Franken - Zeitgeschichte


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Flugpionier Deutsches Museum will Weißkopf nicht anerkennen

Die Fachzeitschrift Jane's und der Historiker John Brown sehen Gustav Weißkopf als ersten Motorflieger der Geschichte. Das Deutsche Museum in München will die Beweise dagegen nicht anerkennen.

Stand: 12.03.2013 | Archiv

Der Kurator für historische Luftfahrt am Deutschen Museum, Hans Holzer, ist nicht überzeugt. Das Foto, das Brown als Beweis für Weißkopfs Flug heranzieht, sei kein Original, sondern computergeneriert, sagte er im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk.

"Man hat dann doch Zweifel, ob so ein kleines Bild, das im Original in einer Ausstellung 1906 in New York gezeigt wurde, herangezoomt werden kann, um so eine authentische und beweisfähige Fotografie zu bekommen."

Hans Holzer, Deutsches Museum München

"Der Täter ist überführt"

Diesen Einwand lässt Brown nicht gelten. Schließlich gebe es neben dem Foto mehrere schriftliche Augenzeugenberichte sowie zahlreiche Zeitungsartikel, die den Flug bestätigen. "Wenn es vor Gericht 17 Zeugenaussagen unter Eid gäbe", so Brown gegenüber dem BR, "und dazu ein Foto, wenn auch ein verschwommenes, von der Tat, dann ist der Täter überführt."

"In diesem Fall ist der Täter Gustav Weißkopf, der zwei Jahre vor den Brüdern Wright den ersten Motorflug gemacht hat."

John Brown, Luftfahrt-Historiker

Zwischen dem Bau eines Flugapparates und Zeitungsartikeln auf der einen und dem wirklichen Flug auf der anderen Seite bestehe immer noch ein Unterschied, gibt Kurator Holzer zurück.

Bei Betrachtung der Beweislage gebe es erhebliche Zweifel, dass Weißkopf mit seinem Flieger Nr. 21 jemals geflogen ist.

"Es reicht nicht, vorne einen Motor mit Propeller zu haben und Tragflächen für den Auftrieb, es muss auch steuerbar und stabil sein."

Hans Holzer, Deutsches Museum München

Gleichzeitig definiert Holzer den Begriff des Flugpioniers nicht mit dem bloßen Abheben, sondern auch mit der Kontrolle über den Flug und die Steuerbarkeit des Fluggerätes. Das sei die große Herausforderung und deshalb auch das große Verdienst der Wrights, so Holzer. Bei Weißkopf sei diese Thematik völlig außen vor. Das ist der Knackpunkt in der Diskussion, die seit Jahrzehnten geführt wird. Die jüngsten Erkenntnisse seinen nicht der letzte Schlussstein für die Theorie der Weißkopf-Unterstützer.

Minister für Museumserweiterung

Hintergrund: Hans Holzer

Holzer ist beim Deutschen Museum in München für die Ausstellungen zu den Flugpionieren und den Gebrüdern Wright verantwortlich. Neben zahlreichen Aufsätzen zum Thema hat er jeweils ein Buch zu den Wrights und zu Gustav Weißkopf geschrieben. Im Deutschen Museum ist der Luftfahrtpionier Weißkopf nach Angaben von Holzer mit einer Texttafel und einem Foto vertreten.

Bei allen Zweifeln aus München: Bayerns Innenminister Joachim Herrmann scheint von den Argumenten der Weißkopf-Befürworter überzeugt. Es werde immer klarer, dass Weißkopf Luftfahrtgeschichte geschrieben habe, so der Minister. Nun will er die Pläne für ein "Deutsches Flugpioniermuseum" in Leutershausen "mit allem Nachdruck" unterstützen. Bereits im Januar hatte der Innenminister signalisiert, dass eine staatliche Förderung für eine Museumserweiterung in Weißkopfs Geburtsort grundsätzlich möglich sei. Die Stadt Leutershausen will das bisherige Museum generalsanieren und die Ausstellung zu Weißkopf neu gestalten.


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