Aufregung ist groß um die „BDS-Bewegung“: Die 2005 gegründete Initiative will Israel „boykottieren, de-investieren und sanktionieren“, also wirtschaftlichen Druck ausüben, damit die Siedlungspolitik und das Verhältnis zu den Palästinensern geändert wird. Besonders in Großbritannien und den USA gibt es zahlreiche Musiker, die sich der umstrittenen Kampagne angeschlossen haben. Auch die „Young Fathers“, eine schottische Hiphop-Band, hat Sympathien geäußert für die Israelkritiker. Das empörte wiederum Teile der Netz-Öffentlichkeit, die der Ruhrtriennale „Antisemitismus“ vorwarf. Stephanie Carp, die Intendantin des renommierten Festivals, das im August und September vor allem in Industriehallen in Bochum, Gladbeck und anderen Ruhr-Städten stattfindet, äußerte sich erschrocken:

    Das nervt, dass man sich von den sozialen Netzwerken, die man sowieso bescheuert und demokratieschädlich findet, so vor sich her treiben lassen muss, aber so ist das halt. - Stephanie Carp

    "Ziemliche Attacke"

    Sie selbst sei nicht mal bei „Facebook“, so Carp. Die Entscheidung, die „Young Fathers“ wieder auszuladen, sei ihr nicht leicht gefallen, es sei ihr aber nach „langen Diskussionen“ mit dem Management der Band keine andere Möglichkeit geblieben. Das Verhältnis der Hiphop-Sänger zu "BDS" sei zu vage geblieben:

    Wir hatten gehofft, dass die Band sich davon distanzieren würde, was sie auch teilweise in Interviews gemacht hat, dass sie gesagt hat: Wir gehören da nicht dazu und wir finden das auch nur teilweise gut, was die da machen. Diese Distanzierung war aber scheinbar zu uneindeutig, so dass eine ziemliche Attacke in den sozialen Netzwerken gegen die Ruhrtriennale begann. Wir haben dann die Band in langen Diskussionen mit dem Management gebeten, eine eindeutige Distanzierung vom BDS zu verfassen. Das wollten sie aber nicht. Deshalb sahen wir uns gezwungen, sie auszuladen, obwohl ich hier noch einmal deutlich machen möchte, dass ich die Band sicher nicht für antisemitisch halte, sonst hätte ich sie nicht eingeladen. Ich finde das alles sehr schade, weil ich sie künstlerisch im Programm sehr gut gefunden hätte.

    Israel-Kritik in England verbreitet

    Carp wies darauf hin, dass der „Diskurs“ zum Thema "BDS" in England nicht mit der deutschen Debatte vergleichbar sei. Tatsächlich ist energische Israel-Kritik in Großbritannien unter Kulturschaffenden sehr viel verbreiteter, was dort keineswegs immer mit „Antisemitismus“ gleich gesetzt wird. Heikel ist das britische Verhältnis zu Israel dennoch, schließlich war die Region bis 1948 „britisches Mandatsgebiet“. Die Einwanderung von aus Deutschland geflüchteten Juden wurde nach 1939 von den englischen Kolonialbehörden teilweise gewaltsam eingeschränkt. Das ist in Israel bis heute unvergessen.