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    Bayerns Bauern ohne Glyphosat?

    EU-Länder können Spritzmittel verbieten. Eine Landwirtschaft ohne Glyphosat, auf die Frankreich bald zusteuern könnte – wäre so etwas auch in Deutschland und in Bayern möglich? Und was würde das für die Bauern bedeuten? Von Tobias Chmura

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    Was wären, wenn? Was wäre, wenn die SPD die Glyphosat-Frage zur Bedingung für eine Große Koalition machen würde? Was wäre, wenn die Grünen eine Minderheitsregierung nur dann mittrügen, wenn Glyphosat verboten wird?

    Eine Landwirtschaft ohne den Unkraut-Vernichter Glyphosat – möglich?

    "Natürlich, ohne Probleme! Wir hatten ja auch bis zu den 70-ern des letzten Jahrhunderts keine Probleme, Landwirtschaft zu betreiben!" Klaus Gehring

    Das sagt kein Umweltschützer, sondern Klaus Gehring von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Experte für Pflanzenschutzmittel und Glyphosat-Befürworter.

    Denn auf den ersten Blick ist es so: Glyphosat vernichtet sämtliche grünen Pflanzen auf dem Acker. Landwirte spritzen es vor allem vor der Aussaat. So haben dann Mais oder Weizen keine Konkurrenz und können gut wachsen. Wer auf das Total-Herbizid verzichtet, muss das Unkraut anders in Schach halten. Landwirt Rudolf Barth aus dem Landkreis Dachau setzt einen Grubber ein. Viele kleine Scharen packen das Unkraut sprichwörtlich an der Wurzel:

    "Ob das irgendein Wurzel-Unkraut oder ein Klee ist oder ein Gras, wir haben damit die Möglichkeit, flächendeckend hundertprozentig abzuschneiden – also man braucht einen flächendeckenden flachen Schnitt!" Landwirt Rudolf Barth

    Berufskollege Eckhard Döring setzt eine Fräse ein, die das Unkraut zerkleinert. Es bleibt dann auf dem Acker liegen und …

    "Wenn die Witterung passt, dann vertrocknet es und ist dann eliminiert. Es muss halt dann ein paar Tage trocken sein, also das muss ich schon sagen, das Wetter muss man stärker im Auge haben als bei der Glyphosat-Anwendung!“ Eckhart Döring

    Fräse, Grubber oder der Pflug – statt zu spritzen würden wohl die meisten Landwirte wieder darauf umsteigen – das zeigen Untersuchungen der Uni Göttingen.

    Problem also gelöst? So einfach ist es nicht… Der Pflug vernichtet nicht so zuverlässig alle Unkräuter. Viele Bauern müssten dann andere Herbizide spritzen. Das ist nicht unbedingt wünschenswert, so Klaus Gehring von der Landesanstalt für Landwirtschaft:

    "Glyphosat ist einer der Wirkstoffe, die immer noch überdurchschnittlich umweltverträglich sind, auch wenn sich das für manche merkwürdig anhört, aber das sind die fachlichen Grundlagen. Viele andere Wirkstoffe sind im Bereich von Grundwassergefährdung, Oberflächenwassergefährdung, auch Nicht-Zielorganismen-Risiko durchaus in einem Bereich, der nicht auf einem Niveau von Glyphosat ist!" Klaus Gehring

    Alles natürlich unter der Voraussetzung, dass Glyphosat nicht schädlicher ist, als es zurzeit von den Behörden eingestuft wird! Woran es ja durchaus Zweifel gibt … Hinzu kommen noch mehr Nachteile: Zum Beispiel kommt der Pflug Regenwürmern und anderen Bodenbewohnern in die Quere…

    "Bis hin zum berühmten Feldhamster, also, wenn ein Sechs-Schar-Volldreh-Pflug über den Acker läuft, dann ist erst mal tatsächlich alles auf den Kopf gestellt, das gilt für alles, was da kreucht und fleucht!" Klaus Gehring

    Tatsache ist aber auch: Das Bodenleben kann sich den Lebensraum nach dem Pflügen sofort wieder zurückerobern.

    Am Ende ist es also ein Abwägen, welche Form des Ackerbaus der Umwelt am wenigsten schadet – und eine Frage des Geldes:

    Pflügen kostet Zeit und verbraucht viel Diesel-Kraftstoff. Klaus Gehring schätzt, dass das allein 500 Millionen Euro pro Jahr kostet. Das macht den Ackerbau weniger rentabel. Lässt aber die Preise im Supermarkt nicht steigen, denn:

    "Die großen Lebensmittelkonzerne würden sich die Rohstoffe, die sich ja sowieso schon im internationalen Bereich suchen und holen in einer dann etwas verstärkten Form suchen und holen." Klaus Gehring

    Also mehr internationale Konkurrenz für die Bauern. In dem System Landwirtschaft wie es hierzulande betrieben wird, bleibt Glyphosat deshalb systemrelevant. Es ermöglicht den Anbau von nur wenigen, dafür gewinnbringenden Kulturen.

    Der Unkrautvernichter wird wohl erst dann überflüssig, wenn eine andere, umweltschonendere Form der Landwirtschaft betrieben würde. Das setzt aber eine ganz andere Ernährung voraus: Wir müssten vor allem viel weniger Fleisch essen – und das ist momentan nicht in Sicht.