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Ausbildung in der Landwirtschaft – früher und heute | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Bei Josef Mayrs Ausbildung an der Landwirtschaftsschule in Nördlingen vor mehr als 40 Jahren war an GPS-Technik noch nicht zu denken. Auch bei den Themen Gülle und Dünger gibt es große Unterschiede bei dem, was Senior und Junior gelernt haben.

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Ausbildung in der Landwirtschaft – früher und heute

Für viele junge Frauen und Männer startet am 1. September die Berufsausbildung. Gerade in der Landwirtschaft hat sich der Arbeitsalltag über die Jahre besonders stark gewandelt - nicht nur durch neue technische Entwicklungen.

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Von
  • Tobias Hildebrandt

Am 1. September beginnt traditionell die berufliche Ausbildung. Wer schon etwas länger in seinem Job ist, der erinnert sich vielleicht noch, was er damals gelernt hat und wie sich der Arbeitsalltag zum Beispiel durch neue technische Entwicklungen über die Jahre gewandelt hat. In der Landwirtschaft ist dieser Wandel besonders groß. Die Ansprüche der Gesellschaft sind gestiegen, manche Umweltfolgen waren vor Jahrzehnten noch nicht abzusehen.

Wenn Simon Mayr mit dem Traktor übers Feld fährt, dann schaut der 27-Jährige nur zwischendurch nach vorne durch die Windschutzscheibe. Mindestens genauso viel Aufmerksamkeit bekommen die beiden Touchpads rechts neben ihm in der Fahrerkabine.

Per GPS über den Acker

Auf dem Acker übernimmt heute oft der Satellit das Lenkrad – das ist heute schon so gut wie der Standard. Für Simon Mayrs Vater Josef ist das manchmal immer noch gewöhnungsbedürftig. Der heute 60-Jährige erinnert sich, in seiner Kindheit sei sein Opa noch mit dem Pferdefuhrwerk vom Feld heimgekommen. Heute könnte es der Schlepper theoretisch alleine.

Landwirtschaftliche Ausbildung im Wandel der Zeit

In Josef Mayrs Ausbildung an der Landwirtschaftsschule in Nördlingen vor mehr als 40 Jahren war an GPS-Technik noch nicht zu denken. Auch beim Thema Gülle und Dünger generell unterscheidet sich zwischen dem Senior und dem Junior deutlich, was ihnen beigebracht wurde.

Von der Düngung sei ihnen seinerzeit noch beigebracht worden: "Viel hilft viel!" Auch habe die Gülle eben "wegmüssen". Somit habe man sie aufs Feld gefahren, sagt der Senior.

"Der Fokus hat sich verschoben …"

Von "viel hilft viel" oder einer pauschalen Düngung hat sich der Fokus heute verschoben auf eine Düngung, die dem Bedarf der Pflanzen entspricht. Mayr Junior und Senior nehmen deshalb regelmäßig Bodenproben auf ihren Feldern, um zu prüfen, wie viele Nährstoffe noch im Boden stecken.

Das Wissen über die Technik dafür, GPS-gesteuert und über mobiles Internet, ist heute selbstverständlich Teil der Ausbildung oder des Studiums, wie Simon Mayr es gemacht hat. Beim Vater, der den Beruf komplett analog gelernt hat, ist da das Vertrauen in die Technik nicht ganz so groß. Vor allem, wenn das mobile Internet mal wieder an seine Grenzen stößt. "Wenn der Empfang schlecht ist, dann stehst du auf dem Feld und kannst nichts machen, weil der Düngerstreuer zum Beispiel gar nicht aufmacht", sagt Simon Mayr.

Lehrpläne wurden angepasst

Die Landwirtschaft ist komplexer geworden. Zu viel Nitrat im Grundwasser etwa hat zu strengeren Düngeregeln geführt - einen Teil ihrer Flächen müssen die Bauern heute umweltschonend bewirtschaften. Oder die öffentlichen Diskussionen ums Tierwohl, Gewässerschutz, Luftreinhaltung. Diese Themen sind inzwischen wesentliche Bestandteile des Unterrichts in der landwirtschaftliche Ausbildung.

Auch in den Lehrplänen zur Tierhaltung hat sich viel verändert. In früheren Jahrzehnten ging es zum Beispiel in der Rinderzucht vor allem darum, dass Kühe mehr Milch geben. Die Ernährung der wachsenden Bevölkerung nach dem Zweiten Weltkrieg stand dabei lange im Vordergrund. Heutzutage geht es beim Gesamtzuchtwert der Kühe zu 44 Prozent um die Verbesserung der Fitness, der Tiergesundheit, der Langlebigkeit, der Fruchtbarkeit. Diese Kriterien spielen heute eine deutlich größere Rolle als früher.

Zurück auf dem Hof der Mayrs in Unterpeiching, wo es heute keine Kühe mehr gibt und der Schwerpunkt stattdessen auf dem Anbau von Kartoffeln liegt. Trotz aller Unterschiede in der Ausbildung der Landwirte früher und heute haben Vater und Sohn sich nicht nur arrangiert, sondern profitieren sogar voneinander. Der Junior hat die frische Ausbildung, der Vater die Erfahrung.

Jeder Standort, jede Maschine, jede Kultur sei unterschiedlich, sagt Simon Mayr, der Junior. Es müsse immer ein Zusammenspiel sein zwischen dem, was man lernt, und den Erfahrungen, die da sind. "Da muss man dann eben den besten Mittelweg finden."

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