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Asiatische Hornisse Wenn Sie eine asiatische Hornisse sehen, melden Sie sie bitte

Asiatische Hornissen werden seit einigen Jahren in Deutschland gesichtet. Sind Honigbienen in Gefahr und wie aggressiv reagieren sie auf Menschen? BAYERN 1 Moderatorin Ulla Müller hat mit dem Biologen Rolf Witt gesprochen.

Stand: 14.08.2020 10:06 Uhr | Archiv

Asiatische Hornisse in Nahaufnahme | Bild: mauritius images

Zuallererst mal eine Entwarnung: Die asiatische Hornisse (Vespa velutina) ist nicht gleichzusetzen mit der bis zu 5 Zentimeter großen Asiatischen Riesenhornisse oder Japanischen Hornisse (Vespa mandarinia), die in den USA derzeit als Bienenkiller und als gefährliches Stechinsekt Schrecken verbreitet. Doch auch die asiatische Hornisse tötet Honigbienen. Die EU hat sie als eine der gefährlichsten invasiven Arten auf der Liste stehen.

Die asiatische Hornisse kam von China - wahrscheinlich durch Warenimporte - 2004 zuerst nach Südwestfrankreich. Seit einigen Jahren ist die asiatische Hornisse in Deutschland heimisch. Sie wurde zuerst in Rheinland-Pfalz, dann in Baden-Württemberg, in Hessen und in Hamburg gesichtet. In Bayern sind noch keine Vorkommen bekannt, aber laut Prognosen soll die asiatische Hornisse bald die Grenzen zum Freistaat überfliegen. Derzeit sei sie nur noch 30 bis 40 Kilometer von Unterfranken entfernt, sagte Bienen-Expertin Dr. Nicole Höcherl von der Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Würzburg der Deutschen Presse-Agentur.

Wie sieht die asiatische Hornisse aus?

Der Biologe Rolf Witt, spezialisiert auf Wespen und Wildbienen, beobachtet die asiatische Hornisse seit den ersten Sichtungen in Deutschland.

"Die asiatische Hornisse ist ein bisschen kleiner als die heimische Hornisse und sie hat eine sehr dunkle Färbung. Sie ist vom Kopf bis zum Beginn des Hinterteils schwarz gefärbt. Sie hat eine schmale gelbe Binde und nach hinten ist sie gelb-schwarz gefärbt. Die heimische Hornisse ist gelb-schwarz und der Brustbereich ist rot-braun gefärbt."

Rolf Witt, Biologe

Europäische Hornisse, unsere heimische Hornisse

Die beiden Hornissenarten seien sehr leicht zu unterscheiden. Auch an der Art, wie sie fliegen: "Die asiastischen Hornissen sind rasante Flieger. Sie können in der Luft einen Purzelbaum machen und dabei noch eine Honigbiene fangen - das können heimische Hornissen nicht", so Witt.

Wie gefährlich sind die Stiche der asiatischen Hornisse

Asiatische Hornisse: vorne schwarz, nur hinten gelb-schwarze Ringelung

Rolf Witt beschreibt die asiatischen Hornissen nicht als besonders aggressiv. Auch die heimischen Hornissen sind sehr friedfertig, wenn man sie in Ruhe lässt und ihr Nest nicht erschüttert.

Wird man einmal gestochen, ist der Stich vergleichbar mit dem Stich einer heimischen Hornisse. Das kann nur für Allergiker gefährlich werden.

"Für den gesunden Menschen stellt ein Hornissenstich keine besondere Gefahr dar. Hornissengift ist nicht toxischer als Bienen- oder Wespengift. Der Stich einer Hornisse wird dessen ungeachtet subjektiv als etwas schmerzhafter empfunden als der einer Biene oder einer anderen Wespe. Das liegt zum einen am längeren und stärkeren Stachel der Hornisse, zum anderen an der Giftkomponente Acetylcholin, die im Bienen- und Wespengift fehlt."

Dieter Kosmeier, NABU

Rolf Witt sagt zusammenfassend: "Eine Gefahr für uns Menschen geht von dieser Art nicht aus." Er weist darauf hin, dass Honigbienengift im Tierversuch um den Faktor zehn giftiger ist als Wespengift.

Verdrängt die asiatische Hornisse die streng geschützte heimische Hornisse?

Das Risiko, dass die asiatische Hornisse unsere heimischen Hornissen verdrängt, schätzt Rolf Witt derzeit als gering ein. Es gäbe keine Indidizien dafür. Das liege, so Witt, auch daran, dass die beiden Arten verschiedene Lebensräume besiedeln: "Die asiatische Hornisse legt ihre Nester sehr hoch in Bäumen an und die heimische Hornisse geht in dunkle Hohlräume rein, Baumhöhlen zum Beispiel."

Asiatische Hornisse frisst Honigbienen

Die drei Zentimeter großen asiatischen Hornissen jagen und fressen Fliegen und Käfer, aber hauptsächlich Honigbienen. Die Hornissen belagern Bienenstöcke regelrecht und versuchen auch, in den Stock einzudringen. Imker fürchten die invasive Art. So lange es noch nicht so viele von den asiatischen Hornissen in Deutschland gibt, heißt es nur, wachsam zu sein. Wie sich das auf die Imkerei in Deutschland genau auswirkt, lässt sich noch nicht einschätzen:

"Zwar bringt Vespa velutina aller Voraussicht nach keine essentielle Bedrohung für die europäische Imkerei, die genauen Auswirkungen auf die heimische Tier- und Pflanzenwelt sind jedoch noch nicht abzusehen."

Dr. Melanie von Orlow, Sprecherin der NABU-Arbeitsgemeinschaft der Hymenopteren (Hautflügler)

Ihr Nest bauen die asiatischen Hornissen hoch oben in Bäumen.

Das Würzburger Institut für Bienenkunde und Imkerei des LWG Bayern hat 2017 ein bayernweites Frühwarnsystem ins Leben gerufen - mit bestimmten geschulten Imkern, die genau auf Vorkommen der Hornissenart achten. Im Rahmen des dieses Forschungsprojekts "BeeWarned" werden Daten gesammelt, wann, wo und wie schnell sich das Insekt im Freistaat ausbreiten wird. Wenn Sie eine asiatische Hornisse sehen oder sogar ein Nest hoch oben in einem Baum entdecken, melden Sie das doch bitte - am besten mit Bild, denn die Hornisse wird oft mit anderen fliegenden Insekten verwechselt:

LWG Institut für Bienenkunde und Imkerei
An der Steige 15
97209 Veitshöchheim
Email: IBI@lwg.bayern.de


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