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Das Krankenhaus St. Josef in Schweinfurt ist vielleicht schon deutlich früher als geplant kein Akutkrankenhaus mehr.

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Kündigungswelle im Josefs-Krankenhaus in Schweinfurt

Das Krankenhaus St. Josef in Schweinfurt ist vielleicht schon deutlich früher als geplant kein Akutkrankenhaus mehr. Der Grund: Immer mehr verunsichertes Personal kündigt. Einzelne Stationen könnten dadurch schon bald in Gefahr sein.

Bis 2030 soll St. Josef in Schweinfurt vom Krankenhaus zum Sozialzentrum werden, die Akut-Versorgung in die Leopoldina-Klinik wandern. Daran wird auch die von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach geplante Reform der Krankenhausfinanzierung nichts ändern. Doch möglicherweise kann das Krankenhaus St. Josef seine Aufgaben als Akutkrankenhaus schon deutlich früher nicht mehr erfüllen. Zu dieser Einschätzung kommt Martin Stapper, Geschäftsführer des Trägers, der "Kongregation der Schwestern des Erlösers".

Einzelne Stationen schon jetzt in Gefahr

Die Nachricht von einer geplanten Kooperation mit dem Leopoldina-Krankenhaus in Schweinfurt hatte zu einer Verunsicherung der Mitarbeiter im Krankenhaus St. Josef geführt. Seit Bekanntgabe der geplanten Kooperation Ende April haben laut Stapper 38 Mitarbeiter im Krankenhaus gekündigt. Auf die Frage, ob er die Gefahr sehe, dass durch möglicherweise weitere Kündigungen einzelne Stationen nicht mehr aufrechterhalten werden könnten, sagte Stapper gegenüber BR24 wörtlich: "Diese Gefahr ist real, das ist in der Tat so."

Beschäftigungsgarantie als Perspektive für Mitarbeiter

Deshalb wollen beide Krankenhäuser den Mitarbeitern eine Perspektive geben. „Wir geben eine Beschäftigungsgarantie im Verbund. Das können wir zum jetzigen Zeitpunkt sagen. Wenn der Verbund kommen wird, dann können alle innerhalb des Verbundes ihren Arbeitsplatz nachhaltig sichern," sagte Stapper wörtllich. Laut Stapper soll es beide Krankenhäuser in Schweinfurt auch über 2030 hinaus geben. Allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Altersmedizin als Schwerpunkt am St. Josef

So sollen im Leopoldina-Krankenhaus die stationären Behandlungen unter anderem in den Bereichen Innere, Chirurgie oder Notfall- und Intensivmedizin konzentriert werden. Im Krankenhaus St. Josef soll es künftig eine "Erweiterte ambulante Behandlung" geben. Das heißt: Fachärzte von außen sollen ambulante Eingriffe vornehmen, die Patienten sollen dann ein bis zwei Tage hier im Krankenhaus St. Josef noch bleiben können. Darüber hinaus soll hier Altersmedizin in den Schwerpunkt rücken, Pflegeangebote sollen erweitert, die Palliativstation angesiedelt werden und Aus- und Weiterbildungen sollen hier stattfinden.

Notaufnahme, Geburtshilfe oder Chirurgie nur noch am Leopoldina

Heißt: Die Notaufnahme, die Abteilungen für Geburtshilfe, Anästhesie und Intensivmedizin, Innere oder Chirurgie sollen hier verschwinden und nur noch für die stationäre Behandlung am Leopoldina-Krankenhaus angeboten werden. Stapper geht davon aus, dass Patienten in der Abteilung für Altersmedizin bei Spezialbehandlungen nur in Ausnahmefällen ins Leopoldina-Krankenhaus gebraucht werden müssten.

Die Geburtshilfe am Krankenhaus St. Josef soll spätestens zum 31.3.2023 geschlossen werden. Hier wurden zuletzt jährlich bis zu 900 Kinder geboren. Ab Februar sollen zu den drei Kreißsälen am Leopoldina-Krankenhaus zwei weitere Kreißsäle einsatzfähig sein.

Mitarbeiter kritisieren geplantes Konzept

Mitarbeiter des Krankenhauses St. Josef, die namentlich nicht genannt werden wollen, kritisieren das Konzept. Sie sprachen zuletzt von einer Kündigungswelle in beiden Häusern. Aus ihrer Sicht geht für St. Josef der Charakter eines Krankenhauses komplett verloren. Unter den Mitarbeitern herrsche "eine große Verunsicherung, ein hohes Maß an Unsicherheit, Perspektivlosigkeit, zuweilen auch Depression, weil viele das Krankenhaus aufgrund seiner christlichen Ausrichtung bewusst gewählt" hätten.

Eventuell bauliche Erweiterungen am Leopoldina

Bislang gibt es im Krankenhaus St. Josef 272 Betten. Die Zahl der Betten für Altersmedizin sollen von 20 auf 40 aufgestockt. Weiterhin soll hierhin die Palliativstation mit zehn Betten verlegt werden. Wie viele Betten für "Erweiterte ambulante Behandlungen" entstehen könnten, konnte Stapper nicht sagen.

Laut Jürgen Winter, dem Geschäftsführer des Leopoldina-Krankenhauses, könnte sein Haus "nach seiner persönlichen Einschätzung" die Bettenzwahl von rund 700 auf 800 erweitern, um die bisher notwendige Zahl von stationären Behandlungen abzudecken. Das Haus könnte baulich erweitert werden. Dort, wo bislang der Hubschrauberlandeplatz liegt, könnte ein Erweiterungsbau entstehen. Auf diesen Erweiterungsbau könnte eine Plattform für Hubschrauberlandungen gebaut werden.

Norbert Jäger, Geschäftsführer des Krankenhauses St. Josef räumte ein, dass Mitarbeiter, Patienten und die Bevölkerung "vielleicht ein bisschen verunsichert" worden seien, Liebgewonnenes würde verloren gehen, die Sorgen von Mitarbeitern würden jedoch sehr ernst genommen werden.

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