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Beliebtes Bewegungsspiel in der Gruppe: Spiel mit dem Luftballon.

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    Tag der Pflege: Besondere Hilfe für Demenzkranke in München

    Am Tag der Pflege geht der Blick meist in Pflege- und Altenheime. Aber auch andere Menschen brauchen Hilfe. Demenzkranke etwa, die noch alleine leben können. Für sie hat der Verein Carpe Diem in München ein besonderes "Glücks"-Angebot entwickelt.

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    Von
    • Ursula Trischler

    Der Verein Carpe Diem in München hat es sich zum Motto gemacht "kleine Momente des Glücks" zu verschenken - und zwar an demenzkranke Menschen und deren Angehörige. Dafür hat der gemeinnützige Verein über mittlerweile 21 Jahre ein vielfältiges Betreuungs- und Beratungsangebot eingerichtet.

    Ein wichtiger Baustein: die betreute Tagespflege. Die können Menschen besuchen, die körperlich fit genug sind um alleine zu leben. Aber geistig Unterstützung brauchen. Für diese Demenzkranken gibt es in Bayern bislang wenig Angebote. Der Verein Carpe Diem hat das erkannt und bietet deshalb Tagesbetreuungen an - mit Erfolg.

    Voll im Leben - mit demenzkrankem Mann

    Wolfgang Kaiserling, 78 Jahre, steht gemeinsam mit seiner Ehefrau vor dem Haus. Gleich geht’s los in den betreuten Tagestreff. Den besucht der Münchner seit 10 Monaten mehrmals pro Woche. Für seine gut 20 Jahre jüngere Ehefrau, Daniela Kaiserling, eine große Hilfe. Die zweifache Mutter arbeitet Vollzeit. "Jetzt kann ich sechs Stunden lang konzentriert arbeiten" sagt sie. Dass ihr Mann die Tagespflege besuchen kann, sei "für den Alltag extrem wichtig".

    Hol- und Bringdienst: Mehr als nur sicher fahren

    Für die Kaiserlings und die meisten Demenzkranken wichtig ist auch der Hol- und Bringdienst, den der Verein anbietet. Das heißt für den ehrenamtlichen Fahrer aber nicht nur pünktlich Morgens abholen und Nachmittags nachhause fahren. Sondern auch darauf zu achten, welcher Klient was anhat, ob er vielleicht mit einem Schirm oder Stock ausgestattet ist– denn das haben die Dementen beim Heimfahren meist vergessen, sagt Ulrich Langguth. Der 72 - jährige ist mehrmals pro Woche mit dem kleinen Vereinsbus unterwegs und auch in der Tagesbetreuung als Helfer dabei.

    Seit 4 Jahren ist er beim Verein Carpe Diem aktiv. Solange er selbst fit sei, sei es für ihn selbstverständlich sich für andere Menschen zu engagieren. Ihm sei wichtig, dass die Demenzkranken in der Einrichtung einen schönen Tag verbringen würden, Freude hätten, lächeln. "Ich stelle mir abends die Frage: haben die Leute gelacht? Wenn sie das getan haben, denke ich, habe ich einen ganz guten Job gemacht.", so Langguth.

    Tagesbetreuung: Klar strukturierter Tagesablauf

    "Menschen mit Demenz brauchen Struktur", sagt Daniela Kaiserling. Deshalb sei sie froh, dass ihr Mann die Tagesbetreuung besuchen könne. Denn zu Hause können sie ihm die festen, regelmäßigen Abläufe und die viele, geistige Anregung in ihrem turbulenten Alltag nicht bieten.

    Der Ablauf in der Tagesbetreuung von Carpe Diem ist klar strukturiert: Gemeinsames Frühstück, spielen und musizieren, kochen helfen, spazieren gehen. Fürs Angebot zuständig ist der hauptamtliche Sozialpädagoge Steffen Marquordt. "Viel kann, nichts muss", fasst der 33-jährige sein Konzept zusammen. Wer einen schlechten Tag habe, müsse die vielen Angebote eben nicht wahrnehmen. "Der darf mir auch einfach nur zuschauen oder er kriegt eine Einzelbetreuung durch einen ehrenamtlichen Helfer", so Marquordt.

    65 geschulte Helfer reichen knapp - weitere Ehrenamtliche gesucht

    Der Verein bietet neben der Tagesbetreuung auch Wohngruppen an, berät in rechtlichen Fragen und behördlichen Angelegenheiten und lässt Ehrenamtliche demente Menschen zu Hause besuchen.Einige fest Angestellte und 65 geschulte Ehrenamtliche sind derzeit bei Carpe Diem aktiv, sagt die geschäftsführende Vorständin des Vereins, Ulrike Reder. Die würden gerade so reichen um den Betrieb am Laufen zu halten. Deshalb würden aktuell wieder engagierte Menschen aus dem Raum München gesucht. Um weiterhin demenkranken Menschen - und deren Angehörigen - "kleine Momente des Glücks" zu schenken.

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