BR Fernsehen - Sehen statt Hören


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Jahresrückblick Das war das Jahr 2021

Sehen statt Hören hatte 2021 viel zu berichten: In der Welt der Gehörlosen gab es auch in diesem Jahr wieder viele bewegende Themen. Auf einige Geschichten blickt Sehen statt Hören-Moderator Kilian Knörzer noch einmal zurück.

Author: Stefan Brainbauer (Film)

Published at: 16-12-2021

Wir von Sehen statt Hören verfolgen vieles, was so geschieht, und würden gerne noch mehr Ereignisse festhalten. Aber unsere Kameras können nicht überall dabei sein. Also versuchen wir für euch besondere Momente einzufangen: Emotionen, Spannung, Humorvolles und Informatives, wichtige politische Ereignisse, Überraschendes und Gänsehautmomente.

Sehen statt Hören-Moderatur Kilian Knörzer, dahinter Bilder des jungen Uli Hase

In diesem Frühjahr war ein solcher Moment, als einer der ganz Großen in Ruhestand gegangen. Uli Hase! 47 Jahre lang hat er für hörbehinderte Menschen gekämpft und viele Türen aufgestoßen. Als Präsident des Deutschen Gehörlosenbundes hat er die Anerkennung der Gebärdensprache durchgesetzt. Die Gehörlosengemeinschaft wäre heute nicht da, wo sie ist, ohne ihn. Im Jahresrückblick erinnern wir uns noch einmal an seinen letzten Arbeitstag.

Bildung - immer ein wichtiges Thema

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Oktober getagt und sich beraten. Ergebnis dieser Beratung war eine Empfehlung zur Deutschen Gebärdensprache als Wahlpflichtfach.

Prof. Christian Rathmann (li.) im Gespräch mit Sehen statt Hören-Moderator Kilian Knörzer

"Die Empfehlung der Kultusministerkonferenz ist ein großer Fortschritt auf dem Weg zur Anerkennung der DGS als Sprache im Bildungswesen. Bisher gab es so etwas, festgehalten in einem offiziellen Dokument noch überhaupt nicht – mit Ausnahme einzelner Bundesländer wie Hamburg, Berlin und Brandenburg. Endlich gibt es jetzt diese Empfehlung der KMK, die damit die Deutsche Gebärdensprache in alle Bundesländer trägt. Das ist wirklich ein toller Fortschritt. Aber die Arbeit ist damit natürlich noch nicht getan, denn jetzt gilt es den Prozess der Umsetzung dieser Empfehlung genau zu beobachten und zu begleiten."

Prof. Christian Rathmann

Ob die KMK-Empfehlung für DGS als Wahl-/Pflichtfach wirklich ein so toller Erfolg ist, hinterfragen wir in der Sendung am 15. Januar 2022.

Ganz allgemein muss sich für gehörlose Kinder in der Bildung immer noch sehr viel tun, das ist klar. Seit ein paar Jahren gibt es einen "Bildungskongress", auf dem sich Experten, Lehrer und Eltern intensiv austauschen. Wegen Corona wurde 2020 der Bildungskongress verschoben. 2021 fand er digital statt, auch darauf blicken wir noch einmal zurück:

"Bimodale-Bilinguale Konzepte müssen in allen Bereichen der Bildung etabliert werden. Von der Frühförderung über die Berufsausbildung bis hin zur Erwachsenenbildung. Das gilt auch für die Deaf-Studies-Forschung. Deshalb geht es beim Motto des 4. Bildungskongresses auch um das 'voranbringen' der bimodalen-bilingualen Bildung."

Helmut Vogel

Laut- und Gebärdensprache in einem Klassenzimmer - also bilingualer Unterricht ist ein Ziel. Ein anderes ist, dass gehörlose und hörende Kinder gemeinsam in derselben Klasse lernen können. - So wie in der Erfurter Inklusionsschule. In unserem Beitrag hat uns Amelie gesagt, weshalb ihr das Konzept mit ihrer tauben Lehrerin beim Lernen hilft:

"Ich finde es mit Dolmetschern nicht so gut. Es ist mühsam, wenn man heute etwas lernt, weil es erklärt wurde und man verstanden hat, dann aber am nächsten Tag wieder ein anderer Dolmetscher weiter macht, der nicht weiß, worum es geht, so dass man ihm das erst erklären muss. Ist es dann immer noch nicht klar, müssen wir die Lehrerin bitten, nochmal zu wiederholen. Ich will, dass Frau Göbel, die in Elternzeit ist, bald wiederkommt!!! Sie kann gut gebärden und erklären und ist immer auf dem aktuellen Stand. Sie weiß gut Bescheid!"

Und ihr Klassenkamerad Maximilian findet: "Hier kann man sich Freunde suchen, die auch gehörlos sind."

Momentan fehlen noch genügend Lehrkräfte für dieses Schulmodell. Vielleicht gelingt es, dass sich die Ministerien für den Einsatz von Quereinsteigern öffnen. Denn DGS Dozenten gibt es mittlerweile reichlich, es fehlt ihnen aber oft an der staatlichen Anerkennung.

Notruf-App ist da

Schon lange warten gehörlose und schwerhörige Menschen auf eine Möglichkeit, barrierefrei einen Notruf absetzen zu können – und wurden immer wieder vertröstet. Das ging über 10 Jahre so. Dieses Jahr im Frühling sollte es dann endlich soweit sein. Dann wurde der Start auf den Sommer verschoben. Letztlich kam die App erst im Herbst in die App-Stores. Unsere neue Kollegin Iris hatte sich die App vorher schon genauer angesehen.

Was macht Corona mit Kunst und Kultur der Gehörlosen?

Für die Gehörlosengemeinschaft ist Kultur kein Luxus, sondern überlebenswichtig. Wir sind eine Sprachgemeinschaft, aber ganz besonders eine Kulturgemeinschaft. Und auch dieses Jahr hat es uns hart getroffen. Viele Künstlerinnen und Künstler haben Sehen statt Hören berichtet, wie es ihnen ergangen ist. Zudem wurden wieder alle wichtigen Kulturveranstaltungen verschoben.

Umso großer war die Freude, dass das Gehörlosensportfest dann doch stattfinden konnte: im August. Und auch die erste inklusive Regatta auf der Kieler Woche konnten wir begleiten.

Unsere Rubriken

Wie jedes Jahr haben wir aber auch abseits der großen Events Menschen nah kennen gelernt, wie Jannis Oppermann oder Bruno. Wir haben für Kinder gebärdensprachliche Sendungen erstellt, zum Beispiel über Ostern oder den Klimawandel. Und auch unsere Rubrik Sport weiter befüllt: mit einem Beitrag über Skyrunning.

Ein gesundes neues Jahr!

Auf der Schwelle zum neuen Jahr blicken wir aber nicht nur zurück, sondern auch nach vorn. Unsere Sehen statt Hören-Moderatorinnen und -Moderatoren haben schon neue Ideen und arbeiten bereits an Projekten, die sie euch 2022 zeigen möchten.

Ehe wir damit wieder richtig loslegen, möchten wir uns bei euch bedanken - für's Einschalten und Mitmachen - und euch allen ein glückliches, vor allem ein gesundes neues Jahr wünschen!


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