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Zwei jemenitischer Männer arbeiten und backen in einer Bäckerei Brot (Archivbild)

Durch den Ukraine-Krieg sind die Weizenpreise auf den Weltmärkten stark gestiegen.

Bildrechte: dpa-Bildfunk/Hani Al-Ansi
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Ukraine-Krieg führt zu weltweiter Hungerkrise

Immer mehr Menschen sind angesichts steigender Weizenpreise von Hunger bedroht. Besonders spürbar ist die Nahrungskrise im Nahen Osten, aber auch in Afrika. Wie kann Hunger kurz-, aber auch langfristig wirksam bekämpft werden?

Von
Doris FenskeDoris Fenske
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In Friedenszeiten ernährt die Ukraine 400 Millionen Menschen. Das Tragische, so Martin Frick, Direktor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen in Deutschland, sei derzeit, dass "allein in den Schwarzmeerhäfen sechseinhalb Millionen Tonnen Weizen festliegen." Diese würden dringend benötigt, könnten aber aufgrund des Krieges nicht exportiert werden. Die Ukraine war bisher für Länder im Nahen Osten wie auch in Afrika ein wichtiger Getreidelieferant.

Menschen können sich Getreide und Brot nicht mehr leisten

Marin Frick war vor kurzem im Libanon. "Da sehen wir, dass die Getreideimporte fast unerschwinglich geworden sind." Er mache sich aber auch Sorgen um die Menschen in Subsahara-Afrika und dem Horn von Afrika, "wo 15 Millionen Menschen die schlimmste Dürre seit vier Jahrzehnten aushalten." Wichtig für eine kurzfristige Entschärfung der Hungerkrise sei, die Preisentwicklung unter Kontrolle zu bekommen. "Wir brauchen einen transparenten Weltmarkt, um Spekulationen vorzubeugen, die die Preise nicht noch weiter in die Höhe treiben", sagt Martin Frick im Interview mit BR24.

Martin Frick mahnt: Die Getreideimporte sind in Teilen der Welt fast unerschwinglich geworden

Bildrechte: WFP

Bundesregierung gibt Gelder, andere Länder hinken hinterher

Es sei aber auch Geld nötig, um Menschen in Notsituationen helfen zu können. "Um zu verhindern, dass Länder in Instabilität abrutschen, wenn das Hungerproblem so massiv wird, dass die Menschen aus Verzweiflung auf die Straße gehen", so der Direktor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen in Deutschland. Die Bundesregierung tue da schon sehr viel, zuletzt seien die Beiträge von Großbritannien aber auch Frankreich sehr stark zurückgefallen. "Wir hoffen, dass wir die Geber-Basis verbreitern können, vielleicht auch im Rahmen der G7", sagt Martin Frick im Interview mit BR24.

Mehr Getreide für Welternährung statt für Futtertröge und Biosprit

Deutschland und die EU könnten aber auf anderer Ebene etwas tun. "Wenn man hinschaut, wo unsere Getreideimporte hingehen, sind 60 Prozent des importierten Getreides gar nicht für Menschen bestimmt, sondern für Tiere." Wenn man jeder Kuh in Deutschland pro Tag nur ein Kilogramm weniger Kraftfutter gebe, dann entspräche das einer Million Tonnen Weizen, so Martin Frick. Auch importiertes Getreide für Biosprit zu verwenden, sieht Martin Frick vom Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen kritisch. "Das ist natürlich Getreide, das auf der anderen Seite für Ernährung in der Welt fehlt."

Hungerkrise nicht allein auf Ukraine-Krieg zurückzuführen

Langfristig lasse sich Hunger bekämpfen, wenn wir in Deutschland und Europa die Lebensmittelverschwendung reduzieren. Der Klimaschutz spielt, laut Martin Frick, Direktor des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen, eine zentrale Rolle. Bereits vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine, seien die Preise gestiegen. Von der Entscheidung der EU, Brachflächen, die dem Naturschutz dienen, für intensive Getreideproduktion zu verwenden, hält Martin Frick nichts. "Wir müssen ja auch für Biodiversität sorgen, zum Beispiel für Bienen, die entscheidend sind für unsere Nahrungsproduktion." Die Flächen, die die EU nun für Getreideproduktion statt für den Naturhaushalt nutzen will, seien im Hinblick auf die Welternährung zu vernachlässigen, so der Experte für Welternährung im Interview mit BR24.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock

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