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Wo ist Mikroplastik drin? Umweltkommissar: Produkte, in denen sich Mikroplastik versteckt

Dass Mikroplastik schädlich ist, wissen wir. Aber wo sich überall Mikroplastik versteckt, ist nicht so einfach herauszufinden. Wir produzieren Mikroplastik beim Wäschewaschen in großen Mengen selbst. Welcher Waschgang hier der schlimmste ist.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 12.05.2020

Mann befüllt Waschmaschine | Bild: mauritius images

Mikroplastik aus Kleidungsfasern

Wissenschaftler haben in einer großen Studie unter der Federführung der Uni Manchester den Meeresboden zwischen Korsika und Sardinien auf Mikroplastik untersucht. Die kleinsten Plastikteilchen, die die Wissenschaftler gefunden haben, stammen zum Teil aus Fischernetzen oder von Plastikmüll, der sich über die Jahre zersetzt und feinverrieben hat. Auffällig waren für Geo-Wissenschaftlerin Prof. Elda Miramontes, Mitautorin der Studie, aber vor allem ganz spezielle Partikel: "Das Problem sind die Fasern von Kleidung, die nicht richtig gefiltert von den Kläranlagen dann ins Meer gelangen." Diese synthetischen Fasern, die mittlerweile fast in allen Kleidungsstücken zu finden sind, tauchen besonders oft auf dem Meeresboden auf.

Viele Verbraucher wissen gar nicht, wie viel Plastik eigentlich mittlerweile in unserer Kleidung steckt. Reißverschlüsse, Knöpfe, Klettverschlüsse oder alle Stoffe, die aus bequemen Stretch-Materialien bestehen. Fleece, gerade im Winter sehr beliebt, oder auch Sportkleidung kommt fast nie ohne synthetische Fasern aus. Diese Kunststoff-Kleinstfasern werden von den wenigsten Sieben in der Waschmaschine oder in Kläranlagen aufgefangen und gelangen deshalb auch in die Meere. So war beispielsweise kein einziger von 18 in sechs Kontinenten getesteten Strände frei von synthetischen Fasern.

Die wenigsten Waschmaschinen sind in der Lage, die synthetischen Fasern herauszufiltern. Außerdem müssten dann auch die Filter häufig und regelmäßig von den Fasern gereinigt werden. Vielversprechender sind da etwa Waschbeutel, wie "Guppyfriend". Hier können die Kleidungsstücke in einem wiederverwendbaren Kunststoffgewebe gewaschen werden, das die kleinsten Kunststoffasern auffängt. Nach und nach lagern sich diese herausgewaschenen, abgebrochenen Fasern ab und können dann im Restmüll entsorgt werden. So gelangen die Mikropartikel gar nicht erst ins Abwasser. Übrigens je voller eine Waschmaschine geladen wird, haben Tests gezeigt, desto weniger Kunststofffasern werden aus den Kleidungsstücken herausgebrochen.

Synthetische Wäsche gibt die meisten Fasern im Schonwaschgang ab

Nahezu die Hälfte unserer Kleidung besteht mittlerweile ganz oder zum Teil aus Kunstfasern wie Acryl, Polyester oder Nylon. Reine Synthetik-Textilien geben beim Waschen sehr viel mehr Fasern ab als Mischgewebe aus Baumwolle und Polyester: In einer normalen 30-40 Grad Wäsche verlieren reine Synthetik-Textilien rund 496.000 Fasern (Textilien aus 100 Prozent Polyester) bis zu 728.000 Fasern (Kleidungsstück aus 100 Prozent Acryl), ein Baumwoll-Polyester-Mischgewebe dagegen 137.000 Fasern, so eine Studie der britischen University of Plymouth. Besonders viele Mikroplastik-Partikel werden aus Textilien mit Kunstfasern im Schonwaschgang herausgewaschen, so die Wissenschaftler. Bis zu 800.000 Fasern je Waschgang. Grund ist die erhöhte Wassermenge in dieser Art von Waschgang - sie ist überraschenderweise entscheidender als das Schleudern.

Plastik in Windeln, Herzschrittmachern, Kosmetik

Plastik ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Ob Windeln, Rollstühle oder Herzschrittmacher. Überall ist Plastik, verarbeitet. Plastik ist leicht, flexibel, bruchfest, kostet nicht viel und hält lange. Sehr lange sogar! Und das ist ein Problem. Es geht nicht nur darum, dass eine Plastiktüte 400 Jahre braucht, um vollständig zu  verschwinden. Vielmehr geht es um das, was vorher passiert. Um den ständigen und kaum wahrnehmbaren Abrieb bei der Zersetzung.

Kleinste Teilchen, mit dem bloßen Auge oft gar nicht zu erkennen, gelangen so in die Umwelt und in den Kreislauf. Dieses Mikroplastik lagert sich nicht nur an Stränden, Seen oder in der Erde ab, sondern auch in den Körpern von Lebewesen. Die gesundheitlichen Folgen und Ausmaße sind heute noch gar nicht genau abzusehen. Nicht immer werden verschluckte Plastikteilchen durch den Körper geschleust und über den Verdauungstrakt wieder ausgeschieden. Weil die Zusatzstoffe im Plastik in der Regel fettlöslich sind, vermuten Wissenschaftler, dass es sich auch im Fettgewebe anreichern kann.

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Schon heute sind die Weltmeere voller Plastikmüll. 100 Millionen Tonnen, so die Schätzung. Laut Umweltbundesamt (UBA) treiben mittlerweile, durchschnittlich 13.000 Plastikmüllpartikel auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Sogar in den Tiefseegräben der Erde haben sie sich schon verteilt. Den Nordseefischen liegen die Kunststoffpartikel bereits schwer im Magen und so gelangen sie über die Nahrungskette auch wieder zurück zu uns.

Der Plastikmüll in der Nordsee, der Karibik oder im südchinesischen Meer wird von Wind und Wellen langsam zerrieben. Die größeren Teile schwimmen obenauf, aber die kleinsten Partikel sinken ab, auf den Meeresboden, driften und landen schließlich an allen Küsten der Welt.

Erst kürzlich haben britische Wissenschaftler der Universitäten Hull und Brunel in London Muscheln auf Mikroplastik hin untersucht. Entnommen in acht verschiedenen Küstenregionen und aus acht unterschiedlichen Supermärkten. Ergebnis: In allen Muscheln wurden kleinste Plastikteilchen gefunden. Selbst in solchen, die in gefiltertem Meerwasser lebten. In 100 Gramm Muschelfleisch sind – geschätzt – etwa 70 Mikroplastikteilchen zu finden.

Wir sehen nur, was an der Wasseroberbläche ist

Dass Plastikmüll im Meer mittlerweile ein massives Problem darstellt, ist bekannt. Allerdings ist das, was wir an der Oberfläche sehen, nur ein Bruchteil dessen, was Wissenschaftler bereits seit Jahren tatsächlich in den Ozeanen vermuten. Lediglich ein Prozent schwimmt obenauf oder wird an die Küsten gespült. Zum Beispiel hat sich ein etwa drei Millionen Tonnen schwerer Müllstrudel zwischen Kalifornien und Hawaii gebildet. Angetrieben durch Wind und Strömungen dreht sich diese schwimmende Müllhalde in einem riesigen Wirbel auf dem Ozean. Dieser Wirbel ist etwa so groß wie Mitteleuropa.

Weitgehend ein Rätsel war, wo sich denn die restlichen 99 Prozent Plastik in den Weltmeeren befinden. Klar, Mikroplastik ist mit bloßem Auge oft kaum zu erkennen, aber in diesen Massen müssten die winzigen Teilchen doch irgendwo gehäuft zu finden sein. Tatsächlich haben Wissenschaftler, in einer Studie unter Federführung der Universität Manchester, die höchsten Mikroplastikwerte festgestellt, die jemals auf dem Meeresboden gefunden worden sind. Und zwar in Sedimentproben vom Boden des Mittelmeers, genauer gesagt im tyrrhenischen Becken vor der Küste Italiens, zwischen Korsika und Sardinien.

Riesige Mengen Mikroplastik

Das internationale Forscherteam hat bis zu 1,9 Millionen Plastikstücke pro Quadratmeter nachgewiesen. "Das sind am Ende 200 Partikel pro 500 Gramm Sediment", sagt Prof. Dr. Elda Miramontes, Geo-Wissenschaftlerin der Uni Bremen und Co-Autorin der Studie. Denn die Teilchen liegen dort nicht offen herum, sondern sind versteckt im Schlamm. "Das ist ein bisschen wie am Wattenmeer, wenn Sie schon mal an der Nordseeküste waren", erklärt Prof. Miramontes, "alles ist schlammig und es sind kleine Plastikpartikel mit Schlamm gemischt. Und das muss man nachher trennen, um die zu finden. Das kann man nicht mit dem bloßen Auge sehen."

Die Untersuchung lässt vermuten, wie sich Plastik über Jahre und Jahrzehnte im Meer verteilt, wenn es zerfallen, zerrieben ist oder sich gelöst hat. Es gelangt über die Flüsse, die Häfen oder auch Schiffe ins Meer. Das Plastik konzentriert sich nämlich offenbar nach und nach an bestimmten Stellen des Meeresbodens, unterstützt durch starke Bodenströmungen. "Die Strömungen transportieren das Plastik, sie fegen sozusagen das Mikroplastik weg," sagt die Geowissenschaftlerin Elda Miramontes, "und sammeln es dann in bestimmten Zonen. Das kann man sich vorstellen, wie der Wind etwa Blätter in bestimmten Ecken sammelt." Dort findet sich das Mikroplastik dann in den Sedimenten. Diese Ablagerungen tief unten am Meeresboden können mehrere Kilometer lang und hunderte Meter hoch sein. Das Problem: Gerade dort, wo sich das Mikroplastik sammelt, ist auch die Artenvielfalt besonders groß, weil über die Strömungen auch Sauerstoff und Nähstoffe dorthin transportiert werden. Heißt: Das Mikroplastik kann hier leicht in den Organismus der Meeresbewohner und damit in die Nahrungskette gelangen.

Mikroplastik überall – mit unserer Hilfe

Aber wir müssen nicht weit gehen, um Mikroplastik zu finden. Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) lässt in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth und der TU München bereits seit Jahren auch Gewässer im Freistaat auf Mikroplastik untersuchen. Auch die bayerischen Seen und Flüsse sind belastet. An insgesamt  fünf Seen (Chiemsee, Starnberger See, Ammersee, Altmühlsee, Trinkwassertalsperre Mauthaus) und vier Flüssen (Donau, Isar, Inn und Altmühl) sind jeweils an verschiedenen Stellen Proben entnommen worden. Sowohl am Ufer wie auch an der Wasseroberfläche, mit speziellen Netzen, um die kleinsten Teilchen auch zu erwischen. Bei der späteren Analyse im Labor ließ sich an allen untersuchten Orten Mikroplastik nachweisen.

Wir selbst spülen sie mit der Waschmaschine oder den Ausguss des Waschbeckens in die Umwelt. Kläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert. Letztlich könnte nur eine teure Schlussfiltration die Belastung deutlich reduzieren, wie eine Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) ergeben hat. Immerhin besteht Mikroplastik aus Teilchen von weniger als fünf Millimetern Größe.

Mikroplastik ist ein ökologisches Problem, weil es Schadstoffe an sich bindet und in die Nahrungskette gelangt. Das Umweltbundesamt (UBA) geht davon aus, dass alleine in Kosmetikprodukten jährlich etwa 500 Tonnen aus Polyethylen in Deutschland verwendet werden. Für eine im Oktober 2014 veröffentlichten Untersuchung, im Auftrag des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden Proben aus dem Ablauf von zwölf Kläranlagen entnommen.

Je nach Anlagengröße gelangen pro Jahr zwischen 93 Millionen und 8,2 Milliarden Partikeln in die Vorfluter und damit in die Flüsse. Auch im Klärschlamm wurden große Mengen Mikroplastik gefunden. Je Kilogramm Trockenmasse waren es zwischen gut 1000 und mehr als 24.000 Teilchen. Für jede Kläranlage ergibt das hochgerechnet Werte zwischen 1,2 und 5,7 Milliarden Partikeln. Wenn Klärschlamm auf Felder ausgebracht wird, gelangen die Teilchen abermals in die Umwelt.

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Oder eben auch bis in die abgelegenen Gewässer der Erde, beklagt nicht nur der Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND) : "Leichtes Mikroplastik schwimmt zum Großteil an der Meeresoberfläche. Hier wird es von Kleinstlebewesen aufgenommen, die eine wichtige Nahrungsquelle für Fische darstellen." Damit sind sie Bestandteil der Nahrungskette und eines Kreislaufs, der mehr und mehr mit kleinsten Partikel aus Plastik versetzt ist."

Mikroplastik und die Folgen

Welche Auswirkungen das auf Lebewesen hat, ist noch weitgehend unerforscht. Nach einer Studie der englischen University of Exeter lösen aufgenommene Hart-PVC-Teilchen Entzündungsreaktionen bei Wattwürmern aus. Mehr als 250 Meeresarten sind bekannt, die Plastik mit der Nahrung aufnehmen. Muscheln, die ihre Nahrung direkt aus dem Wasser filtern, sind natürlich anfälliger, als andere Lebewesen. Dennoch braucht es Langzeitstudien, um zu erforschen, wie sich Mikroplastik, der nun einmal nicht ins Fettgewebe gehört, bei Lebewesen über Jahre oder Jahrzehnte auswirkt. 

Umweltbelastungen durch in Kosmetikprodukten verwendete Mikrokunststoffpartikel können nach Einschätzung des Umweltbundesamtes (UBA) nicht ausgeschlossen werden. Seitens der Bundesregierung ist man aber seit Jahren eher nachsichtig:  "Dem Vorsorgeprinzip folgend wirkt sie daher unter anderem in einem Dialog mit der Kosmetikindustrie auf einen freiwilligen Ausstieg aus der Nutzung von Mikrokunststoffpartikeln in Kosmetikprodukten hin."

Wie langwierig sich dadurch konkrete Maßnahmen gestalten, haben wir bereits beim freiwilligen Verzicht des Handels auf die Ausgabe von Plastiktüten erlebt. Schweden hat bereits ein Verbot von Kosmetikprodukten durchgesetzt, die kleine oder kleinste Kunststoffpartikel enthalten. Das Verkaufsverbot gilt seit Juli 2018.

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Mikropartikel müssten auch in Deutschland viel früher, also schon bei der Herstellung von Produkten, vermieden werden. Diese und ähnliche Forderungen von Umweltschutzverbänden wie Greenpeace oder dem BUND haben immerhin dazu geführt, dass der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V., seinen Mitgliedern empfiehlt, Mikroplastik aus Kosmetika zu entfernen. Und auch die neue EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie zwingt die Mitgliedsstaaten, das Müllvorkommen in den europäischen Meeresregionen besser zu überwachen und zu regulieren, mit dem Ziel, dass bis 2020 Abfälle keine weiteren schädlichen Effekte auf Meeresbewohner ausüben. Ob entsprechende  Maßnahmen tatsächlich greifen, scheint aber angesichts steigender Plastikabfälle mehr als fraglich.   

Fünf Produkte, in denen sich Mikroplastik versteckt

1. Putzlappen und Schwämme

Viele Schwämme für Töpfe, alle Mikrofasertücher und Schwammtücher bestehen aus Plastikfasern. Beim Spülen und Schrubben lösen sich zwangsläufig kleine Partikel und werden in den Ausguss gespült. Es gibt auch Reinigungsschwämme, die aus reiner Pflanzenfaser wie Zellulose, Mais- oder Bambusfaser bestehen. Diese Schwämme kann man am Ende einfach in den Biomüll oder auf den Kompost werfen.

2. Waschmittel und Mikroplastik

Auch in vielen Weichspülern und Waschmitteln sind kleinste Kunststoffteilchen zu finden. Hier wird Polyethylen verwendet, um insbesondere bei Flüssigwaschmitteln diese gelartige Konsistenz herzustellen. Das lässt sich leicht auf der Inhaltsliste des Waschmittels feststellen. Wer wirklich plastikfrei seine Wäsche waschen will, kann so genannte Waschnüsse verwenden. Die machen Wäsche durch natürliche Saponine sauber. Der Nachteil: Die lange Transportweg aus Asien. Eine andere Option dazu ist das Waschkonzentrat von Uni Sapon. Das Konzentrat ist zwar in einer PET-Flasche abgefüllt, aber die Flasche kann man bei einer der Abfüllstationen von Uni Sapon wiederbefüllen. Darüber hinaus reicht eine 500 ml Flasche für 50 Waschgänge.

3. Mikroplastik im Kaugummi

Es ist lange her, dass Kaugummi tatsächlich hauptsächlich aus Chicle hergestellt worden ist, also dem Milchsaft des Breiapfelbaums. Heutzutage bestehen Kaugummis hauptsächlich aus Polymeren, also Kunststoffen auf Erdölbasis. Doch damit nicht genug: Weichmacher, Bindemittel, Farbstoffe und zumeist künstliche Aromen sind auch noch drin. Was genau und in welcher Zusammensetzung, ist nicht einfach zusagen, denn die Hersteller berufen sich auf ihr Betriebsgeheimnis. Fakt ist: Fast alle Kaugummis sind auch nicht biologisch abbaubar.

4. Mikroplastik in Fleece-Klamotten

Aus einer Weiterentwicklung der Polyesterfasern entstehen die Fleece-Stoffe. Maschinen schneiden hierzu, hauchfein, die Schlingen der Maschenware auf, wodurch ein Flor entsteht. Ein Faserpelz auf dem Grundmaterial, der eine sehr feinporige und fühlbar flauschige Oberfläche hat. Das Fleece hat eine isolierende und wärmende Wirkung und lässt sich leicht waschen. Wie der irische Meeresbiologe Mark Browne schon 2013 in einer Studie, die im Fachjournal "Environment and Technology Journal" veröffentlicht worden ist, zeigen konnte, verliert Fleecekleidung bei jedem Waschgang rund 2.000 winzige Kunststofffasern. Diese Kunststoff-Kleinstfasern werden von den wenigsten Sieben in der Waschmaschine oder in Kläranlagen aufgefangen und gelangen deshalb auch in die Meere. Auch in Strümpfe und Strumpfhosen sind sehr oft, wenigstens teilweise, Polyesterfasern verarbeitet.

5. Bodylotion und Peelings: Kosmetik mit Mikroplastik

Plastikkügelchen, die in Kosmetik- und Pflegeprodukten zu finden sind, bestehen meist aus Polyethylen (PE). PE ist ein sehr kostengünstiger und vielseitiger Stoff, der sich auch prima zum Binden von Flüssigkeiten eignet. Deshalb fühlt sich eine Creme auch so geschmeidig an: Weil Polyethylen drin ist. PE lässt sich ideal auch als Schleifmittel verwenden und ist deshalb häufig in Peelings zu finden, die alte Hautschüppchen herunterreiben sollen.

Fazit:

Wer sich über zu viel Plastik aufregt oder Angst vor Mikroplastik in der Umwelt hat, kann selbst was tun. Und zwar jeden Tag. Durch Plastikvermeidung! Zum Beispiel, indem keine Peelings, Duschgels oder Zahnpasten verwendet werden, die Kunststoffe (zum Beispiel Polyethylen) enthalten.Tragetaschen aus Baumwolle sind zwar für den Einkauf nicht automatisch umweltfreundlicher, aber nach vielfacher Wiederverwendung schon. Der BUND hat dafür einen umfassenden, aktualisierten Einkaufsratgeber zusammengestellt.

Dass der Druck der Verbraucher etwas bringt, hat sich bei der Zahnpasta gezeigt: Die Hersteller verzichten auch bei den Weißmacher-Pasten auf Plastikkügelchen. Selbst der BUND hat derzeit keine Erkenntnisse, dass Kunststoff in Zahnpasta enthalten ist. Statt Kunststoffen werden jetzt Mineralien und Ähnliches für das Entfernen von Belag auf den Zähnen verwendet.

Quellen:

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0025322720300323?via%3Dihub


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