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#Faktenfuchs: Wie werden Corona-Todesfälle gezählt? | BR24

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Der Präsident des Robert Koch-Instituts nimmt Stellung zum Vorwurf, dass die Zählweise der Corona-Toten dazu führt, dass zu viele Menschen erfasst werden.

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#Faktenfuchs: Wie werden Corona-Todesfälle gezählt?

Wenn bei einem Verstorbenen eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde, dann gilt er dem Robert Koch-Institut zufolge als Corona-Todesfall. Auch wenn er möglicherweise wegen einer anderen Ursache gestorben ist. Was genau bedeutet das aber?

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Unter den vielen Fragen zu Corona, die auch Kritiker der aktuell geltenden Maßnahmen immer wieder stellen, ist eine der häufigsten: Warum wird nicht genauer erfasst, wie viele Menschen wirklich an einer Erkrankung durch das neuartige Coronavirus - und nicht nur mit einer Infektion - sterben?

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Lothar Wieler, der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), das in Deutschland für Krankheitsüberwachung und Prävention zuständig ist, sagte in einem seiner aktuellen Corona-Lageberichte: "Bei uns gilt jemand als Corona-Todesfall, bei dem eine Corona-Infektion nachgewiesen wurde." Doch was genau heißt das? Werden damit eventuell übermäßig viele Todesfälle gezählt, weil möglicherweise alte Patienten auch ohne COVID-19 gestorben wären? Der #Faktenfuchs hat beim RKI nachgefragt, wer nun genau als Corona-Todesfall zählt.

RKI zählt unterschiedliche Todesfälle als Corona-Tote

Das RKI zählt laut Angaben einer Sprecherin als Corona-Todesfälle alle Menschen, die mit einer COVID-19-Erkrankung in Verbindung stehen.

Dazu gehören erstens Menschen, die direkt an der Erkrankung gestorben sind ("gestorben an"). Und zweitens Patienten mit Grundkrankheiten, die mit COVID-19 infiziert waren und bei denen sich nicht klar nachweisen lässt, was letzten Endes die Todesursache war ("gestorben mit").

Auch LGL fasst "gestorben mit" und "gestorben an" zusammen

Auch das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) macht das - in Abstimmung mit dem RKI - laut eigener Angabe nach Infektionsschutzgesetz so. "Eine Trennung ist fachlich nicht zuverlässig durchführbar", schrieb eine Sprecherin des LGL an BR24. "Es ist daher wichtig, die Zahl sachgerecht zu interpretieren."

Der Sprecherin des RKI zufolge können Verstorbene, die zu Lebzeiten nicht auf COVID-19 getestet worden waren, aber in Verdacht stehen, an COVID-19 gestorben zu sein, post mortem - also nach ihrem Tod - auf das Virus untersucht werden.

Dabei weist das Robert Koch-Institut darauf hin, dass eine innere Leichenschau, Autopsien oder andere aerosolproduzierenden Maßnahmen vermieden werden sollten, da auch tote Infizierte als ansteckend betrachtet werden.

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Warum wird nicht etwa versucht, das genauer herauszufinden?

Eben auch weil eine innere Leichenschau vermieden werden soll, ist nach LGL-Angaben eine zweifelsfreie Kausalität schwer herstellbar. "Letztlich wird erst eine epidemiologische Nachbetrachtung ergeben können, wieviele Fälle als kausal anzusehen sind", schrieb die Sprecherin des Landesamts.

Damit ist es aber auch denkbar, dass Menschen an oder mit Corona sterben, ohne dass sie in die Zählung einfließen, weil sie nie getestet werden. "Auch in diese Richtung können Fehler vorkommen", so die LGL-Sprecherin. Etwa bei einem asymptomatischen Verlauf oder wenn keine Kontaktaufnahme mit einem Arzt oder dem Gesundheitsamt erfolgte. Eine valide Abschätzung der Unter- oder Übererfassung sei aber nicht möglich.

Wird derzeit die Zahl der Corona-Todesfälle überschätzt?

Dazu sagte Wieler am 3. April in seinem RKI-Briefing, dass das Institut eher davon ausgehe, dass die Todesfälle unterschätzt werden - dass also mehr Menschen an Covid-19 sterben werden, als offiziell gemeldet werden.

Fazit

Wer mit dem aktuellen Coronavirus infiziert war und stirbt, zählt laut RKI als Corona-Todesfall. Unabhängig davon, ob er direkt an der Erkrankung infolge der Infektion starb oder ob er an mehreren Erkrankungen litt und der ausschlaggebende Faktor unklar ist. Ein Grund dafür ist, dass innere Autopsien bei als ansteckend betrachteten Toten vermieden werden sollen.

💡 Was macht der #Faktenfuchs?

Der #Faktenfuchs ist das Faktencheck-Format des Bayerischen Rundfunks. Wir gehen Gerüchten auf den Grund - und wir beantworten Fragen. Die Journalistinnen und Journalisten im #Faktenfuchs-Team klären absichtlich verbreitete Falschmeldungen oder sich haltende Gerüchte auf. Die Ideen für unsere Artikel kommen vor allem aus den Social Timelines und Kommentarspalten. So erklärt sich die Vielfalt der Themen beim #Faktenfuchs: Politik, Umwelt, Wirtschaft, Gesellschaft, Landwirtschaft oder Medizin. Wirken Inhalte verdächtig oder tritt der Breaking-News-Fall ein, dann prüfen wir auch Bilder oder Videos auf ihre Echtheit und ihren Faktengehalt. Hier erklären wir das ausführlicher. Warum eigentlich “Faktenfuchs”? Wir arbeiten mit einer Software, dem "factfox". Sie hilft uns, die Fakten im Internet besser zu verbreiten.

Wir haben diesen #Faktenfuchs nach der Veröffentlichung aktualisiert mit Details, die aus einer Anfrage und der entsprechenden Antwort vom LGL an BR24 hervorgehen - und mit einer Aussage aus dem aktuellen RKI-Briefing vom 3.4.2020. (Stand 3.4.2020, 11:30 Uhr)

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