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Bildrechte: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld

Der Intensiv-Krankenpfleger Ricardo Lange berichtet im Rahmen der Bundespressekonferenz über seinen Arbeitsalltag in Zeiten der Corona-Pandemie.

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Pfleger schildert dramatische Lage auf Intensivstationen

Der Intensivpfleger Ricardo Lange hat bei der Bundespressekonferenz am Donnerstag an die Bevölkerung appelliert, bei den heftigen Debatten über Corona-Maßnahmen das Leid schwererkrankter Menschen, ihrer Angehörigen und Pflegenden nicht zu vergessen.

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Von
  • BR24 Redaktion

Auf der Bundespressekonferenz am Donnerstag saß neben Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und RKI-Chef Lothar Wieler der Berliner Intensivpfleger Ricardo Lange. Er berichtete von der dramatischen Lage auf den Intensivstationen.

Seelische und körperliche Belastungsgrenze längst überschritten

Die Pfleger, aber auch das Reinigungspersonal seien seit einem Jahr an der Belastungsgrenze, viele hätten den Beruf bereits aufgegeben. Als Intensivkrankenpfleger sei das Sterben stets präsent, aber "in normalen Zeiten sterben die Patienten anders". Sie stürben im Beisein der Familie. All dies sei in der Pandemie nicht möglich. "Stellen Sie sich vor, Sie müssen Abschied nehmen mit Mundschutz und Maske." Nicht nur die körperliche, auch die seelische Belastung sei gestiegen.

Lange schilderte, es passiere häufig, dass ein Patient, mit dem man am Abend noch über die Familie geredet habe, am nächsten Morgen nicht mehr da sei, weil er gestorben ist. An Covid-19 Verstorbene müssten wegen des Infektionsschutzes in schwarze Plastiksäcke mit Reißverschluss gehüllt werden. "Das macht etwas mit einem", sagte Lange. Daran müsse man sich auch "als Mensch" gewöhnen, weil man immer vor Augen habe, es könne die eigene Mutter sein.

Freie Meinungsäußerung wichtig – unter moralischen Grundsätzen

Lange warnte vor einer Frontenbildung im Umgang mit der Pandemie. Er räumte ein, er sehe auf den Intensivstationen nur die schweren Verläufe und Menschen, die daran sterben, weniger die leichten oder symptomlosen Verläufe. Diese "Betriebsblindheit" wolle er aber allen vermitteln, die demgegenüber eben nur die leichten Verläufe im Umfeld sehen.

"Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, dass jahrelange Freundschaften an diesen Debatten zerbrechen," so Lange. Vor dem Hintergrund der Schauspieler-Aktion #allesdichtmachen, sagte Lange, freie Meinungsäußerung sei wichtig. Allerdings müssten Meinungen auch unter moralischen Grundsätzen geäußert werden.

Man solle sich genau überlegen, wie man seine Kritik mitteile. Der Intensivpfleger appellierte an die Bevölkerung, bei den teils heftigen Debatten über die Eindämmung der Corona-Pandemie das Leid schwer an Covid-19 erkrankter Menschen, ihrer Angehörigen und Pflegenden nicht aus den Augen zu verlieren.

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