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Sekundenschlaf Tipps gegen Müdigkeit beim Autofahren

Warum werden wir im Auto so schnell schläfrig? Weil das Auto so beruhigend und einlullend vibriert, haben Forscher aus Australien herausgefunden. Die große Gefahr dabei ist, dass wir in Sekundenschlaf fallen und einen Unfall verursachen. Tipps, wie Sie das verhindern.

Stand: 05.08.2019

Autofahrerin gähnt am Steuer eines Autos | Bild: mauritius images

Autos und Autositze vibrieren in einer ganz bestimmten, niedrigen Frequenz und das wirkt auf Autofahrer so beruhigend, dass sie müde und damit unaufmerksam werden. Auch, wenn sie ihre Fahrt ausgeschlafen und gesund antreten. Das Forscherteam um Prof. Stephen Robinson und Prof. Mohammad Fard von der RMIT University Melbourne setzte seine 15 Versuchspersonen vor einen Fahrsimulator. Der Sitz davor war auf einer Plattform angebracht, die wechselweise in verschiedenen Frequenzen vibrierte. Resultat: Die Schläfrigkeit der Probanden stieg zusehends, wenn sie den ständigen Schwingungen eines Autositzes ausgesetzt waren. Und das schon nach einer Viertelstunde Fahrt.

Nach 30 Minuten war die Müdigkeit "signifikant", also deutlich zu bemerken - die Testpersonen hatten Mühe, ihre Konzentration aufrecht zu erhalten. Die Forscher wollen nun weitere Versuchspersonen testen und an einem Autositz arbeiten, der nicht so einschläfernd wirkt.

Lebensgefährlich: Müde hinterm Steuer

Wer müde Auto fährt, macht Fehler und ist in Gefahr, in Sekundenschlaf zu fallen. Wer hinter dem Steuer sogar einschläft, fährt sekundenlang blind und verursacht häufig schwere Unfälle. Fast 1.900 Müdigkeits-Unfälle mit Verletzten und Toten wurden 2016 in Deutschland gezählt. Jeder fünfte Verkehrsunfall ist laut einer Studie müdigkeitsbedingt.

Oft unterschätzen Autofahrer das Risiko und ihren eigenen Zustand: In einer Untersuchung waren rund 30 Prozent der Versuchspersonen übermüdet, aber nur 13 Prozent von ihnen fühlten sich tatsächlich müde. Weniger als die Hälfte der Fahrer schätzte also die eigene Müdigkeit richtig ein.

Müdigkeit ist so gefährlich wie Alkohol

Müdigkeit vermindert unsere Aufmerksamkeit und unsere Reaktionsbereitschaft im Verkehr ähnlich stark wie Alkohol: Nach 17 Stunden ohne Schlaf fahren wir, als hätten wir 0,5 Promille. Haben wir 24 Stunden nicht geschlafen, fahren wir so schlecht wie mit 1,0 Promille.

Schlafforscher warnen außerdem: Wer an Schlaf-Apnoe, Ein- oder Durchschlafstörungen leidet, hat ein doppelt so hohes Risiko, müde einen Unfall zu verursachen. Alle, die nicht gut schlafen und notorisch müde sind, sollten sich daher unbedingt medizinisch behandeln lassen.

Die Einnahme von Medikamenten kann Müdigkeit hinter dem Steuer zusätzlich fördern:

"Rund 15 bis 20 Prozent der auf dem deutschen Markt zugelassenen Medikamente können nach Angabe der Hersteller die Fahrtauglichkeit beeinträchtigen. Dies sind insbesondere Schlafmittel, Psychopharmaka und Schmerzmittel, aber auch zum Beispiel Anti-Allergie-Präparate."

Prof. Dr. Maritta Orth, Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM)

Sekundenschlaf wegen Schichtarbeit

Auch, wer Schichtarbeit leistet, ist deutlich gefährdeter, beim Autofahren einzuschlafen: 15 Prozent der Unfallverursacher durch Sekundenschlaf sind Schichtarbeiter, so die Europäische Gesellschaft für Schlafforschung.

Bin ich zu müde fürs Autofahren: Warnsignale

Die Augen brennen und die Lider werden schwer, wir fühlen uns benommen und können uns schwer konzentrieren - das sind deutliche Warnsignale dafür, dass wir definitiv zu müde sind, um noch sicher Auto zu fahren. Sofort auf den nächstgelegenen Rastplatz rausfahren sollten alle Fahrer, denen dieses passiert:

  • Sie haben Schwierigkeiten, die Spur zu halten: Sie fahren unabsichtlich über den Randstreifen.
  • Sie haben das Gefühl, die Straße würde enger.
  • Sie heften Ihren Blick starr auf die Fahrbahn.
  • Sie können sich an die letzten gefahrenen Kilometer schlecht erinnern.
  • Sie übersehen ein Straßenschild, verpassen eine Abzweigung oder Ausfahrt.
  • Sie merken, dass Sie plötzlich langsamer oder schneller fahren, ohne das zu wollen.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Schlaffforschung und Schlafmedizin für den ADAC

Sekundenschlaf verhindern

Banal, aber wahr: Grundsätzlich sollten wir alle vor längeren Autofahrten gut ausgeschlafen sein und Fahrten zwischen 2 und 5 Uhr vermeiden, denn da hat unser Biorhythmus ein Tief. Was hilft beim Einschlafen? Tipps dazu im Link! Unser Beifahrer sollte möglichst auch wach bleiben und immer ein Auge auf den Fahrer haben.

Müde am Steuer - dagegen hilft nur kurzer Schlaf.

Offene Autofenster, laute Musik, ein Energydrink oder unsere Willenskraft - all das hilft absolut gar nichts, um müde noch weiter Auto fahren zu können. Das Einzige, das tatsächlich hilft, ist ein kurzer Schlaf: 20 bis 30 Minuten. Länger sollte er nicht sein, weil wir dann in Tiefschlafphasen abrutschen. Optimalerweise trinken wir unterstützend vor dem Nickerchen auf dem Parkplatz eine Tasse Kaffee, denn Koffein wirkt erst nach 30 Minuten.

Handy am Steuer

Auch, wenn wir das Handy beim Autofahren in die Hand nehmen, fahren wir quasi blind und gefährden uns und andere. Deswegen hat der Gesetzgeber auch sehr enge Grenzen gezogen: Handy am Steuer- was ist erlaubt.


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