Franken - Zeitgeschichte


9

Foto-Jagd War Weißkopf doch der Erste?

Ist Gustav Weißkopf also vor den Wrights geflogen? Klare Sache – zumindest wenn es nach dem Fluggeschichtsexperten John Brown geht. Er hat bei seinen Recherchen eindeutige Belege dafür.

Stand: 08.03.2013 | Archiv

Weißkopf mit seinem Gleiter No. 21 | Bild: Deutsches Flugpioniermuseum Gustav Weißkopf Leutershausen

Gustav Weißkopf und der Bridgeport Herald, der als erste Zeitung von Weißkopfs Erfolg berichtete, haben den Flug der Nummer 21 nur erfunden. Das behaupten Weißkopf-Kritiker noch lange nach seinem Flug am 14. August 1901 und suchten dafür nach Indizien. Ihr stärkstes Argument: Es gibt kein Foto, das Weißkopfs Maschine in der Luft zeigt. Es existiert lediglich eine Lithografie des Fotos, also ein Abzug, den ein Künstler per Hand angefertigt hat.

Lithografie statt Photoshop

Anfang des 20. Jahrhunderts waren Lithografien in Zeitungen weit verbreitet. Ein Foto abzudrucken war sehr teuer und kompliziert, weshalb viele Zeitungen lieber auf Lithografien zurückgriffen. In einer Zeit ohne Photoshop war die Lithografie außerdem die einzige Methode, nachträglich Verbesserungen oder Änderungen am Bild vorzunehmen. Das war auch oft nötig, weil die Kameras damals sehr empfindlich auf äußere Bedingungen reagierten und die Bildqualität darunter litt.

Auf der Spur des Fotos

Lithographie des Flugs vom 14. August 1901

Obwohl die Existenz der Lithografie unbestritten ist, nutzen Kritiker das Fehlen des Originalfotos, um die Zweifel an Weißkopfs Flug zu schüren. Das könnte nun vorbei sein. Bei seinen Recherchen ist der Fluggeschichtsexperte John Brown auf die Spur des Fotos gestoßen – nämlich im Buch "A Dream of Wings" des Historikers Thomas Crouch von 1981. Ein Bild darin zeigt die Ausstellung des Aero Club of America 1906 in New York. Im Hintergrund hängen einige Bilder an der Wand, die mit moderner Computertechnik als Bilder von Weißkopfs Flugzeug Nummer 21 identifiziert werden konnten.

Indiziensuche

Doch nicht alle Bilder sind klar zu sehen. Und die, die erkennbar sind, zeigen das Flugzeug lediglich am Boden. Ein Artikel der renommierten Zeitschrift Scientific American vom 27. Januar 1906 über eben jene Ausstellung beschreibt jedoch ein verschwommenes Foto von Weißkopfs Maschine im Flug. Nach Ausschluss der Bilder, die klar erkennbar sind und die das Flugzeug am Boden zeigen, bleiben schließlich nur zwei übrig, bei denen es sich um das gesuchte Foto handeln könnte. Das Eine ist zu stark verschwommen, um etwas erkennen zu können. Das Andere teilt einige Charakteristika mit der Lithografie des Bridgeport Herald: die gleiche Horizontlinie, die gleiche Höhe des Flugobjekts, den Zaunpfahl in der rechten unteren Ecke. Könnte es das verschollene Foto sein? John Brown sagt: Ja, das ist es.

Webtipp

Eine Detailanalyse des Fotos finden Sie auf der Homepage, die John Brown Gustav Weißkopf und seinen Errungenschaften gewidmet hat.

Wer ist eigentlich John Brown?

Aviationsexperte John Brown

John Brown wurde in Australien geboren. Die High School absolvierte er in Chicago. Danach machte er einen Abschluss am New York Institute of Photography und erwarb 1984 seinen Berufspiloten- und Fluglehrer-Schein von der US-Luftfahrt-Behörde.

Im Mai 2012 hat er seine Recherche über Gustav Weißkopfs ersten Flug begonnen. Derzeit arbeitet er für einen deutschen Flugzeughersteller.


9