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Lärmbelastung durch Biker: Gemeinden leiden unter Motorradrasern | BR24

© picture-alliance/dpa

Motorradfahrer auf der Landstraße

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    Lärmbelastung durch Biker: Gemeinden leiden unter Motorradrasern

    Der Frühling ist da und die ersten Motorradfahrer brechen auf in die Berge. Des einen Freud, des anderen Leid: Für zahlreiche Gemeinden ist der Lärm der Biker eine Belastung. Bayrischzell etwa kann ein Lied davon singen. Von Daniel Knopp

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    Das schöne Wetter lockt, die Biker kommen. In Walderbach im Kreis Cham war dabei ein Motorradfahrer vermutlich mehr als 150 km zu schnell. Eigentlich müsste er laut Verkehrspolizei Regensburg jetzt 1.200 Euro Geldbuße zahlen, außerdem bekäme er zwei Punkte in der Verkehrssünderdatei und drei Monate Fahrverbot. Doch daraus wird erstmal nichts.

    "Es ist so, dass normalerweise Messungen ja mit zwei Kameras erfolgen: Einmal die Frontmessung, sprich, dass man das Gesicht sieht, und dann von hinten noch einmal, dass man das Kennzeichen hat. An dem besagten Wochenende hat der gute Mann eigentlich zwei Mal Glück gehabt: Zum einen, weil bei uns die Kamera, die zweite, ausgefallen ist Tage vorher, was eigentlich auch nicht oft vorkommt, aber die ist da ausgefallen und wir konnten dann nur von vorne ein Foto machen, sprich wir haben kein Kennzeichen. Und von vorne ist es ein wenig schwierig, weil mit dem Blitz und der Sonne das Visier gespiegelt hat, so dass man wirklich nichts erkennen konnte. Und das zweite Mal Glück ist ja das, weil mit der Geschwindigkeit über die Bundesstraße zu fahren – das ist sehr, sehr gefährlich, gelinde gesagt." Ralf Kunze, Verkehrspolizei Regensburg 

    In Bayrischzell leidet auch der Tourismus

    Effektiv sind bei Motorradrasern nur personalaufwendige Polizeikontrollen. Mit Laserhandmessgeräten ermitteln die Beamten die Verkehrssünder und können so gleich den tatsächlichen Fahrer belangen. Blitzen hingegen bringt wenig. Vorn haben Motorräder kein Nummernschild. Von hinten geblitzt kann nur der Fahrzeughalter, aber nicht der Fahrer ermittelt werden.

    Das Problem kennt auch die Gemeinde Bayerischzell. Hier könnte alles so schön sein und vor allem ruhig. Mitten in der Natur, am Fuße des Wendelsteins. Wären da nicht die Motorradfahrer, vor allem bei schönem Wetter am Wochenende. Mitten im Ort Bayrischzell beginnt die Alpenstraße hinauf Richtung Sudelfeld. Ein Hotspot für Biker. Ein Problem aber auch für die Anwohner und die Tourismuschefin Stephanie Hintermayr. Bei ihr beschweren sich immer wieder die Gäste.

    "Man hat schon verschiedllich versucht, Dinge dagegen zu unternehmen, auch Hilfe angefordert, von Staat und Regierung, aber da es sich um eine Bundesstraße handelt, haben wir da wenig Chancen und können die Gäste auch nur enttäuschen."

    Stephanie Hintermayr, Tourismuschefin 

    Doch nicht nur die Raserei ist ein Problem - auch Motorradfahrer mit gemäßigter Geschwindigkeit sind ein Problem für die Gemeinde, denn:

    "Selbst wenn Motorradfahrer normal fahren, aber dann am Wochenende in ganz großen Gruppen auftreten, dann sieht man, wie sie hier hereinbrechen, fast schon wie eine kleine Armee, ein Fahrzeug hinter dem anderen, die Straße hinauf, aber natürlich sind die allerschlimmsten die Adrenalinjunkies, die da eben alles ausreizen müssen, die ihre Maschinen dann hochjagen, das sind natürlich die schlimmsten Momente dann." Stephanie Hintermayr, Tourismuschefin 

    Die Gemeinde Bayrischzell fühlt sich machtlos. Der Bürgermeister und seine Vorgänger haben immer wieder versucht, gegen die Motorradraser anzugehen, bis hinauf zum Innenministerium, leider erfolglos.

    "Unser Hauptproblem ist mit der in Deutschland geltenden Fahrerhaftung, das ist nicht zu vergleichen mit den Österreichern ihrer Halterhaftung. So ist es sehr schwierig, einen geblitzten Motorradfahrer, wenn das Gesicht nicht eindeutig erkennbar ist, dann für seine Straftat zu belangen." Georg Kittenrainer, Erster Bürgermeister Bayrischzell

    Motorradunfälle haben stark zugenommen

    Da die Motorradunfälle in Bayern seit 2011 um knapp 25 % zugenommen haben und im letzten Jahr etwa 30% der tödlichen Motorradunfälle überhöhte Geschwindigkeit zur Ursache hatten, verschärft die Bayerische Polizei in diesem Jahr die Geschwindigkeitskontrollen. Mit zahlreichen Aktionen, auch in den sozialen Medien, appelliert sie vor allem an die Vernunft der Biker.

    In Bayrischzell müssen die Anwohner und Touristen mit ihrer Durchgangsstraße weiter leben, doch freut sich die Gemeinde über jeden Motorradfahrer, der Rücksicht nimmt.