Katholikentag


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Schwangerschaftsberatung Darf ein Katholik eine Abtreibung ermöglichen?

Leben schützen - das wollen im Streit um die Schwangerenkonflikberatung alle.

Von: Benedikt Angemeier

Stand: 30.05.2014 | Archiv

Im Vorfeld vom Katholikentag gab es Diksussionen, ob Donum Vitae einen Stand betreiben darf | Bild: dpa-Bildfunk

Doch die Gemüter erhitzen sich bei dem Thema, ob ein Katholik einen Beratungsschein ausstellen darf, um eine Abtreibung straffrei zu ermöglichen. Befürworter und Gegner trafen sich zum ersten Mal auf einem Katholikentags-Podium. Die Veranstaltung war erst nach längerem Ringen zwischen dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) und dem Bistum Regensburg zustande gekommen.

Ein Katholik darf keine "Lizenz zum Töten" ausstellen

Sachlich sollte die Diskussion ablaufen, doch beim Thema Abtreibung konnte kein Teilnehmer seine Emotionen gänzlich zügeln. "Durch die Bescheinigung wird eine Straftat zu einer medizinischen Dienstleistung", stellte der katholische Osnabrücker Sozialethiker Manfred Spieker seine Meinung klar. Der Schein sei ein "Passierschein ins tödliche Elend für das Kind und oft auch ins psychische Elend für die Frau". Alexandra Linder von der Aktion Lebensrecht betonte, dass eine katholische Beratung dies nicht ermöglichen dürfe.

Das ungeborene Leben lässt sich nur mit der Mutter retten

Demgegenüber verteidigte die bayerische Landtagspräsidentin Barbara Stamm (CSU) die Arbeit der Schwangerenberatung von „Donum Vitae“. Um das Kind zu retten müsse man zuerst die Mutter beraten können. Dies gehe aber nur, wenn der Ausgang offen sei. Außerdem prangerte Stamm das Verbot für Kirchenmitarbeiter an, die sich nicht in dem Verein engagieren dürfen: "Ich will nicht, dass meine Kirche diese Mitglieder ausschließt, die ehrenamtlich bei Donum Vitae arbeiten." Den Vorwurf, dass Mütter Beratungsscheine nach nur zehn Minuten Beratung bekommen würden, wies Doris Schiller von Donum Vitae aus Regensburg zurück. Ein Gespräch dauere immer 90 Minuten.

Donum Vitae

In Deutschland ist der Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Schwangerschaftswoche, nach einer Beratung und einer Bedenkzeit von drei Tagen straffrei. Der Verein "Donum Vitae" (Geschenk des Lebens) war 1999 gegründet worden, nachdem die katholische Kirche aus dem staatlichen Beratungssystem ausgestiegen war. "Donum Vitae" stellt auch Beratungsscheine aus, die für eine Abtreibung notwendig sind. Unterstützern des Vereins wurde nahegelegt, keine kirchlichen Ämter zu übernehmen. Kirchenmitarbeiter dürfen sich nicht für den Verein engagieren.

Keine Einigung beim Beratungskonzept

Die Geschäftsführerin von European Dignity Watch, Sophia Kuby, hält das deutsche Beratungskonzept für gescheitert. "Wenn ich einen Schein ausstelle, sage ich, es gibt eine Alternative zum Leben." Hingegen argumentierte der Frankfurter Moraltheologe Josef Schuster: "Das Strafgesetzbuch verhindert keine Abtreibung." Schuster sprach sich für eine Dokumentation der Pflichtberatungen aus. Damit würde den katholischen Beratern attestiert, "dass eine Beratung zum Leben stattgefunden hat".

Neue Perspektiven angeregt

Vom Podium aus wurden aber auch mehrere gemeinsame Aktionen angeregt, etwa eine Beteiligung von "Donum Vitae"-Mitgliedern am jährlichen Berliner "Marsch für das Leben" und ein Appell an den Gesetzgeber, die seit 1995 geltende Beratungspflicht zu evaluieren. Eine Anregung und Perspektive, die am Ende doch überraschte. Ob Donum Vitae 2016 in Leipzig wieder vertreten sein wird, ist noch offen. Das große Interesse an dem Thema spricht jedoch eindeutig dafür.


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