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Ende einer Ära in Wunsiedel: Bürgermeister Karl-Willi Beck geht | BR24

© BR/Anne Axmann

Nach 18 Jahren als Bürgermeister hört Karl-Willi Beck auf

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Ende einer Ära in Wunsiedel: Bürgermeister Karl-Willi Beck geht

Nach 18 Jahren geht in Wunsiedel eine Ära zu Ende: Bürgermeister Karl-Willi Beck (CSU) hört auf und geht in Pension.

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18 Jahre war er der Chef im Wunsiedler Rathaus: Karl-Willi Beck. Doch jetzt hört der langjährige 1. Bürgermeister der Stadt Wunsiedel auf und geht in Pension. Beck hat die Stadt geprägt und sie durch das Engagement gegen Rechts unter dem Slogan "Wunsiedel ist bunt" bundesweit bekannt gemacht.

Kämpfer gegen Rechts

Karl-Willi Beck – genannt Charly - ist einer der Bürgermeister, der auch überregional immer wieder in den Medien war, so zum Beispiel als Kämpfer gegen Rechts. Im Jahr 2004 waren rund 6.000 Nazis in Wunsiedel. Sie kamen, um Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess zu gedenken, der auf dem Wunsiedler Friedhof begraben war. Die Nazis wollten die Stadt einkreisen. Bürgermeister Beck machte bei einer Sitzblockade vor dem Landratsamt in Wunsiedel mit, um den Nazis den Weg zu versperren. Für diese Aktion gegen den Rechtsextremismus gleich zu Beginn seiner Amtszeit wurde Beck berühmt und formte den inzwischen bundesweit genutzten Anti-Rechts Slogan "Wunsiedel ist bunt" mit.

"Das macht überhaupt den Karl-Willi Beck aus, dass ich also schon meinen eigenen Kopf entwickle" Karl-Willi Beck, 1. Bürgermeister der Stadt Wunsiedel

Nach der Straßensperre mit Sitzblockade wurde Beck in den Innenausschuss des deutschen Bundestages eingeladen. Dort durfte er sprechen und wenig später wurden die Gesetze verändert.

Herzensprojekt Luisenburg-Festspiele

Doch das war nicht sein einziger Verdienst. In Becks Amtszeit wurden die Luisenburg-Festspiele auf neue Füße gestellt, mit einem modernen Betriebsgebäude direkt an der Bühne. Außerdem ist Beck stolz Intendantin Birgit Simmler bis 2027 verpflichtet zu haben. Als nächstes soll jetzt die Bühne ein technisches Update bekommen und saniert werden. Die Festspiele sind für den Bürgermeister ein Herzensprojekt: "Jetzt strahlen die Festspiele Stabilität aus."

Energiewende mit Nachhaltigkeitspreis

Ein weiterer Meilenstein war es den sogenannten "Wunsiedler Weg" einzuschlagen. Die Idee: Die Energiewende in Wunsiedel mit den eigenen Unternehmen im Stadtgebiet so aufzustellen, dass die Stadt 2025 energieautark ist. Ein großer Energiepark ist bereits entstanden und mittlerweile forscht sogar Siemens mit in Wunsiedel. Für diese Ideen und die Umsetzung gab es 2012 den deutschen Nachhaltigkeitspreis für die Stadt.

Graubereich in Sachen Justiz

Karl-Willi Beck war öfter im Graubereich unterwegs, sei es in Sachen Justiz oder bei Themen, die Mitarbeiter betrafen. Derzeit läuft noch ein Verfahren wegen Sozialversicherungsbetrug gegen Beck und den ehemaligen Intendanten der Luisenburg-Festspiele Wunsiedel Michael Lerchenberg. Beck musste sich auch in einer sogenannten "Dienstwagenaffäre" vor Gericht verantworten. Er hatte einem Mitarbeiter zwei Dienstwagen auch zur privaten Nutzung zur Verfügung gestellt, um den Beamten in Wunsiedel zu halten. Die Verfahren sind und waren stets juristisch und ethisch schwer zu entscheiden.

Kritik versus Leidenschaft

Natürlich gab es auch immer Kritik an Beck, vor allem wenn es um Investitionen trotz leerer Staatskassen ging. Aber eines muss man ihm lassen – einen Bürgermeister, der so vor Liebe und Leidenschaft für seine Stadt sprüht, den hat auch nicht jeder Ort.

"Erster Bürgermeister einer Stadt, einer Gemeinde sein zu dürfen, das ist einer der schönsten Berufe und eines der schönsten Ämter, die man auf der Welt überhaupt haben kann. Man muss natürlich dann auch schon ein bisschen dafür geboren sein" Karl-Willi Beck kurz vor dem Ende seiner Amtszeit

In seinen letzten Wochen und Monaten im Wunsiedler Rathaus kommt allmählich die Wehmut auf, aber zugleich auch die Vorfreude.