Bayern 1 - Experten-Tipps


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Waschmittel abfüllen Plastik sparen: Abfüllstationen in Drogerien

Unsere Badezimmer sind voll mit Plastik: Shampoo, Waschmittel, Allzweckreiniger. Doch was ist die Alternative? Der BAYERN 1 Umweltkommissar hat sich auf die Suche nach Abfüllstationen in Drogeriemärkten gemacht.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 19.02.2020 | Archiv

Frau steht an einer Abfüllstation in einem dm-Drogeriemarkt in Österreich. | Bild: picture-alliance/dpa

Plastik vermeiden

Wenn es um Verpackungsmüll aus Plastik geht, ist oft von Alternativen oder Recycling die Rede. Über allem steht jedoch: die Vermeidung! Wie schaffen wir es, weniger Einmalverpackungen in Umlauf zu bringen. Egal ob Plastik oder nicht, schließlich werden diese Materialien hergestellt, um nur einmal verwendet zu werden und anschließend in der jeweiligen Tonne zu landen.  Mehrweg ist deshalb das Ziel, um die Spirale nach unten – nämlich immer mehr Plastikmüll in den Wirtschaftskreislauf zu bringen – zu unterbrechen. Schließlich muss auch beim Recycling von Plastik meist neues Granulat zugefügt werden, um eine neue Verpackung herzustellen. Es gibt zwar mittlerweile auch einige Beispiele für Plastik Recycling, die zeigen, dass es technisch gelingen kann, aber noch sind die Verfahren teuer und damit leider oft nicht konkurrenzfähig.

Im Haushalt ist es vor allem im Bereich Hygiene äußerst schwierig, auf Plastik zu verzichten. Herkömmliche Schwämme oder Lappen bestehen aus Plastik. Der Putzeimer ist aus Plastik und wird zumindest immer wiederverwendet. Hundert verschiedene Putzmittel, Duschgels oder Waschmittel gibt es nicht Glasflaschen.

Mehr als 14 Milliarden Euro geben wir Verbraucher derzeit jährlich, nach einer Hochrechnung des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel, allein für Körperhygiene aus. Natürlich gibt es bei vielen Produkten mittlerweile so genannte „Nachfüllpackungen“, aber auch diese Standbeutel sind eben aus Plastik.

Seit ein paar Jahren gibt es deshalb immer wieder Versuche, über Abfüllstationen Plastik zu vermeiden. Vor allem die zahlreichen Unverpackt-Läden haben in dieser Hinsicht Pionierarbeit geleistet, so dass mittlerweile auch die großen Player im Markt, sprich die Drogeriemarkt-Ketten und Handelskonzerne wie EDEKA, Abfüllstationen testen oder zumindest über die Einführung nachdenken.

Basic führt deutschlandweit Abfüllstationen ein

Bereits seit 2018 testet der Bio-Supermarkt basic das Abfüllen von Reinigungsmitteln. Zunächst in einem Münchner Markt und schließlich auch in weiteren elf Filialen. Bald soll es in ganz Deutschland möglich sein, flüssiges Waschmittel zu zapfen. Also auch in Rosenheim, Ingolstadt, Landshut oder Augsburg.   

Die Technik kommt von Unverpackt Solutions in Seelze, bei Hannover in Niedersachsen. Ein Ableger des französischen Unternehmens 3JD, die mit Vrac Liquid bereits auf dem deutschen Markt das Abfüllen von Spülmitteln und auch Kosmetik anbieten. Bei basic wird Bio-Waschmittel der Marke Sodasan abgefüllt. Eine Vielfalt ist schwer, da die Eigenschaften des jeweiligen Produkts immer genau auf die Abfüllmaschine abgestimmt werden müssen, sagt Benjamin Bernard von Unverpackt Solutions.

"Produkte, die wir nicht kennen, werden vorher getestet, damit wir die Maschine so einstellen können, dass es nicht schäumt. Wir haben verschiedene Sicherungssysteme sowie einen Überfüllschutz, eine Flaschenerkennung und, je nach Ausstattungsvariante, auch eine mit Strichcode gesicherte Anlage, das heißt nur das Produkt eingefüllt wird, was der Kunde sich aussucht bzw. auch bezahlt."

Benjamin Bernar, Unverpackt Solutions.

Der Hersteller rechnet bei einer vierköpfigen Familie damit, dass pro Jahr ungefähr 30 Flaschen Waschmittel à 1,5 Liter eingespart werden könnten. Basic gibt an, übers Jahr bis zu 800 Einwegflaschen pro Filiale einzusparen. Die Mehrwegflaschen, die jedoch auch aus Plastik sind, kosten einmalig 60 Cent und lassen sich – laut Hersteller – mindestens 30 bis 40 Mal wieder auffüllen. 

Die Rückmeldungen, sagt Benjamin Bernard, sind durchweg positiv: „Sehr gut! Bei den Kunden und auch bei den Ladenbesitzern selber, weil die wenig Arbeit mit der Anlage haben. Man muss natürlich die Stellen, wo die Leute hin fassen, täglich reinigen. Aber die Anlage zeigt einem an, wenn der Kanister leer ist. Es wird eine Reinigung durchgeführt und es gibt ein Reinigungsprogramm hinterher, so dass auch immer gewährleistet bleibt, dass die ganze Anlage klinisch sauber ist.“ Je nach Ausstattung und Größe kostet eine solche Abfüllanlage zwischen 3.000 und 17.000 Euro.

Rossmann testet Abfüllstationen in Tschechien

Auch der Drogerie-Konzern Rossmann testet derzeit in einem Pilotprojekt unter dem Titel “Drogerie ohne Verpackung“ wie das Selbstzapfen von Duschgels etc. von den Kunden angenommen wird. Vorerst nur in zehn tschechischen Filialen. An einer Abfüllstation, können sich Kunden acht verschiedene Produkte - vom Wasch- und Spülmittel bis hin zu Shampoo und Duschgel – selber zapfen. Die Produkte kommen dabei vom Hersteller Henkel. Die leere Flasche kostet einmalig 80 Cent und kann nach Angaben des Herstellers mindestens 30-40 Mal wiederverwendet werden.

Die Technik stammt aus Österreich. Gregor Nalepa ist für das deutsche Geschäft von Umdasch zuständig.

"Unser Kerngeschäft ist ja der Ladenbau. Trotzdem befassen wir uns immer wieder mit Themen, die darüber hinausgehen. Und dazu gehört für uns einfach das Thema 'Unverpackt' und das Thema 'Nachhaltigkeit‘ als solches sowieso zum Unternehmen. Und wir haben jetzt wirklich drei, vier Jahren entwickelt."

Gregor Nalepa, Umdasch

Der Kunde kommt mit seinem Lehrgebinde in den Markt und stellt es in das Gerät. Durch die Waage wird erkannt, dass das richtige Gebinde auch leer ist. Die Menüführung ist intuitiv und das Auffüllen muss so schnell und unproblematisch wie möglich sein. „Darin liegt eben die Krux. In der Einfachheit des Systems", sagt Gregor Nalepa. Es darf auf keinen Fall schäumen oder überlaufen. Deshalb muss jedes Produkt auch erstmal für jede Abfüllstation getestet werden.

Auch die Abfüllstationen vom Umdasch kosten einen vier bis fünfstelligen Betrag. „Mit der Basic-Version für kleinere Händler sind wir im Bereich zwischen 6.000 bis 7.000 Euro. Wenn wir dann aus der Probeversion in den finalisierten Betrieb gehen, liegen wir inklusive Entwicklung je nach Menge natürlich bei rund 10 bis 15.000 Euro", so Nalepa.

Auch dm testet Abfüllstationen – in Österreich

Drogeriemarkt-Konkurrent dm testet derzeit Abfüllstationen in Prag, allerdings für Kosmetik. Wasch- und Spülmittel können aber bereits in 24 dm-Filialen in Österreich abgefüllt werden. Da die Abfüllstationen für Bio-Waschmittel und Bio-Geschirrspülmittel der Marke Planet Pure sehr gut angenommen worden sind, hat der Drogeriekonzern das Projekt sukzessive in ganz Österreich ausgeweitet. Um die Kunden zum Zapfen zu animieren, ist derzeit jede fünfte Füllung gratis. Nach Angaben von dm wird durch das Mehrwegsystem etwa 60% Plastikmüll eingespart.

Bio-Waschmittel Sonett im Tauschsystem

Auch Bio-Waschmittel-Pionier Sonett aus dem baden-württembergischen Deggenhausen am Bodensee hat ein Projekt zur Plastikvermeidung gestartet. Das Pulver im Baukasten-System hat bei Ökotest (09/2019) von allen 26 getesteten Produkten, darunter 4 Ökowaschmittel, am besten abgeschnitten. Aber Sonett verkauft auch Flüssig-Waschmittel und –Seifen. Deshalb hat das Unternehmen eine Art Tauschsystem angeschoben. Geschäftsführer Andreas Roth: „Wir nehmen die Kanister zurück, waschen sie aus und befüllen sie wieder. Dafür haben wir eine spezielle Reinigungs- oder Waschanlage entwickelt, weil es nicht so einfach möglich war. Das alles im Rahmen unseres Pilotprojekts mit hundert Unverpackt-Läden. Diese Kanister sind in hygienisch so einem guten Zustand, dass wir die auch wirklich wiederverwenden können.“ Bislang wird das gut angenommen.

Ob es sich auch im Großhandel bewährt, muss jedoch noch getestet werden, schließlich wäre das Flaschen-Aufkommen dann auch wesentlich größer. „20% der Kanister werden geschreddert. Das Material wird gewaschen, fein gemahlen und das Material kommt dann wieder in unsere Flaschen rein. Und dadurch stellen wir sicher, dass das Material, das wir in die Welt geben, auch auf dieser Qualitätsstufe erhalten bleibt. Es findet also kein Downcycling statt.“, sagt Andreas Roth. Vier Tonnen Material hat Sonett nach eigenen Angaben dadurch bislang eingespart.


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