Bayern 1


28

Handy am Steuer Was ist erlaubt?

Drei Sekunden aufs Handy geschaut, 42 Meter blind gefahren: Das Smartphone am Steuer kann Sie Ihr Leben kosten. Aber auch wenn nichts passiert, kann es richtig teuer werden. Die Strafen im Überblick.

Stand: 04.08.2020 | Archiv

Mann sitzt in einem Pkw am Steuer und blickt auf ein Handy in seiner Hand | Bild: mauritius images

Würden Sie am Steuer im Auto freiwillig sekundenlang die Augen schließen? Sicher nicht. Wer nur für drei Sekunden auf sein Handy schaut und mit seinem Pkw 50 km/h fährt, legt eine Strecke von 42 Metern blind zurück. Zum Vergleich: Ein Fußballfeld ist 45 Meter breit. Wer sieben Sekunden mit dem Handy hantiert, fährt in der Zeit 97 Meter ganz ohne Sicht - sagt der ADAC. Denn so lange ist man in der Regel abgelenkt, bis man das Handy hervorgeholt hat, draufgeblickt und wieder weggepackt hat. Sieben Sekunden!

In einem Test mit 45 Versuchspersonen haben der ADAC und der ÖAMTC verschiedene Arten der Ablenkung am Steuer untersucht. Diese - in der Wirklichkeit lebensgefährlichen - Fahrfehler machten die Testpersonen, als sie ihr Smartphone in die Hand nehmen sollten, um auf dem Handy eine Nachricht zu lesen und eine schreiben sollten: "Beim Tempolimit gab es viele Abweichungen - sowohl nach oben, als auch nach unten. Im Durchschnitt ging der Blick 14-mal weg von der Straße aufs Handy, das summierte sich zu 140 blind gefahrenen Metern. Ein Drittel der Teilnehmer überfuhr die Mittellinie und blieb teilweise für 3,5 bis vier Sekunden bzw. 35 Meter auf der falschen Straßenseite", so der ADAC.

Handy am Steuer - 55 Prozent nutzen es im Auto

Wir wissen alle, wie gefährlich das Handy am Steuer ist, aber verdrängen das oft. In einer Umfrage der Sachverständigen-Organisation "Dekra" gaben 55 Prozent der Befragten an, dass sie zumindest "hin und wieder" zum Handy greifen, während sie fahren. Zwar ist die Bereitschaft, das Handy zu nutzen, bei jüngeren Autofahrern höher, aber das Problem zieht sich durch alle Altersgruppen.

Facebook-Vorschau - es werden keine Daten von Facebook geladen.

BAYERN 1

Wir haben getestet, wie lange man wirklich im Blindflug fährt, wenn man "nur mal kurz" aufs Handy schaut! Gepostet von BAYERN 1 am Donnerstag, 20. September 2018

Unfallursache Handy - mehr Tote als durch Alkohol am Steuer

Handy und Navi haben Alkohol als Unfallursache Nummer Eins abgelöst. Weit mehr Menschen sterben im Straßenverkehr, weil ein Fahrer abgelenkt war. Mittlerweile gehen Verkehrsexperten davon aus, dass jeder zehnte tödliche Unfall wegen Ablenkung passiert. Die Verkehrssicherheitsstudie des Versicherungskonzern Allianz stellte 2016 fest:

"Im vergangenen Jahr starben fast 3.500 Verkehrsteilnehmer auf deutschen Straßen, 256 davon, weil einer der Unfallbeteiligten alkoholisiert war. Deutlich mehr Personen (etwa 350) kamen durch Ablenkungsunfälle ums Leben."

Verkehrssicherheitsstudie Allianz

Handy am Steuer Strafe?

Nur über Freisprechanlage, die sprachgesteuert ist, darf ich im Auto telefonieren.

Im Oktober 2017 wurde die Straßenverkehrsordnung geändert: Handyverstöße kosten statt 60 nun 100 Euro und einen Punkt in Flensburg. Gefährde ich durch mein Verhalten einen anderen Verkehrsteilnehmer, muss ich 150 Euro zahlen, bekomme zwei Punkte in Flensburg und 1 Monat Fahrverbot, so der ADAC. Eine Gefährdung wären zum Beispiel ein plötzliches Ausweichen auf eine andere Spur oder den Radweg oder Schlangenlinien.

Bei Sachbeschädigung, also wenn wir mit unserem Wagen zum Beispiel ein anderes Auto anfahren, drohen 200 Euro Bußgeld, zwei Punkte sowie ein Monat Fahrverbot.

Radler: Handy in der Hand kostet Strafe

Auch Radfahrer müssen zahlen, wenn sie beim Radeln das Smartphone in der Hand haben - 55 Euro Bußgeld.

Telefonieren im Auto erlaubt nur über Freisprechanlage

Ich darf mit dem Smartphone im Auto telefonieren - wenn das Telefon mit einer Freisprechanlage verbunden ist und ich es nicht in die Hand nehme, also das Wählen etc. über Sprachsteuerung funktioniert.

Handy am Steuer - ist SMS schreiben im Auto erlaubt?

Sobald der Motor läuft, darf ich mein Handy nicht mehr in die Hand nehmen, außer, um es nur wegzuräumen. Eine SMS oder eine WhatsApp-Nachricht zu schreiben, ist grundsätzlich während der Fahrt verboten.

Steht der Wagen und ist der Motor vollständig abgeschaltet, darf ich eine Nachricht schreiben. Achtung - neue Regelung in der Straßenverkehrsordnung: Ist der Motor an der Ampel durch eine Start-und-Stopp-Ausschaltung nicht in Betrieb, gilt er nicht als abgeschaltet. Auch, wenn ein Elektrofahrzeug beim Stehen in den Standby-Modus schaltet, bedeutet das nicht, dass ich mein Handy in die Hand nehmen darf.

Anruf wegdrücken im Auto - geht das?

Nein, einen Anruf darf ich nicht wegdrücken, denn das stellt ein Benutzen des Handys dar, so Verkehrsrechtsexperte Dr. Florian Gaibler. Mein Smartphone weglegen dagegen, ist erlaubt: "Wenn Sie das Handy nur weglegen wie eine Flasche, dann stellt das keine Benutzung dar und das dürfen Sie."

Darf ich ein Tablet im Auto benutzen?

Nein. Tablets darf ich beim Fahren auch nicht in die Hand nehmen. Und das gilt auch für andere Geräte wie MP3-Player oder Navigationsgeräte. Der Wortlaut in der Straßenverkehrsordnung:

"Geräte in Sinne des Satzes 1 sind auch Geräte der Unterhaltungselektronik oder Geräte zur Ortsbestimmung, insbesondere Mobiltelefone oder Autotelefone, Berührungsbildschirme, tragbare Flachrechner, Navigationsgeräte, Fernseher oder Abspielgeräte mit Videofunktion oder Audiorekorder"

  § 23 Abs. 1a, b StVO - neu

Handy im Stau benutzen - wann geht das?

"Nur bei vollständig abgeschaltetem Motor", sagt Gaibler. Auch hier gilt: Start-Stopp-Automatik zählt ebenso wenig wie Standby bei Elektrofahrzeugen.

Mit Handy am Ohr geblitzt - doppelte Strafe?

In einem solchen Fall geht die Polizei von Tateinheit aus. In der Regel zahle ich die höhere Strafe plus die Hälfte der geringeren Strafe zuzüglich Gebühren. Die genaue Summe hängt von der Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung ab. Bin ich außerorts zwischen 16 und 20 km/h zu schnell unterwegs gewesen, zahle ich 100 Euro für den Handyverstoß plus 15 Euro für das zu schnelle Fahren (30 Euro beträgt derzeit das vollständige Bußgeld für eine Geschwindigkeitsübertragung von 16-20 km/h), also ingesamt mindestens 115 Euro plus Gebühren.

Derzeit gilt bei Geschwindigkeitsübertretungen noch der Bußgeldkatalog von 2014, denn die Novelle der Straßenverkehrsordnung ist ausgesetzt:

"Wegen eines Formfehlers im Gesetzestext der Straßenverkehrsordnung (StVO) sind nicht nur die neuen Fahrverbotsregeln unwirksam, sondern alle Änderungen des Bußgeldkatalogs vom April 2020. Nicht betroffen sind die Verhaltensregeln der StVO etwa in Bezug auf den Schutz von Radfahrern."

ADAC

Wer mehrmals kurz hintereinander mit dem Handy in der Hand im Auto erwischt wird, der riskiert ein Fahrverbot, die Behörden gehen dann nämlich von "Beharrlichkeit" aus.

Fahranfänger und Handyverstoß: welche Strafe

Werde ich als Fahranfänger beim Telefonieren mit dem Handy erwischt, zahle ich das fällige Bußgeld von 100 Euro und kassiere einen Punkt. Wenn ich mit dem Smartphone in der Hand angehalten werde und deswegen bei Rot über eine Ampel fahre, also zum Handyverstoß noch eine weitere Verkehrswidrigkeit begehe, muss ich zusätzlich zu Bußgeld und Punkt auch noch mit der Verpflichtung zu einem Aufbauseminar und einer Probezeitverlängerung rechnen.

Handy und Navi - Tipps gegen Ablenkung am Steuer

  • Verstauen Sie Ihr Smartphone vor der Fahrt in einem Fach, das Sie nicht erreichen. Und stellen Sie es stumm. Dann kommen Sie erst gar nicht in Versuchung, es in die Hand zu nehmen.
  • Selbst, wenn Sie über Freisprechanlage telefonieren, lenkt das stark ab. Verzichten Sie möglichst darauf.
  • Befassen Sie sich eingehend mit der Betriebsanleitung ihres Navis in Ruhe zu Hause.

Wer wissen möchte, was andere Vergehen am Steuer aktuell kosten: Lesen Sie, wie hoch neue Bußgelder im Straßenverkehr ausfallen können.


28