Kultur - Religion


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Themen der Synode Sex auf katholisch

Familie, das geht nicht ohne Sex. Da sind sich die katholischen Bischöfe einig. Sex ohne Familie - da aber wird es dann schwierig. Ein Überblick über katholisches Bettgeflüster

Stand: 05.10.2014

Füße eines Liebespaares im Bett | Bild: BR, colourbox.com; Montage: BR

Es ist das Jahr 1968. Die Antibabypille ist seit acht Jahren auf dem Markt. Hippies auf der ganzen Welt propagieren die freie Liebe. Und in der katholischen Kirche entsteht die Enzyklika "Humane Vitae" - ein Lehrschreiben, das jegliche künstliche Empfängnisverhütung ablehnt.

Nein zu Kondomen, nein zur Pille

Konkret sagt die Enzyklika Nein zu sämtlichen Formen der künstlichen Empfängnisverhütung wie zu Kondomen oder zur Pille und sieht nur natürliche Methoden der Verhütung wie die Temperatur- oder Zyklusmethode als moralisch vertretbar an. Mit scharfen Worten warnt das Lehrschreiben, dass künstliche Formen der Verhütung zu vielfacher ehelicher Untreue führen würden, und dass sie letztlich dazu beitragen könnten, die Frau zum Sexualobjekt zu degradieren. Das Schreiben verhallte nicht ungehört - auch unter kirchentreuen Katholiken wuchs in der Folge die Distanz zur kirchlichen Sexualethik. Die deutschen Bischöfe reagierten Ende August 1968 mit einer "Königsteiner Erklärung" auf das päpstliche Rundschreiben. In dem Dokument widersprachen sie der Enzyklika nicht explizit, versuchten aber, pastorale Hilfen zu geben und die persönliche Gewissensentscheidung der Eheleute zu respektieren. 2008 bekräftigte Papst Benedikt XVI. zum Jahrestag der Enzyklika die Ablehnung von künstlicher Empfängnisverhütung durch die katholische Kirche.

"Ehe und eheliche Liebe sind ihrem Wesen nach auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft ausgerichtet. Kinder sind gewiß die vorzüglichste Gabe für die Ehe und tragen zum Wohl der Eltern selbst sehr bei."

Humane Vitae, 1968

Jein zur "Pille danach"

Auf ihrer Frühjahrsvollversammlung 2013 beschlossen die deutschen Bischöfe, die "Pille danach" dürfe verordnet werden - wenn sie eine Befruchtung verhindert und nicht der Abtreibung dient. Hintergrund war der Fall einer jungen vergewaltigten Frau, der in zwei katholischen Krankenhäusern in Köln eine Behandlung verweigert worden war, weil diese mit der Verabreichung der "Pille danach" verbunden gewesen wäre. Der Kurswechsel in der katholischen Kirche bei der "Pille danach" sei möglich geworden, weil neue Präparate mit anderen Wirkweisen auf den Markt gekommen seien, teilte die Bischofskonferenz mit.

Nein zu Abtreibung

Abtreibung

Schild der katholischen Schwangerenberatungsstelle Donum Vitae in Paderborn | Bild: picture-alliance/dpa zum Artikel Donum Vitae Zankapfel Schwangerenkonfliktberatung

Nach dem Ausstieg der katholischen Kirche aus der staatlichen Schwangerenberatung 1999 gründeten katholische Laien den Verein "Donum Vitae", "Geschenk des Lebens". Doch die Kirchenleitung steht dem Verein weiter kritisch gegenüber. [mehr]


Messdiener und Gläubige bei der Lesung | Bild: BR zum Artikel Bayern2-Extra Live vom 99. Katholikentag

Schwangerenkonfliktberatung, wiederverheiratete Geschiedene, die Kirche und das Geld - Dauerkonflikthemen der katholischen Kirche. Bayern2 sendet live vom 99. Katholikentag in Regensburg. Eine Sendung über Streitbares und Schönes [mehr]


Im Vorfeld vom Katholikentag gab es Diksussionen, ob Donum Vitae einen Stand betreiben darf | Bild: dpa-Bildfunk zum Artikel Schwangerschaftsberatung Darf ein Katholik eine Abtreibung ermöglichen?

Zum ersten Mal diskutierte Donum Vitae auf dem Katholikentag. Der katholische Verein stellt Schwangeren Beratungsscheine aus, die eine straffreie Abtreibung ermöglichen. Gegner und Befürworter diskutierten kontrovers. [mehr]


Maria Eichhorn | Bild: BR zum Artikel Vorsitzende Donum Vitae Bayern Eichhorn, Maria

Maria Eichhorn war fast 20 Jahre lang Bundestagsabgeordnete, sie begleitete aktiv die Reform des Abtreibungsrechts und setzt sich weiter für die Schwangerenkonfliktberatung ein. Damit handelt sie gegen die kirchliche Hierarchie, aber für ihre christliche Überzeugung. [mehr]

"Wir haben abgetrieben" titelt der Stern 1971 und tritt damit für die Liberalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen ein. In der katholischen Kirche in Deutschland sorgt das Thema Abtreibung Ende der 90er Jahre für einen bis heute schwelenden Konflikt. 1997 spricht Papst Johannes Paul II. von dem deutschen Abtreibungsrecht als einem "Anschlag auf die Würde des Menschen". 1998 zwingt Papst Johannes Paul II. die deutschen Bischöfe dazu, in kirchlichen Beratungsstellen nicht mehr den für eine Abtreibung notwendigen Beratungsschein auszustellen. In der Folge steigt die Kirche aus der Schwangerenkonfliktberatung aus. Aber katholische Laien gründen den Verein Donum Vitae, der weiterhin die für eine Abtreibung notwendigen Scheine ausstellt.

In einem Aufsehen erregenden Interview in der Jesuitenzeitschrift "Stimmen der Zeit" warb Papst Franziskus um Gnade für Frauen, die eine Abtreibung hinter sich hätten und wahre Reue zeigten.


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