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Münchner Infektiologe warnt wegen Corona-Mutante vor Lockerungen | BR24

© dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Die britische Mutante des Coronavirus gilt nach Schätzungen als um 35 Prozent ansteckender als das ursprüngliche Virus

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Münchner Infektiologe warnt wegen Corona-Mutante vor Lockerungen

Der Infektiologe Clemens Wendtner warnt angesichts der starken Verbreitung der britischen Corona-Mutante vor zu schnellen Lockerungen. Sonst drohe hierzulande ein Szenario wie in Portugal. Das Land hatte zeitweise die weltweit höchste Inzidenz.

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Von
  • Katharina Heudorfer

Der Münchner Infektiologe Prof. Clemens Wendtner sieht die britische Variante B.1.1.7 des Coronavirus als große Gefahr. Weil sie sich derzeit schnell in Deutschland verbreitet, ist es seiner Meinung nach noch nicht an der Zeit, über Lockerungen zu sprechen. Der Anteil der britischen Mutante stieg deutschlandweit innerhalb von zwei Wochen von sechs auf 22 Prozent. Laut dem Chefarzt der Infektiologie an der Schwabinger Klinik, Clemens Wendtner, ist dabei aber von einer hohen Dunkelziffer auszugehen, weil ein Nachweis der Virusvariante mehrere Tage dauert.

Schätzungen zufolge ist die britische Virusvariante 35 Prozent ansteckender als das ursprüngliche Virus. Außerdem scheint sie häufiger zu Hospitalisierung und zum Tod zu führen, wie Ergebnisse aus laufenden Untersuchungen zeigen, die die britische Regierung veröffentlicht hat. Demnach gibt es Hinweise auf ein um etwa 40 bis 60 Prozent erhöhtes Morbiditäts- und Mortali­tätsrisiko.

Britische Mutante wirkte in Portugal wie ein Brandbeschleuniger

Der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner erinnerte in seiner Stellungnahme heute an Portugal als warnendes Beispiel. Er sagte: "Die Ausbreitung der Mutanten war für das Infektionsgeschehen in Portugal wie ein Brandbeschleuniger." Aufgrund der britischen Virusvariante hatte das Land zeitweise die höchste Corona-Inzidenz weltweit.

In Deutschland wirkt sich die Variante im Moment noch nicht mit exponentiell steigenden Inzidenzwerten aus, die Gefahr erscheint vielen daher noch abstrakt. Aber der Infektiologe Clemens Wendtner betont: "Maßnahmen erst dann zu treffen, wäre leider zu spät und würde erneut über tausend Menschenleben täglich kosten."

Nicht der Zeitpunkt für Lockerungen - trotz sinkender Inzidenzen

Es sei zwar bei sinkenden Inzidenzen schwer zu vermitteln, warum jetzt nicht der richtige Zeitpunkt für Lockerungen sei, so der Infektiologe Wendtner. Doch er mahnte heute eindringlich, dass das Infektionsgeschehen unbedingt flachgehalten werden müsse, um eine Ausbreitung der Mutanten zu verhindern.

Infektiologe Wendtner: Wir müssen mehr Impfen

Er sieht die Lösung vor allem beim Impfen: "Wir müssen in den kommenden Wochen und Monaten alles daran setzen die Impf-Inzidenz zu erhöhen und die Impfkurve schnell und anhaltend nach oben zu bringen." Außerdem müssen seiner Ansicht nach weiterhin die Kontakte reduziert und die Hygieneregeln eingehalten werden, um ein explodierendes Infektionsgeschehen zu vermeiden.

Sollte das gelingen, dann solle man im Sommer zurückblicken und wissen, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt im Kampf gegen das Virus erfolgreich war und nicht glauben, dass die Sorge vor Mutationen eine Erfindung oder Panikmache gewesen sei, so der Münchner Infektiologe Prof. Clemens Wendtner, "wie real die Gefahr ist, zeigt aktuell leider schon der Blick in unsere Nachbarländer.“

Alle Nachrichten zur Corona-Pandemie hier in unserem Corona-Ticker.

© BR

Als Gebiete, in denen Mutanten verstärkt vorkommen, gelten Tschechien und Tirol. Von dort dürfen Grenzpendler ab morgen nur noch einreisen, wenn sie neben negativem Coronatest eine Bescheinigung haben, dass sie in systemrelevantem Betrieb arbeiten.

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