Kendrick Lamar während eines Auftritts beim internationalen Hip-Hop-Festival Rolling Loud in Rotterdam Ende Juni.
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Kendrick Lamar während eines Auftritts beim internationalen Hip-Hop-Festival Rolling Loud in Rotterdam Ende Juni.

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Rap-Festival Rolling Loud in München: "Bemerkenswert aggressiv"

Rund 60.000 Besucher haben am Wochenende auf dem Münchner Messegelände beim "Rolling Loud"-Festival gefeiert - nicht immer friedlich. Am Freitag wurde ein Konzert abgebrochen. Am Samstag wurde sogar der Abbruch des ganzen Festivals erwogen.

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Zum ersten Mal hat das Rap-Festival "Rolling Loud Germany" in Deutschland stattgefunden. Laut Veranstalter feierten rund 60.000 Besucherinnen und Besucher am vergangenen Wochenende zu Hip-Hop-Beats auf einer Freifläche der Messe München am Ostrand der Stadt. Dabei kam es aber auch zu Ausschreitungen. Es flogen Steine und Flaschen, Menschen wurden verletzt. Zwischenzeitlich stand sogar ein Abbruch der gesamten Veranstaltung im Raum.

Aggressiver Festival-Auftakt am Freitag

Ein Sprecher des Münchner Polizeipräsidiums berichtete am Sonntag, dass die Stimmung beim Publikum "bemerkenswert aggressiv" gewesen sei. Der Veranstalter "Live Nation" teilte am Montag mit, dass "einzelne aggressive Besucher unprovoziert Zwischenfälle" ausgelöst hätten.

Begonnen hatten die Probleme am Freitag an der zweiten Bühne des Musikfestivals. "Es waren mehr Menschen vor der Bühne als eigentlich zugelassen sind", so der Polizeisprecher. Auch der Veranstalter beschrieb, dass die Teilnehmer grundlos nach vorne gedrängt seien. Laut Polizei wurden durch Stein- und Flaschenwürfe neun Ordner und auch Besucher verletzt.

Reaktion der Verantwortlichen

In die Menschenmenge wurden laut Polizei vom Veranstalter zusätzliche sogenannte "Wellenbrecher" eingebaut. Mit diesen Gittern werden bei Großveranstaltungen die Besucher voneinander getrennt und in Gruppen separiert. Zudem seien Matten auf den Boden gelegt worden, damit Konzertbesucher keine Kieselsteine mehr zum Werfen aufheben konnten. Wegen der Vorfälle habe ein Sicherheitsunternehmen seine 65 Ordner abgezogen. Es seien aber mehrere Sicherheitsunternehmen vor Ort gewesen, die deren Aufgaben übernehmen konnten. Die Polizei erhöhte die Zahl der eingesetzten Beamten am Samstag von etwa 300 auf 400.

Letztlich habe die Stadt München entschieden, diese Bühne am Freitag vorzeitig zu schließen. Zwei Auftritte hätten deswegen nicht mehr stattfinden können. An der Hauptbühne sei das Programm weitergegangen. Dennoch sei überlegt worden, das Festival ganz abzubrechen.

Samstag: Weiterer Zwischenfall, dann ruhiger

Am Samstagnachmittag gab es wieder einen Zwischenfall, bei dem Zuschauer über die Absperrung in die Bereiche vor der Hauptbühne drängten. Laut dem Veranstalter konnte das Programm auf der Bühne erst nach eindringlichen Appellen weitergeführt werden. Die Polizei habe die Ordnungskräfte unterstützt, die Teilnehmerbeschränkungen in den Wellenbrechern vor der Bühne einzuhalten.

Nach Angaben des Polizeisprechers wurde die Stimmung dann ab Samstagabend ruhiger. Am Sonntag seien die Konzerte wie geplant weitergelaufen.

Veranstalter: "Haben so professionell wie möglich reagiert"

Veranstalter Andre Lieberberg von Live Nation erklärte in einer Stellungnahme, dass bei Großveranstaltungen dieser Art die Sicherheit der Gäste vorgehen müsse: "Wir veranstalten seit Jahrzehnten die größten Open-Air-Konzerte und Festivals und haben dabei schwierigste Situationen gemeistert, ob bei Unwettern oder Bedrohungslagen." In dieser Saison würden 50 Open Airs mit über drei Millionen Besuchern veranstaltet. In keinem Fall habe es bisher Zwischenfälle oder Ausschreitungen gegeben. Beim Rolling Loud-Festival habe man "so unmittelbar und professionell wie möglich auf die Probleme reagiert", so Liebermann. Man habe sich stets bemüht, alle behördlichen Anforderungen zu erfüllen und habe im permanenten Austausch mit Polizei, Feuerwehr und Kreisverwaltungsreferat gestanden. Lieberberg bewertet das Festival als "herausragendes Ereignis": "Wir freuen uns im kommenden Jahr zurückzukommen".

Sanitäter vor allem wegen Hitze, Alkohol und Drogen im Einsatz

Die Anzahl der Einsätze der Sanitäter lag laut dem Veranstalter für ein Festival dieser Größe im normalen Rahmen. Bis Sonntagnachmittag seien ca. 800 Einsätze registriert worden, darunter 27 Transporte. Bei den meisten Einsätzen habe es sich um kleine Verletzungen gehandelt, wie zum Bespiel Schnitt- und Schürfwunden. Die Einsatzleitung der Johanniter bezeichnete die Anzahl der Einsätze als durchaus "vergleichbar mit ähnlichen Großveranstaltungen". Hitze und Sonneneinstrahlung hätten bei einigen Gästen zu gesundheitlichen Problemen geführt. Daneben habe es die bei solchen Konzerten üblichen Vergiftungen gegeben, durch Alkohol oder andere Drogen.

"Rolling Loud": Festival aus Florida

Die größte Hip-Hop-Festival-Serie der Welt startete in Miami im US-Bundesstaat Florida. 2015 war "Rolling Loud" noch ein Ein-Tages-Event, welches von den Schulfreunden Matt Zingler and Tariq Cherif ins Leben gerufen wurde. Von Jahr zu Jahr wurde das Festival größer. 2022 debütierte das Event in Europa, in Portimão im Süden Portugals.

US-Rap-Stars in München

Zwei seiner Headliner hat das "Rolling Loud" aus Rotterdam, wo das Festival am Wochenende zuvor stattfand, mitgebracht: Kendrick Lamar und Travis Scott. Rapper Wizkid vervollständigt die musikalische Speerspitze und trat am Freitagabend in München auf. Auch deutscher Rap war am Freitag beim "Rolling Loud" von Bonez MC und RAF Camora zu hören.

Am Samstag rappte Luciano auf Deutsch, gefolgt von den US-Amerikanern Lil Uzi Vert und Kendrick Lamar. Den dritten Tag des "Rolling Loud Germany" bespielten Gucci Mane, Ken Carson und Travis Scott. Insgesamt traten am vergangenen Wochenende mehr als 50 Künstler und Künstlerinnen auf zwei Open-Air-Bühnen auf.

Strenge Sicherheitsvorgaben bei Rap-Festival

Das internationale Line-up des "Rolling Loud" hatte sich auch in den Ticketpreisen niedergeschlagen. Knapp 250 Euro wurden für das gesamte Wochenende veranschlagt, zwischen etwa 90 und 110 Euro kostete ein Tagesticket. Getränke und Essen auf dem Festivalgelände wurden, wie es bei immer mehr Festivals üblich ist, mit einem Armband bezahlt, das am Eingang mit Geld aufgeladen werden konnte.

Taschen durften nicht größer als ein DIN-A4-Blatt sein. Neben gefährlichen Gegenständen, wie Feuerwerk oder Waffen, waren Essen, Getränke und alle Flüssigkeiten nicht erlaubt. Nur eine faltbare, leere Trinkflasche konnte mit aufs Gelände genommen werden.

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