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Syrien-Rückkehrer: Zwei mutmaßliche Terrorhelfer vor Gericht | BR24

© picture-alliance/dpa

Symbolbild: Dschihadist in Syrien

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    Syrien-Rückkehrer: Zwei mutmaßliche Terrorhelfer vor Gericht

    Immer wieder sind in den letzten Jahren Männer aus dem Raum Weiden nach Syrien zu Terrorgruppen ausgereist. Zwei mutmaßlichen Rückkehrern wird nun der Prozess gemacht. Einer von ihnen soll für den Dschihad rekrutiert haben. Von Joseph Röhmel

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    Ende Mai 2017 nehmen Spezialkräfte der Polizei in Neustadt an der Waldnaab den 38-jährigen Türken Fatih K. fest – ein mutmaßlich zurückgekehrter Kämpfer einer Terrorgruppe in Syrien. Mehrere Wohnungen werden durchsucht – auch in Österreich, wo die Mutter von Fatih K. lebt. Mit dem Vorgehen der Sicherheitsbehörden ist die Frau offensichtlich gar nicht einverstanden. Sie meldet sich in einem Facebook-Video zu Wort. In diesem wirkt die ältere Dame gebrechlich, weint und klagt an: "Mein Sohn Fatih ist ein braver. Warum seid ihr hinter ihm her?"

    Bei den "Soldaten Syriens"

    Seit der Aktion vom Mai sitzt der 38-jährige Fatih K. in Untersuchungshaft. Er muss sich seit heute gemeinsam mit dem 26-jährigen Abdullah Ka. vor Gericht verantworten. Abdullah Ka., der sich auf freiem Fuß befindet, kommt ebenfalls aus Neustadt und soll sich 2013 mit Fatih K. in Syrien aufgehalten haben - bei der "Junud al Sham", zu deutsch "die Soldaten Syriens", eine Al-Kaida-nahe Dschihadisten-Gruppe.

    Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland, Vorbereitung einer staatsgefährdenden Gewalttat und unerlaubter Besitz von Kriegswaffen legt die Generalstaatsanwaltschaft München den Männern zur Last. Ihnen drohen langjährige Haftstrafen.

    Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft München ist Fatih K. noch einmal 2014 ohne Abdullah Ka. in Syrien gewesen. Er habe, so der Vorwurf, den Umgang an der Kriegswaffe gelernt und auch an Kampfhandlungen teilgenommen.

    Fatih K. ein Rekrutierer?

    Beim Prozess dürfte es auch um die Frage gehen, aus welchem Grund die beiden Angeklagten Abdullah Ka. und Fatih K. in Syrien waren. Wurden sie zum Dschihad verführt oder waren sie selbst Verführer?

    Um diese Frage zu beantworten, braucht es auch Verständnis, wer hinter der "Junud al Sham" in Syrien steckt. Führer der Gruppe ist Muslim Margoshvili, der den Kampfnamen "Muslim Abu Walid al-Shishani" trägt. Einst absolvierte der Tschetschene in der russischen Armee eine Ausbildung. Später kämpfte er in Tschetschenien gegen die Russen. Seit 2012 tötet der Terrorfürst in Syrien und bildet sich ein, er mache das alles im Namen Allahs. Auf einem Video zeigt er sich mit Kindern im Grundschulalter, die schwere Waffen tragen und den Terroristen feiern.

    Der Dschihadist mit dem langen roten dichten Vollbart ist für militante Salafisten weltweit ein Vorbild - eine Vaterfigur, der junge Männer und Kinder zu Kämpfern machen will.   

    Eine Moschee in Weiden und der Syrien-Konflikt

    Auch Fatih K. aus der Oberpfalz soll nach BR-Informationen ein großer Fan von Terrorfürst Muslim Abu Walid al-Shishani gewesen sein. Fatih K. versuchte offenbar, Mitglieder für die "Junud al-Sham" zu rekrutieren. Doch wo hat er rekrutiert? Im Fokus der Ermittler war und ist auch eine Moschee in Weiden, die der Verfassungsschutz als salafistisch einstuft. Der Bayerische Rundfunk recherchiert schon länger im Umfeld des "Islamischen Zentrums Weiden".

    Der BR traf bereits gut zwei Jahren Fatih K. vor der Moschee. Bereits zu diesem Zeitpunkt stand er im Verdacht, in Syrien beim Kämpfen gewesen zu sein. Ein Interview lehnte er ab.