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In Deutschland wird inzwischen jede fünfte Geburt eingeleitet. Für Frauen und Kinder ist das nicht immer leicht.

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Geburt einleiten oder nicht? Eine Professorin gibt Tipps

In Deutschland wird jede fünfte Geburt eingeleitet. Für Frauen und Kinder ist das nicht immer leicht. Im Interview gibt eine Professorin für Hebammenwissenschaft Tipps für Frauen, die vor der Entscheidung stehen: "Soll ich einleiten oder nicht?"

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Von
  • Ann-Kathrin Wetter
  • Eva Achinger

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sollte eine Geburtseinleitung nur dann durchgeführt werden, wenn man relativ sicher sein kann, dass der mögliche Nutzen den möglichen Schaden einer Einleitung überwiegt. Allerdings entscheiden sich Frauen oft für eine medikamentöse Einleitung, ohne wirklich verstanden zu haben, worauf sie sich genau einlassen und ohne die Alternativen zu kennen, sagt Christiane Schwarz. Die Professorin für Hebammenkunde an der Universität Lübeck forscht seit Jahren zu Geburtseinleitungen.

Worauf sollte ich achten, wenn mir als Frau eine Einleitung angeboten wird?

Sie sollten sich fragen, ob eine Einleitung für Sie, Ihr Kind und Ihre Schwangerschaft tatsächlich die richtige Entscheidung ist. Es kann sein, dass man Ihnen aus statistischen Gründen eine Einleitung nahelegt und dass gesagt wird, mit einer Wahrscheinlichkeit von 2 in 1000 könnte etwas schiefgehen, wenn Sie nicht einleiten – Stichwort Totgeburt. Wenn Sie dieses Risiko nicht tragen wollen, dann beenden Sie die Schwangerschaft. Aber letztendlich müssen Sie für sich entscheiden, ob das für Sie wirklich das Richtige ist.

Woher weiß ich, ob es für mich wirklich das Richtige ist?

Es gibt nur sehr wenige klare, medizinische Indikationen für eine Geburtseinleitung – wo wirklich ganz klar wissenschaftlich nachweisbar ist, hier bringt eine Einleitung definitiv mehr Nutzen als Schaden. Ein Beispiel dafür wäre, wenn eine Frau am Termin ist, die Fruchtblase ist geplatzt und innerhalb von 24 Stunden kommen von selbst keine Wehen. Dann besteht die Möglichkeit einer Infektion für das Kind. Dann wäre eine Einleitung das Richtige. Alle anderen Einleitungsindikationen sind nicht so eindeutig.

Und wenn es nicht so eindeutig ist?

Dann müssen Sie überlegen: Ich habe ein Kind im Bauch, das bewegt sich gut, das ist gut gewachsen. Ich habe ein gutes Gefühl, dazu gehen alle Frauen in meiner Familie ein bisschen über Termin, es kommen immer gesunde Kinder raus, ich traue mir das zu. Und ich habe eine Hebamme, ich habe eine Ärztin, die mich gut betreuen, ich gehe da regelmäßig hin – ich glaube, ich möchte noch warten. Oder aber Sie sagen, ich gehe lieber das Risiko ein, dass es vielleicht nicht meine Traumgeburt wird, weil sie sich hinschleppt oder weil Sie die Schmerzen mit dem Einleitungsmedikament unerträglich finden. Jede Frau muss das für sich entscheiden und idealer Weise wird sie dabei von uns als Fachpersonal gut begleitet.

Wer im Nachhinein mehr über die Geburt, z.B. den Verlauf und eingesetzte Medikamente, herausfinden möchte, kann beim Krankenhaus den Geburtsbericht anfordern.

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Ärzte dürfen bei der Geburtseinleitung ein Medikament verwenden, das dafür gar nicht zugelassen ist - im "Off-Label-Use". Die Voraussetzungen dafür erklärt unser #fragBR24.

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