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Skisprungstar Sven Hannawald im Gespräch mit dem AOK-Direktor für Würzburg und Aschaffenburg, Alexander Pröbstl.

Bildrechte: Conny Kleinschroth / BR
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Auftakt in Ochsenfurt: Sven Hannawald spricht über Burnout

Skispringer Sven Hannawald hat alles erreicht im Sport: Olympiasieg, den Grand Slam bei der Vierschanzentournee, Weltmeister – bis ein Burnout seiner Karriere ein Ende setzte. Heute ist er Botschafter für psychische Gesundheit und berät Unternehmen.

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Conny KleinschrothConny Kleinschroth
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Ganz entspannt schlendert Sven Hannawald über die Terrasse eines Restaurants in Ochsenfurt zum Interviewtermin. Seit halb sieben in der Früh ist der Olympiasieger und Sieger der Vierschanzentournee schon unterwegs. "Ganz normale Zeit," nickt er, und lässt sich in einen Liegestuhl fallen. Im Moment ist er als Botschafter für psychische Gesundheit für eine Krankenkasse zum Thema "Betriebliches Gesundheitsmanagement" unterwegs. Ein wichtiges Thema, denn die Zahl der Menschen mit psychischen Erkrankungen steigt rasant.

Psychische Erkrankung führt häufig zu Arbeitsunfähigkeit

17 Millionen Menschen pro Jahr lassen sich in Deutschland laut AOK wegen einer psychischen Erkrankung behandeln. Allein in Bayern ist es der dritthäufigste Grund für eine Arbeitsunfähigkeit, zeigt der aktuelle Fehlzeiten-Report der AOK. Derzeit tourt die Krankenkasse mit der Veranstaltungsreihe "BGM (betriebliches Gesundheitsmanagement) im Dialog" durch Bayern. Als Betroffener und Unternehmensberater zum Thema "psychische Gesundheit" begleitet Sven Hannawald die Tour.

Botschafter für psychische Gesundheit

Seit August 2021 ist der vierfache Weltmeister im Skispringen Botschafter für die Krankenkasse zum Thema "betriebliches Gesundheitsmanagement". Die erste von neun Stationen war in Ochsenfurt im Landkreis Würzburg. Als Betroffener hat Sven Hannwald kein Problem damit, über Burnout zu sprechen: Er versuche das Bewusstsein, die Augen wieder zu öffnen, den Leuten, die es betrifft auch den Mut mitzugeben, dass sie was für sich tun. "Auch wenn es bedeuten sollte in die Klinik, dann eben in Klinik, weil es für mich auch die einzige – im Nachhinein – gute Rettung war für mein restliches Leben", sagt Sven Hannawald im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk.

Karriereende wegen Burnout

Der ehemalige Profisportler litt jahrelang unter Magersucht, beendete seine erfolgreiche Skisprungkarriere wegen eines schweren Burnouts. Erst seine große Leidenschaft, der Rennsport, half ihm wieder zurück in die Spur. Jetzt möchte er das Thema in die Öffentlichkeit bringen und enttabuisieren. Alexander Pröbstl, Direktor der AOK Würzburg-Aschaffenburg, ergänzt: Man könne in der Gesellschaft ganz leicht über einen Bandscheibenvorfall sprechen. Aber das Thema Burnout habe immer noch einen Makel und genau darum gehe es mit der Veranstaltungsreihe: "Wir wollen diesen Makel beiseiteschaffen, wir wollen, dass offen über dieses Thema diskutiert werden kann und das Thema ist mittlerweile im Fokus", so Pröbstl.

Burnout: vom Tabu-Thema zur Volkskrankheit

Dass psychische Erschöpfung keine Randerscheinung mehr ist, zeigt der Fehlzeiten-Report 2021 der AOK: Bundesweit folgen in der Arbeitsunfähigkeit nach den Muskel- und Skeletterkrankungen an zweiter Stelle die psychischen Erkrankungen. In Bayern liegt der Wert an dritter Stelle knapp hinter den Verletzungen.

Allein in den letzten zwölf Jahren sind hier die psychischen Erkrankungen und die damit verbundenen Fehltage um 56 Prozent gestiegen. Sven Hannawald sieht da auch die Veränderungen des modernen Lebens als Ursache. Dinge, die unser Leben vermeintlich einfacher machen, halten uns auch in Dauerfokus: "Speziell was das Internet angeht, was Social Media angeht, was die Arbeit im Büro angeht, wo man auch ständig erreichbar ist. Da findet man den Abstand einfach nicht mehr", so Sven Hannawald.

Mehr psychische Erkrankungen durch Corona

Die Corona-Pandemie, das Arbeiten im Home Office, und die ständige Erreichbarkeit haben diese Entwicklung noch einmal verstärkt: Von Januar bis April 2022 haben sich im Vergleichszeitraum zum Vorjahr sowohl die Häufigkeit als auch die Dauer der Krankmeldungen aus psychischen Gründen um jeweils knapp zehn Prozent erhöht. Zudem sind psychische Erkrankungen langwieriger: im Jahr 2020 dauerten sie im Schnitt 30,3 Tage – das ist mehr als doppelt so lang wie bei anderen Erkrankungen. Da sind es im Schnitt 13,8 Tage.

Betriebliches Gesundheitsmanagement wird wichtiger

Nicht zu unterschätzen ist dabei der betriebswirtschaftliche Faktor, denn kranke Mitarbeiter mit langen Fehlzeiten kosten die Unternehmen viel Geld und verursachen hohe Leistungseinbußen. Deshalb sei es gerade für Unternehmen wichtig, ein betriebliches Gesundheitsmanagement zu etablieren, also betriebliche Prozesse und Strukturen, wie Arbeitszeiten, Arbeitsplätze und Arbeitsintensität zu analysieren und anzupassen, heißt es von der AOK.

Zeitdruck, Störungen oder Unterbrechungen bei der Arbeit, widersprüchliche oder unklare Informationen zur Arbeitsaufgabe können in die Überlastung führen. Auch zu wenig Wertschätzung für die erbrachte Leistung kann zu psychischen Belastungen und letztlich auch zur körperlichen Erkrankung führen, wenn nichts dagegen unternommen wird.

Pausen einlegen für die Gesundheit

Für Arbeitnehmer gilt es unter anderem genügend Pausen einzulegen, sich einen Tagesplan zurechtzulegen und Aufgaben zu priorisieren. "Mir fällt es einfach, klar Nein zu sagen, weil ich leider schon Burnout hatte und ich da definitiv nie wieder hinmöchte", sagt Sven Hannawald. Auch deswegen besteht Sven Hannawald auf seine wohlverdiente Pause zwischen den Terminen.

Seit 2020 ist der ehemalige Profisportler Botschafter für die Offensive Psychische Gesundheit der Bundesregierung. Als Unternehmensberater hat sich Hannawald auf dem Gebiet bereits 2016 selbständig gemacht.

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