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Was ist Viskose Sind Viskose, Modal und Lyocell Naturfasern?

Viskose, Modal und Lyocell werden aus Holz hergestellt. Sind sie damit wirklich umweltfreundlich? Und wieso wird Lyocell oft als nachhaltig verkauft?

Stand: 05.10.2020 | Archiv

Paar in einem Garten | Bild: mauritius images

Viskose Naturfaser?

Fließender Stoff, angenehm weich und kühlend: Früher hieß Viskose auch Kunstseide oder Rayon und sollte - wie der Name schon sagt - eine Alternative zur teuren echten Seide sein: "Viskose genießt eine lange Tradition: Schon vor 100 Jahren suchte man nach einer hauchdünnen Faser, die ähnlich fein wie Seide war. Dabei entdeckte man, dass sich die Fäden von aufgelöster Cellulose verspinnen lassen", so die Industrievereinigung Chemiefaser. Viele Textilien wie Blusen oder Hosen sind heute aus Viskose, Modal oder Lyocell. Alle drei Stoffarten werden aus Holz, aus heimischem Bäumen wie Buchen, zum Teil aber auch aus Eukalyptusholz hergestellt. Sind sie deswegen Naturfasern?

"Viskose, Lyocell und  Modal sind sog. 'man made fibres', also Chemiefasern. Das ist so, weil diese Fasern zwar wie Baumwolle aus 100 Prozent biologisch abbaubarer Cellulose bestehen, aber eben durch einen industriellen Prozess künstlich, von Menschenhand erzeugt werden."

Stefan Thumm, Leiter Referat Technik, Umwelt und Innovation beim Verband der Bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie

Was ist Viskose?

Viskose, ebenso Modal und Lyocell sowie Tencel (Markenname des österreichischen Herstellers Lenzing) werden aus Holz gewonnen und in anschließenden aufwändigen Verfahren zu Fasern versponnen. Der erste Herstellungsschritt ist bei diesen Faserarten derselbe: Die Cellulose muss zuerst aus dem Holz gelöst werden. Textilingenieur Stefan Thumm: "Mittels Natron-Lauge und Schwefelverbindungen werden Holzchips in großen Kochern mit mehr als 500 Tonnen Inhalt in ihre Hauptbestandteile 'Cellulose' und 'Lignin' zerlegt und nachgehend voneinander abgetrennt. Viskose wird hergestellt, indem man die aus Holz gewonnene Cellulose chemisch zu sogenanntem Xantogenat umsetzt und dann in einem wässrigen Bad ausspinnt."

Viskose wird nicht nur für Textilien verwendet. Viskosefasern sind auch in Feuchttüchern, Verbandsmaterial, Reifen, Tampons, Geldscheinen, Teebeuteln und Kupplungsscheiben in Autos zu finden.

Modal ist eine Variante der Viskose und wird sehr ähnlich gewonnen - beide Faserarten unterscheiden sich nur in der Zusammensetzung des Spinnbads. Modal wird häufig für Unterwäsche verwendet.

Was ist Lyocell

Der Grundstoff für Lyocell ist auch Buchenholz. Lyocell ist von der Produktionsmenge noch derzeit die kleinste der drei Fasern, wächst aber dynamisch. Zum Vergleich: Weltweit werden jährlich über 50 Millionen Tonnen Polyester und 26 Millionen Tonnen Baumwolle produziert, von Viskose, Lyocell, Modal insgesamt nur etwa sechs Millionen Tonnen. Der Anteil der vergleichsweise noch jungen Lyocellfaser liegt dabei noch unter einer halben Million Tonnen.

Lyocell gilt als sehr nachhaltig, weil seine Herstellung weniger Wasser verbraucht und weniger Chemiekalien dabei nötig sind - im Vergleich zur Viskose. Der größte Hersteller von Lyocell und Tencel (Markenname des Herstellers) weltweit, die österreichische Firma Lenzing, produziert Lyocell in einem Verfahren, in dem das verwendete Lösemittel wiedergewonnen und in den Produktionskreislauf zurückgeführt wird. Der Hersteller verarbeitet zertifiziertes Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft. Das Besondere an Lyocell ist, dass es unter anderem sehr reißfest ist und auch zu Denimstoffen verarbeitet werden kann.

Ist Viskose nachhaltig

Die Frage, ob Viskose eine nachhaltige Faser ist, beantwortet Textilingenieur Stefan Thumm klar mit "Ja", wenn bestimmte Bedingungen bei der Produktion eingehalten werden: Wenn regionales Holz verwendet wird, belastetes Abwasser und die Abluft gereinigt wird, ist Viskose eine nachhaltige Faser.

Wie erkenne ich nachhaltig hergestellte Viskose

Für den Verbraucher ist es schwer nachzuvollziehen, wo und wie die Bluse aus Viskose hergestellt worden ist.
Hersteller von Viskose und Lyocell gibt es in Europa, aber vor allem in Asien - in China, Indonesien und Indien. Wenn der Faserhersteller auf dem Label der Textilie vermerkt ist, ist das hilfreich, denn die bayerischen und österreichischen Hersteller erfüllen hohe Umweltstandards.

Weitere Tipps, wie sich Verbraucher orientieren können: Wie erkennt man nachhaltige Kleidung

Was ist Viskose - komplett biologisch abbaubar

Was die Entsorgung betrifft, punkten alle drei Faserarten - sie sind alle komplett biologisch abbaubar.


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