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Ist FIP heilbar? Katzenbesitzer helfen sich selbst | BR24

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Hauskatzen

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    Ist FIP heilbar? Katzenbesitzer helfen sich selbst

    Die feline infektiöse Peritonitis, kurz FIP, galt für Katzen lange als Todesurteil. Nun gibt es einen Wirkstoff dagegen - eigentlich. Denn das Medikament ist in Deutschland bislang nur auf dem Schwarzmarkt erhältlich. Der Handel unter der Hand blüht.

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    Katzen haben sieben Leben, sagt der Volksmund, und in der Tat sind die Stubentiger zäh. Eine Krankheit gibt es jedoch, gegen die Katzen und ihre Besitzer bisher völlig machtlos waren: FIP, die feline Infektiöse Peritonitis.

    Die Viruserkrankung gilt als eine der häufigsten Todesursachen bei Katzen, rafft die Tiere regelrecht dahin. Doch seit einigen Monaten kursiert ein Wirkstoff gegen FIP. Viele Tiere überleben. Nur: den Wirkstoff gibt es bei uns nur auf dem Schwarzmarkt, und so "dealen" Katzenhalterinnen und Halter untereinander – und behandeln ihre Tiere kurzerhand selbst.

    Eigentlich harmlose Viren mutieren manchmal

    FIP ist eine Infektionskrankheit, die bei Katzen relativ häufig vorkommt. Weltweit sind Katzen mit Corona Viren infiziert, auch viele Jungtiere tragen das Virus in sich, deshalb macht eine Impfung meist keinen Sinn. Die Viren befinden sich im Darm der Katzen und gelten als harmlos. Durch Stress oder andere Faktoren können diese Viren aber mutieren, sodass sie sich plötzlich in anderen Zellen vermehren können. Der Organismus der Katzen wehrt sich dann gegen die eigentlich harmlosen Corona Viren und reagiert mit multiplen Infektionen, wodurch die Katzen oft innerhalb von wenigen Tagen sterben.

    Wirkstoff wurde eigentlich für Menschen entwickelt

    Im Internet gibt es eine Facebook-Gruppe, namens FIPfree, in der Katzenhalter sich austauschen und einen Wirkstoff propagieren, der angeblich hilft. "GS441524" heißt er und wurde in abgewandelter Form eigentlich zur Behandlung von gefährlichen Viruserkrankungen bei Menschen entwickelt. Über irgendwelche Kanäle besorgen sich die Katzenbesitzer das Heilmittel und spritzen es ihren Katzen selbst. Drei Monate lang jeden Tag eine Injektion.

    Prof. Katrin Hartmann von der LMU München kennt diesen Wirkstoff. Sie kann die Katzenhalter*Innen verstehen, denn es gibt eine Studie dazu, die in den USA Anfang des Jahres raus gekommen ist – und Erfolge bei der Behandlung FIP-kranker Katzen zeigt.

    "Das ist ja unglaublich, also dass wir irgendwas finden, das wirklich in der Lage ist, den Tod zu verhindern bei diesen Katzen, absolut sensationell." Katrin Hartmann, LMU München

    Tierärzte dürfen GS nicht einsetzen - die Besitzer schon

    Die Katzenbesitzer bilden eine Community - im Netz unter den Augen der Pharmafirma, die das Patent auf das Medikament hat. Da es bisher aber nur diese Studie gibt, ist GS noch nicht als offizielles Medikament gegen FIP zugelassen. Deshalb müssen Tierärzte abwarten. Sie könnten ihre Approbation verlieren, wenn sie ein nicht zugelassenes Medikament einsetzen. Bei den Besitzern ist das anders, wie Prof. Hartmann von der LMU erklärt. Denn wenn ein Besitzer ein Medikament privat anwendet, dann ist das nicht illegal. Ihr Vorschlag als Expertin lautet daher: Die Behandlung unter Anleitung eines Tierarztes durchführen, um sicherzustellen, das es nicht zu schlimmen Nebenwirkungen kommt.

    Die FIPfree Facebook Gruppe ist mittlerweile auf über 3.000 User angewachsen. Täglich kommen neue nach Hilfe suchende Katzenbesitzer dazu. Die, die die Behandlung abgeschlossen haben, posten stolz die Bilder ihrer gesunden Katzen. Die Fipfree Facebook Gruppe empfiehlt, genauso wie Prof. Katrin Hartmann von der LMU, ausdrücklich die Behandlung mit GS, unter Aufsicht eines Tierarztes. Die FIP Diagnostik ist nicht einfach. Idealerweise wird eine Labortest gemacht, dazu noch ein Ultraschall, Röntgen und Real PCR Test. FIPfree rät ganz klar davon ab, ohne tiermedizinische Betreuung zu behandeln. Besitzer einer erkrankten Katze können sich jederzeit gerne mit ihren Fragen an die Facebook Gruppe wenden.

    Zulassung wird noch auf sich warten lassen

    Hartmann wird in Kürze eine Studie anmelden zur Erforschung des Heilmittels, damit GS möglichst bald legal zur Behandlung von FIP eingesetzt werden kann. Das kann aber, so schätzt die Tierärztin, noch ein paar Jahre dauern. Bis dahin werden sicherlich weitere Katzenbesitzer versuchen, ihre Tiere vor FIP zu retten - auch ohne die Zulassung.