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Bildrechte: dpa-Bildfunk / Tobias Hipp

Wie gut sind die neuen Bergbusse

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Wie erfolgreich sind die neuen Bergbusse?

Fernreisebusse sind das Verkehrsmittel mit den geringsten Umweltkosten. Jetzt bringen neue Buslinien Ausflügler direkt an den Berg oder zur Sehenswürdigkeit. Noch sind es Projekte auf Probe, aber es zeigt sich schon, was funktioniert und was nicht.

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Von
  • Nadja Armbrust

Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat dieses Jahr die Münchner Bergbusse eingeführt. Vier Linien führen in drei Bergregionen: in die Ammergauer Alpen, den Chiemgau und die Blauberge. Die Busse starten in München und fahren Wanderer direkt an bekannte Ausgangspunkte der Regionen. DAV-Mitglieder der Sektionen München & Oberland zahlen dafür 16 Euro, Nichtmitglieder 22 Euro.

Testphase der Reisebusse hat begonnen

Noch befindet sich das Projekt in einer zehnwöchigen Testphase, doch Gespräche darüber, ob und wie es weitergehen wird, führt der DAV bereits. Die Pilotphase ist weitestgehend eigenfinanziert. Zukünftig sollen sich, nach den Vorstellungen des DAV, auch Kommunen der jeweiligen Ausflugsregionen, die Stadt München, möglicherweise sogar der Freistaat Bayern beteiligen. Schon jetzt zeige sich, dass die Busse ein Bedürfnis erfüllen, sagt Christian Stolz von der Sektion Oberland. Momentan fahren Doppelstock-Busse mit 91 Sitzplätzen. Davon sei jeder zweite besetzt. Das sei schon ganz gut für den Start, sagt Christian Stolz, vor allem in Pandemiezeiten.

Wer im Regen steht, muss warten

Schon jetzt werde aber auch deutlich, dass mehr Geld investiert werden müsse, damit das Angebot wirklich reizvoll für Ausflügler ist. Bisher fährt pro Region nur ein Bus – viel zu unflexibel sei das, sagen sowohl DAV als auch der Münchner Kreisvorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland, Wolfram Liebscher. Wer beim Wandern tagsüber vom Regen überrascht wird, muss warten, bis der Bus um 17 Uhr zurückfährt. Neben der engeren Taktung will der DAV auch mehr Haltestellen anbieten. Bisher fahren die Busse von lediglich einem Startpunkt in München aus in die Berge. Wer außerhalb Münchens wohnt, kann nicht unterwegs zusteigen. Dabei sind wenige Haltestellen eigentlich einer der Hauptanreize gewesen, um die Mitfahrenden möglichst schnell ans Ziel zu bringen.

Weniger Haltestellen für mehr Tempo

Erfolgreich damit sind die Landkreise Kehlheim und Freising. Seit Ende Mai wurde hier aus verschiedenen bestehenden Linien eine neue Buslinie (6030) geschaffen, ein neuer „Freizeitbus“. Dessen Linie führt durchgehend von Freising bis Kehlheim, vorbei an Ausflugszielen wie dem Kloster Weltenburg oder dem Donaudurchbruch. Damit aus den zusammengelegten Buslinien kein langsam tuckernder Bus wurde, haben die Verantwortlichen zahlreiche Haltestellen gestrichen und sich auf die Stopps nahe der Sehenswürdigkeiten konzentriert. Die Kosten teilen sich die Landkreise Kehlheim und Freising.

Idee für 2022: elektronische Registrierung für Fahrradstellplätze

Genauso wie die Bergbusse des DAV ist auch dieser Freizeitbus noch in der Testphase. „Wir sehen aber jetzt schon einen riesigen Bedarf, weil die Menschen durch Corona zu Hause Urlaub machen“, sagt Stefan Grüttner vom Landratsamt Kehlheim. Ende der Saison wolle man genauer prüfen, wie das Projekt laufe, aber Stefan Grüttner hat längst Pläne für das nächste Jahr: elektronische Registrierung für Fahrradstellplätze und eine gemeinsame Buchungsplattform beider Landkreise.

Bergbusse auch als Pendlerbusse?

Für die Zukunft der Münchner Bergbusse hat der DAV auch viele Ideen. Man sei in dauerhaften Gesprächen mit der Stadt München und den betroffenen Kommunen. Letztere haben Interesse daran, dass die Busse angenommen werden. Überfüllte Parkplätze und verstopfte Durchfahrtsstraßen belasten die Regionen vor Ort. Überlegt werde gerade beispielsweise, die Bergbusse tagsüber als Pendlerbusse vor Ort zu nutzen. Noch sei aber alles unklar, sagt Christian Stolz, DAV.

Bergbusse eigentlich für Autofahrer

Sein Hauptziel sei noch nicht erreicht: mit diesem Angebot vor allem die Autofahrer erreichen. Sie könnten in München ein- und am Wanderparkplatz wieder aussteigen – ohne Umsteigen vom Zug in lokale Busse. „Es ist aber auch blauäugig, davon auszugehen, dass die Menschen nach jahrelanger Gewohnheit sofort das Auto stehen lassen“, sagt Christian Stolz, DAV.

Müssen die Bergbusse flexibler werden?

Wenn es nach dem Münchner Kreisvorsitzenden des Verkehrsclubs Deutschland, Wolfram Liebscher, geht, seien die Bergbusse mit ihrem Start in München grundsätzlich eine „Sackgasse“. Es mangele nicht an Zugstrecken, ausgehend von München Richtung Berge, sondern an Bussen, die die Menschen von der Zughaltestelle weiter in andere Täler bringen würden. Ein positives Beispiel sei hier der Bus in die Eng, der ab dem Bahnhof Lenggries die Ausflügler tief ins Karwendelgebirge bringt. Seit letztem Jahr fährt er an Wochenendtagen siebenmal täglich. Der Bus schafft damit eine Flexibilität, die den Münchner Bergbussen bisher noch fehlt.

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