Ein junger Mann nimmt an einer Videokonferenz teil.
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Schulvideotool: Sicherheitslücken politisch nicht aufgearbeitet

Auch wenn die Kultusminister auf Präsenzunterricht setzen: Bayern hat für den Distanzunterricht vergangenes Jahr das Videokonferenz-Tool Visavid beschafft. Die Sicherheitslücken sind technisch geschlossen, aber politisch nicht aufgearbeitet.

Sich unbefugt in den Unterricht einklinken, heimlich Videos mitschneiden, private Nachrichten an Schülerinnen und Schüler schicken – im Sommer vergangenen Jahres hatte eine IT-Expertin gravierende Sicherheitsprobleme bei der Software Visavid aufgetan.

Das Kultusministerium hatte Visavid beschafft, um den Freistaat im Schuljahr 2021/2022 von anderen Anwendungen, wie etwa Microsoft Teams, unabhängig zu machen.

Bericht des Kultusministeriums steht noch aus

Die Schwachstelle konnte damals von den Entwicklern, einem Oberpfälzer Unternehmen, zwar innerhalb weniger Tage behoben werden, doch den vom Landtag auf Antrag der FDP geforderten Bericht zu Sicherheitslücken im Videokonferenztool Visavid hat das Kultusministerium bisher nicht vorgelegt.

Matthias Fischbach, bildungspolitischer Sprecher der FDP-Fraktion, will angesichts der bevorstehenden Omikron-Welle wissen, ob Visavid im Falle quarantäne- oder pandemiebedingter Schulschließungen überhaupt einsatzfähig wäre. "Wir müssen uns als Parlamentarier doch ein Bild davon machen können, wie gut das Kultusministerium auf diesen Ernstfall jetzt vorbereitet ist."

Fischbach: Böse Überraschungen wie bei mebis vermeiden

Sein Vertrauen sei nach dem Zusammenbruch von mebis im vergangenen Winter aufgebraucht. "Da hieß es ja auch erst lange, man hätte ein herausragendes Programm, und beim ersten Hauch von Distanzunterricht ging es schon in die Knie. Solch böse Überraschungen müssen wir diesmal vermeiden", sagt Fischbach. Dass das Kultusministerium dem Landtag immer noch nicht berichtet hat, mache ihm Sorge, denn laut Landtagsbeschluss von Ende Oktober wäre der Bericht schon im November im Bildungsausschuss fällig gewesen.

Ministerium: Visavid funktioniert äußerst zuverlässig

Das Kultusministerium verweist dagegen auf eine Frist bis Ende Januar. Bis dahin werde man den Bericht beim Landtag einreichen, so ein Sprecher. Zudem funktioniere Visavid seit Beginn der Bereitstellung "äußerst zuverlässig und performant im täglichen Einsatz an den Schulen". Der Videokonferenzdienst habe seine Leistungsfähigkeit und Stabilität bereits in mehreren "Lasttests" unter Beweis gestellt.

Laut Ministerium haben sich aktuell mehr als 3.800 Schulen für die Nutzung von Visavid registriert, seit April steht es ihnen kostenlos zur Verfügung.

Präsenzunterricht hat für Kultusminister Priorität

Am Mittwochnachmittag beraten die Kultusministerinnen und Kultusminister der Länder in einer Videoschalte über die Corona-Lage an den Schulen. Trotz der sich immer stärker ausbreitenden Omikron-Variante warnte die neue Vorsitzende der Kultusministerkonferenz, die Kultusministerin von Schleswig-Holstein Karin Prien (CDU), im Vorfeld vor der Schließung von Schulen. Diese würden für Kinder und Jugendliche eine massive Einschränkung ihrer Entwicklungsmöglichkeiten, ihrer Lernchancen und der Chancengerechtigkeit bedeuten.

Auch der bayerische Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) hatte im Interview mit BR24 bereits für den Freistaat klargestellt: "Wir wollen Präsenzunterricht, wir hatten Präsenzunterricht, wir werden in der nächsten Woche so wie andere Bundesländer auch mit Präsenzunterricht starten."

  • Zum Artikel: "KMK-Vorsitzende Prien will keine Schulschließungen mehr"

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