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Wildbienen Warum Wildbienen für uns so wichtig sind

Rund 580 Wildbienenarten leben in Deutschland. Sie liefern zwar keinen Honig, dafür bestäuben einige Wildbienenarten viel mehr Pflanzen als die herkömmliche Honigbiene. Was Wildbienen für uns tun und warum sie in Gefahr sind.

Stand: 22.03.2019

Hummel fliegt zu Lavendel | Bild: mauritius-images

Eine Wildbiene zu erkennen ist gar nicht so einfach, denn hinter dem Begriff "Wildbiene" verstecken sich über 500 verschiedene Bienen. Sie sind klein, groß, rot, gelb, schwarz oder braun. Manche tragen einen Pelz, andere sind ganz unbehaart. Viele Wildbienen sehen aus wie Wespen, andere wie Fliegen. Gerade, weil es so schwer ist, eine Wildbiene zu erkennen und sie zu bestimmen, sollten Sie genau hinsehen, welches Insekt Ihnen gerade begegnet.

Wo leben Wildbienen?

Die meisten Wildbienenarten sind Einzelgänger. Rund 480 der 580 Arten leben alleine, also solitär. Sie versorgen ihre Brut ohne die Hilfe ihrer Artgenossen. Es gibt keine Arbeitsteilung und auch kein Speichern von Vorräten.

Eine Wildbienenkönigin lebt nur vier bis acht Wochen. Im Frühjahr sucht sie sich ein Nest in Pflanzenstängeln, kleinen Ritzen im Holz, in Baumrinden, Lehmböden, Hecken, Reisig, Sandwegen oder sogar in leeren Schneckenhäusern. Nachdem die Königin 4 - 30 Zellen abgelegt hat, geht sie auf Nahrungssuche, um ihre Brut zu versorgen. Sie füllt die Zellen mit etwas Proviant aus Pollen und Nektar und verschließt sie dann. Dabei wird zuerst eine Zelle fertiggestellt, bevor mit der nächsten begonnen wird. Nach 3 - 4 Wochen verpuppen sich die Larven. Normalerweise stirbt die Königin, bevor die ersten Jungbienen schlüpfen. Aus einem Teil der Zellen schlüpfen Arbeiterbienen, aus anderen männliche Drohnen und aus wenigen Eiern werden neue Königinnen. Alle Bienen verlassen das Nest und schwärmen aus. Die Drohnen begatten die Königinnen, die sich dann ein sicheres Winterquartier suchen. Im Herbst sterben die Drohnen und auch alle anderen Bienen. Nur die neuen Königinnen überleben den Winter.

Neben den solitär lebenden Bienen gibt es auch sogenannte Kuckucksbienen unter den Wildbienen. Diese Arten legen ihre Eier in fremde Nester und überlassen die Brutvorsorge der Wirtsbiene. Nur 43 Hummelarten und rund 50 Furchen- und Schmalbienenarten haben eine soziale Lebensweise und gründen Staaten.

Wildbienen vs. Honigbienen

Wussten Sie, dass für die Bestäubung eines Hektars mit Obstbäumen ein bis zweieinhalb Honigbienenvölker -  also über 10.000 Honigbienen - notwendig sind? Die selbe Anzahl an Bäumen kann aber auch von nur 530 nistenden Weibchen der gehörnten Mauerbiene in der gleichen Zeit bestäubt werden. Grund: Wildbienen sind also viel effektivere Bestäuber als Honigbienen.

"Bei Obstbäumen kann man mit Wildbienen rund ein Drittel mehr Ertrag ernten. Auch bei Raps und Sonnenblumen hat man mit Wildbienen mehr Ertrag, auch, wenn gleichzeitig noch Honigbienen fliegen."

Dr. Andreas Fleischmann, Botanische Staatssammlung München

Wenn Honigbienen Pollen sammeln, dann wird dieser etwas nass. Nur so bleibt er am so genannten "Höschen" der Bienen kleben. Das Problem: Nasser Pollen keimt nicht mehr aus und ist deshalb für die Bestäubung verloren. Im Gegensatz dazu sammeln die allermeisten Wildbienen den Pollen trocken. Außerdem sammelt eine Honigbiene pro Flug entweder Pollen oder Nektar. Wildienenweibchen hingegen sammeln immer beides, bleiben also länger auf den Blüten sitzen als eine Honigbiene.

Wildbienen können weit früher im Jahr fliegen. Vor allem die Arten mit Pelz fliegen schon im Februar oder März bei Temperaturen bis zu zwei Grad los und bestäuben die frühblühenden Pflanzen. Der größte Unterschied ist jedoch, dass Honigbienen nur einen kleinen Teil der heimischen Pflanzenarten bestäuben können. Viele Pflanzenarten, wie Schmetterlingsblütler oder Nachtschattengewächse werden von anderen Insekten wie zum Beispiel Wildbienen bestäubt.

Faszinierend ist auch, dass Wildbienen Blüten anfliegen können, die die Honigbienen oder andere Wildbienenarten auf Grund ihres Körperbaus nicht erreichen. Dazu gehören zum Beispiel Blüten mit Nektar in tiefen Kronröhren, wie zum Beispiel Rotklee, Eisenhut und Rittersporn. Hummeln zum Beispiel sind die einzigen Wildbienen, die Tomatenpflanzen bestäuben können. Die Pollen der Tomatenblüte sitzen gut verschlossen in den länglichen Staubbeuteln. Damit er herauskommt, muss die Blüte kräftig geschüttelt werden. Die Hummeln krallen und beißen sich an den Staubgefäßen fest und lassen ihre Flugmuskulatur vibrieren, ohne dabei die Flügel zu bewegen. Diesen Vorgang nennt man "buzzing".  Bei einer ganz bestimmten Frequenz rieseln die Pollen aus den Staubbeuteln heraus.

Das hat leider auch Nachteile für die Wildbiene: Rund ein Drittel aller Wildbienen sind auf Pollen ganz bestimmter Pflanzen angewiesen. Man nennt diese Arten oligolektische Bienenarten.

Stechen Wildbienen?

Nicht alle Wildbienenarten haben einen Stachel. Manche besitzen einen, andere keinen und bei wieder anderen ist der Stachel so weich, dass er die menschliche Haut gar nicht durchbohren kann. Grundsätzlich stechen Wildbienen viel seltener als Honigbienen. Immerhin müssen sie keinen Honig und auch keine Brut verteidigen. Damit eine Wildbiene zusticht, müssen Sie sie direkt bedrohen, zerquetschen oder darauf treten.

Insekt des Jahres 2019 - Rostrote Mauerbiene

Jedes Jahr kürt der Bund Naturschutz (NABU) ein Insekt des Jahres. Mit der Rostroten Mauerbiene wurde zum zweiten Mal eine Wildbiene "Insekt des Jahres" in Deutschland, Österreich und der Schweiz. 

"Wir möchten mit dieser Wahl auch auf das Artensterben der Wildbienen aufmerksam machen – auch, wenn unser Jahresinsekt bisher nicht als gefährdet gilt", begründet Prof. Dr. Thomas Schmitt, Vorsitzender des Auswahl-Kuratoriums die Entscheidung. "Auch wollen wir generell auf die hohe Bedeutung der Bestäubung als Ökosystemdienstleistung hinweisen, die für unsere Nahrungsmittelproduktion äußerst wichtig ist."

Eine Rostrote Mauerbiene

Sie können die rotbraune Mauerbiene an ihrer pelzigen Brust, dem behaarten Kopf und den behaarten Vorderschenkeln erkennen. Die kleinen Tiere sind rostrot und die Weibchen haben auf beiden Seiten kleine vorstehende Hörnchen. Die Mauerbienen bauen ihr Nest in Hohlräumen im Holz, in Lehmwänden, in Ritzen von Fensterrahmen, Schilfrohr und sogar in Türschlössern oder leeren Streichholzschachteln.

Wildbienen sind bedroht

Die Population von Wildbienen ist seit vielen Jahren rückläufig. Laut Landesbund für Vogelschutz ist von den 515 bayerischen Wildbienenarten über die Hälfte bedroht und ein Teil sogar schon ausgestorben. Gründe dafür gibt es viele:

Im Gegensatz zu Honigbienen sind die Wildbienen von natürlichen Umwelteinflüssen bedroht. Bei Honigbienen kümmert sich der Imker um einen geeigneten Nistraum, er füttert zu, wenn die Bienen zu wenig Nahrung finden und bekämpft  Krankheiten und Parasiten. Deshalb ist die Honigbiene weitgehend unabhängig von diesen natürlichen Faktoren geworden. Die Wildbienen sind dem ohne Schutz ausgeliefert. Deshalb sterben manche Populationen einfach aus.

Leider hat die industrielle Landwirtschaft auch eine Mitschuld am Bienensterben. Dünger und Pestizide töten die Wildbienen. Natürlich sind auch Monokulturen und Flächenversiegelung ein großes Problem für die Wildbienen. Sie brauchen ein differenziertes Blütenangebot zum Überleben. Leider gibt es auch immer weniger Sandwege, alte Hecken, Totholz oder Steinhaufen in unseren Wäldern und Feldern. Deshalb sinkt das Nistplatzangebot für Wildbienen immer mehr.

Sie wollen die Bienen unterstützen? Hier lesen Sie, wie Sie Ihren Garten bienenfreundlich gestalten und welche Pflanzen Bienen mögen.


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martina hartl, Donnerstag, 28.März 2019, 08:23 Uhr

1. Insekten

Insekten sind generell wichtig, deshalb find ich es so schade, dass die letzten Wohlfühl-/Überlebensoasen für unsere kleinen fliegenden Erdmitbewohner verschwinden müssen: die Misthaufen, Odelgruben, Jauche/( Odel) Mist auf den Feldern und Wiesen. Was war das für eine Vielfalt auf so einem Haufen, ein Gesummse und geschäftige Unruhe. Muckerl ( Mücken) haben die Wettervorhersage erledigt ( Tiefflüge bei Tiefdruck).
Wiesen waren nicht nur schön anzuschaun, sie waren auch hörbar. Unsere Insekten sind Weltmeister im Aufräumen, dazu hochwertige Nahrung für anderes Getier. Was“ freuten“ sich die Spinnen wenn ihnen so eine fette Misthaufenfliege ins Netz ging. Schade, dass wir alles WEGHYGIENISIEREN.