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© BR/Judith Zacher
Bildrechte: VG Wittislingen

Während an den Ortsrändern ein Neubaugebiet nach dem anderen ausgewiesen wird, verfallen die Ortskerne. Dagegen wollen die drei Gemeinden Wittislingen, Mödingen und Ziertheim etwas unternehmen.

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Ortskerne wiederbeleben – damit die Dörfer nicht aussterben

Leerstände und Baulücken im Ort – volle Neubaugebiete draußen: ein Problem, mit dem gerade kleinere Kommunen zu kämpfen haben. Mit finanziellen Anreizen und Beratungsangeboten soll gegengesteuert werden, damit die Ortskerne nicht aussterben.

Von
Judith ZacherJudith Zacher
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Die Fensterscheiben vergilbt, der Putz bröckelt ab, in der Einfahrt wächst Gras. Das Gebäude samt Stadel steht seit Jahren leer – und das mitten im Ort. Währenddessen sind am Ortsrand, im Neubaugebiet, fast alle Bauplätze verkauft, die meisten schon bebaut. So werden neue Flächen versiegelt, während innerorts Grundstücke brach liegen. Dabei hat die Staatsregierung zum Ziel, den Flächenverbrauch bis 2030 von derzeit etwa zehn Hektar täglich auf fünf zu reduzieren.

Bauliche Vorgaben: Steiles Satteldach und Giebel zur Straße

Die Gemeinden Wittislingen, Mödingen und Ziertheim, die gemeinsam eine Verwaltungsgemeinschaft bilden, wollen jetzt etwas gegen den Leerstand im Ort unternehmen. Sie haben gemeinsam eine Baufibel erstellt mit Abbildungen bereits erfolgter Sanierungen und Vorgaben, die man einhalten muss, wenn man im Ort neu baut oder ein altes Haus renoviert. Dazu gehört, dass das Haus ein steiles Satteldach haben soll, der Giebel soll wie früher auch zur Straße zeigen oder Garagen sollten harmonisch ins Gesamtbild integriert werden. Es müsse sich ja einfügen ins Ortsbild, sagt der Wittislinger Bürgermeister Thomas Reicherzer. Dafür haben die Gemeinden Berater engagiert, die interessierte Bürger über die Möglichkeiten und Vorgaben aufklären.

Verwaltungsgemeinschaft Wittislingen lockt mit Zuschüssen

Wer die Vorgaben einhält und eine gewisse Summe an Geld investiert, kann sich dann über einen Zuschuss in Höhe von mehreren tausend Euro freuen. Ihm sei schon klar, sagt Reicherzer, dass niemand nur wegen ein paar tausend Euro im Ort statt im Neubaugebiet baut, aber zumindest ein Anreiz könne es ja sein. "Lebendige Ortskerne" nennen die Gemeinden ihr ganz eigenes Förderprogramm, das sie am Donnerstag, 23. September, bei einer Infoveranstaltung im Dattenhauser Zehentstadel vorstellen.

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Gebäude in Mödingen (Gemeinde Wittislingen) nach der Sanierung.

Netzwerk "Leben und Wohnen"

Das Thema "Leben und Wohnen" auf dem Land beschäftigt auch den Regionalentwicklungsverein Donautal Aktiv im Landkreis Dillingen. Im Rahmen eines von der EU geförderten Projekts sollen Modellkommunen gemeinsam Strategien entwickeln, die den veränderten Wohnsituationen und Bedürfnissen aller Generationen gerecht werden. Wie können Kommunen es schaffen, Ortskerne attraktiv und lebendig zu gestalten, junge Leute im Ort zu halten und selbstbestimmtes Wohnen im Alter zu ermöglichen?

Um dafür Lösungen zu erarbeiten, sollen sich die teilnehmenden Kommunen zu einem Entwicklungsnetzwerk mit dem Titel "Neues Wohnen auf dem Lande" zusammenschließen und sich regelmäßig über ihre Erfahrungen austauschen.

Baulücken und Leerstände erfassen

Wichtig ist natürlich auch, überhaupt zu wissen, wo es Baulücken gibt und wo Gebäude leerstehen. Im Landkreis Donau-Ries hat man dies in den vergangenen Jahren in Zusammenarbeit mit 26 Kommunen erfasst, die Eigentümer kontaktiert und das alles in einer Datenbank erfasst. So kamen 2.400 Objekte zusammen – insgesamt eine Fläche so groß wie etwa vier Neubaugebiete zusammen. Bereit zu verkaufen waren bisher rund 100 Eigentümer. Auf den meisten der Grundstücke würde bereits neu gebaut oder bestehende Gebäude saniert, sagt Konversionsmanagerin Barbara Wunder.

Wie wollen die Menschen in Zukunft wohnen?

Im Rahmen einer Wohnraumstudie hat der Landkreis Donau-Ries außerdem abgefragt, wie sich die Bürger Wohnen und Leben auf dem Land in Zukunft vorstellen. Etwa die Hälfte hält weiterhin am Einfamilienhaus fest, aber es sind auch alternative Wohnformen gefragt, so das Ergebnis: Mehrgenerationenhäuser oder sanierte Altbauwohnungen im Ortskern werden immer häufiger genannt. Bauen und Sanieren mit ökologischen Materialien ist etwa jedem fünften Befragten wichtig.

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