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Kleidung ohne Tierquälerei Was steckt eigentlich in meinem Winterpulli?

Pelzkragen, Daunenjacke oder Angorapulli: Für unsere Mode leiden Tiere. Und zwar Hunde, Katzen, Gänse, Kaninchen. Doch wir können auch tierfreundlich einkaufen.

Stand: 13.11.2017

Frau in Wollpulli | Bild: mauritius-images

Für unsere Daunenjacken werden Gänse lebendig gerupft

Gänse werden in China, Polen, Frankreich und Ungarn mehrmals in ihrem Leben lebendig gerupft. Den Gänsen werden so grob die Feder herausgerissen, dass ihre Haut verletzt wird. Diese Wunden werden mit Nadel und Faden genäht, ohne jede Betäubung. Heimlich gefilmte Videos von Tierschützern zeigen das.

Gänse werden auch in Deutschland in großen Betrieben in Käfigen gehalten.

In der EU ist Lebendrupf eigentlich verboten, doch es gibt Schlupflöcher: Wenn die Vögel in der Mauser sind, also ihr Federkleid wechseln, ist das Lebendrupfen auch in Deutschland erlaubt. Der Import von Daunen aus Lebendrupf ist in Deutschland ebenso erlaubt. Die Daunen kommen in Deutschland meist gewaschen an - und dann kann man nicht mehr feststellen, ob die Tiere bei lebendigem Leib oder erst nach der Schlachtung gerupft worden sind.

Daunen stammen auch oft von Gänsen, die für Stopflebern zwangsgemästet wurden. Dabei bekommen sie Stahlrohre in den Schlund, über die man sie mit Getreide mästet, bis sich ihre Leber auf das bis zu Zehnfache ihres ursprünglichen Volumens vergrößert hat. Die Stopfmast für "Foie gras", also Gänse- oder Entenstopfleber, ist mittlerweile in den meisten europäischen Ländern verboten. Nur in Belgien, Bulgarien, Frankreich, Ungarn und Spanien ist sie noch erlaubt. Gänse- und auch Entenstopfleber darf überall in Europa verkauft werden.

Statt Daunenparka lieber Winterjacken mit Kunststoff-Füllung

Derzeit gibt es noch kein Siegel für Daunen, das unabhängig kontrolliert wird. Eine Garantie für eine tierfreundliche Haltung der Gänse existiert nicht.

"Die Daunen-Siegel, die es gibt, sind von der Industrie ins Leben gerufen worden und werden auch von der Industrie kontrolliert. Von Daunen kann man nur abraten, denn selbst wenn die Daunen aus Totrupf stammen, bleibt immer noch die Massentierhaltung in engen Käfigen. Die Tiere stehen in ihrem eigenen Kot, leiden unter Knochenbrüchen und Infektionen ,"

Johanna Fuoß von der Tierschutzorganisation PETA.

Jacken mit Synthetikfutter wie zum Beispiel PrimaLoft oder Kapok-Wattierung halten auch warm. Es gibt mittlerweile auch schon Füllungen aus Recycling-Kunststoffen. Die ersten veganen Modehersteller setzen auf pflanzlichen Daunen-Ersatz aus Milkwheet: Das ist eine Pflanze aus den USA, deren Fasern gute isolierende Eigenschaften haben. Allerdings sind diese Jacken noch recht teuer. Wer "vegane Winterjacken" googelt, bekommt auch preiswertere Modelle.

Angorakaninchen: Lebendig  gerupft auf der Streckbank

Angorakaninchen werden in China größtenteils lebend gerupft.

Angorakaninchen, deren feine Haare für Angorapullis verarbeitet werden, werden auch lebendig gerupft. Das passiert alle drei Monate über zwei bis fünf Jahre. Danach werden sie geschlachtet. Selbst, wenn sie geschoren werden, spannt man sie, an Vorder- und Hinterläufen zusammengebunden, auf einen Tisch. Kaninchen sind Fluchttiere, für sie ist die Prozedur eine Qual.

90 Prozent des Angoras stammt aus China. Dort gibt es keinerlei Tierschutzregeln und Tierquälerei steht nicht unter Strafe. 2013 veröffentlichte die Tierschutzorganiosation PETA ein schockierendes Video. Es zeigt Angora-Kaninchen, die vor Schmerzen schreien, weil man ihnen die Haare ausreißt. Einige große Modeanbieter nahmen daraufhin Angora-Textilien komplett aus dem Programm.

Dennoch gibt es immer noch viele Angora-Produkte zu kaufen: "Große Kaufhausketten weigern sich nach wie vor, Produkte aus Angora aus dem Sortiment zu nehmen. Und die Haltungsbedingungen für Kaninchen haben sich nicht verbessert", sagt Johanna Fluoß von PETA.

Merino-Wolle: Man schneidet den Lämmern die Hautfalten ab

Protest gegen Mulesing

Pullover aus Merino-Wolle sind im Handel weit verbreitet. Merino-Schafe bekamen faltige Haut angezüchtet – um den Wollertrag zu steigern. Genau diese Hautfalten nutzen aber Fliegen, um dort ihre Eier abzulegen. Damit das nicht passiert, wird den Merino-Lämmern ohne Betäubung die faltige Haut an ihren Hinterteilen mit einer scharfen Schere abgeschnitten. Diese Technik nennt man Mulesing. Während Schafzüchter in Neuseeland nach Protesten der Tierschützer weitgehend auf Mulesing verzichten, ist es in Australien nach wie vor Standard. Australien ist das größte Exportland für Wolle auf der Welt, produziert rund ein Viertel des weltweiten Wollaufkommens.

Statt Pullis aus Merinowolle oder Angora: Bio-Baumwolle oder Lyocell

Wir Verbraucher haben die Wahl. Tierfreundliche Alternativen sind Pullover und Strickjacken aus pflanzlichen Fasern wie Bio-Baumwolle, Lyocell, das aus der Zellulose von Holz hergestellt wird, oder Leinen, Hanf und Viskose.

Marderhunde, Katzen und Füchse werden zu Pelzkrägen und Bommeln an Mützen

Vor einigen Jahren lehnte die ganz große Mehrheit der Deutschen das Tragen von Pelz ab. Das hat sich geändert: Fast alle Winterjacken haben einen Pelzkragen. Und der ist oft aus Echtpelz. 100 Millionen Tiere werden jedes Jahr auf Pelzfarmen nur für ihren Pelz getötet, so der Tierschutzbund.

Pelzverarbeitung in China

Asiatische Marderhunde, Hunde, Katzen, Chinchilla und Füchse werden größtenteils in China in engen Metallkäfigen gehalten. Viele entwickeln durch den Stress der Käfighaltung und ihrer Angst vor Menschen Verhaltensstörungen. Sie verstümmeln sich selbst oder werden zu Kannibalen. Eine Käfigbatterie misst einen Quadratmeter, das natürliche Revier von Wildtieren wie Füchsen, Nerzen und Marderhunden ist im Schnitt um die zehn Quadratkilometer groß.

Um ihr Fell nicht zu beschädigen, werden die Pelztiere mit Knüppeln totgeschlagen, vergast oder man lässt sie verbluten. Manchmal leben die Tiere noch, wenn man ihnen das Fell abzieht.

Aus Marderhunden, Füchsen und Hunden werden Pelzkragen gemacht, aus Katzenfell entstehen Fellbommel für Mützen, Rheumadecken oder der Fellbesatz von Schuhen. In Deutschland ist der Import von Hunde- und Katzenfellen seit 2009 verboten, so der Tierschutzbund. Allerdings gibt es wenige Kontrollen. Um die wahre Herkunft der Pelze zu verschleiern, benutzt man Tarnnamen - der Tierschutzbund hat die Bezeichnungen der Pelzbranche und ihre Bedeutung gesammelt. Auch "Marderhund" steht selten in der Kennzeichnung unserer Mode, dafür dann "Asiatischer Waschbär" oder Seefuchs.

Wie unterscheide ich Kunstfell von echtem Pelz?

"Enthält nichttextile Bestandteile tierischen Urspungs" - so müssen die Hersteller seit 2012 alle Kleidungsstücke kennzeichnen, die zum Beispiel Fell, Daune, Leder, Horn- oder Perlmutt-Knöpfe enthalten. Doch nicht immer sind die Textilien gekennzeichnet. Da echter Pelz aus China oft billiger ist als Kunstfell, findet sich echtes Fell auch oft bei preiswerten Kleidungsstücken, die man oft nicht oder nicht richtig deklariert.

Drei einfache Tricks, wie man echten Pelz erkennt:

  • Echter Pelz hat unten immer Leder. Schiebt man die Haare auseinander und es kommt Tierhaut zum Vorschein - ist es echtes Fell.
  • Pustet man in den Kragen und die Haare bewegen sich stark dabei, kann man davon ausgehen, dass man einen Kragen aus echtem Fell hat. Echter Pelz hat auch verschieden lange Haare, die langen Deckhaare und die sogenannte Unterwolle.
  • Test zu Hause: Hat man eine Jacke gekauft und ist sich nicht sicher, ob deren Besatz nicht doch von einem Tier stammt, kann man ein paar Härchen ausreißen und anzünden. Riecht es nach verbranntem Horn, ist es richtiges Fell. Schmilzen die Haare und riechen nach Plastik, ist es Kunstfell. Ist die Jacke nicht gekennzeichnet, kann man beim Händler sein Geld zurück verlangen.

Lieber nichts Neues kaufen? So entfernen Sie Gerüche aus Winterkleidung.


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