Bayern 1 - Experten-Tipps


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Wo ist Mikroplastik drin? Umweltkommissar: Produkte, in denen sich Mikroplastik versteckt

Dass Mikroplastik schädlich ist, wissen wir. Aber wo sich überall Mikroplastik versteckt, ist gar nicht so einfach herauszufinden.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 12.06.2018

Unter der Meeresoberfläche treibt Plastikmüll, der die Ozeane belastet. | Bild: picture-alliance/dpa

Der erste Eindruck

Plastik ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Ob Windeln, Rollstühle oder Herzschrittmacher. Überall ist Plastik, verarbeitet. Plastik ist leicht, flexibel, bruchfest, kostet nicht viel und hält lange. Sehr lange sogar! Und das ist ein Problem. Es geht nicht nur darum, dass eine Plastiktüte 400 Jahre braucht um vollständig zu  verschwinden. Vielmehr geht es um das, was vorher passiert. Um den ständigen und kaum wahrnehmbaren Abrieb bei der Zersetzung.

Kleinste Teilchen, mit dem bloßen Auge oft gar nicht zu erkennen, gelangen so in die Umwelt und in den Kreislauf. Dieses Mikroplastik lagert sich nicht nur an Stränden, Seen oder in der Erde ab, sondern auch in den Körpern von Lebewesen. Die gesundheitlichen Folgen und Ausmaße sind heute noch gar nicht genau abzusehen. Nicht immer werden verschluckte Plastikteilchen durch den Körper geschleust und über den Verdauungstrakt wieder ausgeschieden. Weil die Zusatzstoffe im Plastik in der Regel fettlöslich sind, vermuten Wissenschaftler, dass es sich auch im Fettgewebe anreichern kann.

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Schon heute sind die Weltmeere voller Plastikmüll. 100 Millionen Tonnen, so die Schätzung. Laut Umweltbundesamt (UBA) treiben mittlerweile, durchschnittlich, 13.000 Plastikmüllpartikel auf jedem Quadratkilometer Meeresoberfläche. Sogar in den Tiefseegräben der Erde haben sie sich schon verteilt. Den Nordseefischen liegen die Kunststoffpartikel bereits schwer im Magen und so gelangen sie über die Nahrungskette auch wieder zurück zu uns.

Der Plastikmüll in der Nordsee, der Karibik oder im südchinesischen Meer wird von Wind und Wellen langsam zerrieben. Die größeren Teile schwimmen oben auf, aber die kleinsten Partikel sinken ab, auf den Meeresboden, driften und landen schließlich an allen Küsten der Welt.

Erst kürzlich haben britische Wissenschaftler der Universitäten Hull und Brunel in London Muscheln auf Mikroplastik hin untersucht. Entnommen in acht verschiedenen Küstenregionen und aus acht unterschiedlichen Supermärkten. Ergebnis: In allen Muscheln wurden kleinste Plastikteilchen gefunden. Selbst in solchen, die in gefiltertem Meerwasser lebten. In 100 Gramm Muschelfleisch sind – geschätzt – etwa 70 Mikroplastikteilchen zu finden.

Warum ist Mikroplastik so problematisch?

Mikroplastik überall – mit unserer Hilfe

Aber wir müssen nicht weit gehen, um Mikroplastik zu finden. Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) lässt in Zusammenarbeit mit der Universität Bayreuth und der TU München bereits seit Jahren auch Gewässer im Freistaat auf Mikroplastik untersuchen. Auch die bayerischen Seen und Flüsse sind belastet. An insgesamt  fünf Seen (Chiemsee, Starnberger See, Ammersee, Altmühlsee, Trinkwassertalsperre Mauthaus) und vier Flüssen (Donau, Isar, Inn und Altmühl) sind jeweils an verschiedenen Stellen Proben entnommen worden. Sowohl am Ufer wie auch an der Wasseroberfläche, mit speziellen Netzen um die kleinsten Teilchen auch zu erwischen. Bei der späteren Analyse im Labor ließ sich an allen untersuchten Orten Mikroplastik nachweisen.

Wir selbst spülen sie mit der Waschmaschine oder den Ausguss des Waschbeckens in die Umwelt. Kläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert. Letztlich könnte nur eine teure Schlussfiltration die Belastung deutlich reduzieren, wie eine Untersuchung des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) ergeben hat. Immerhin besteht Mikroplastik aus Teilchen von weniger als fünf Millimetern Größe.

Mikroplastik ist ein ökologisches Problem, weil es Schadstoffe an sich bindet und in die Nahrungskette gelangt.  Das Umweltbundesamt (UBA)  geht davon aus, dass alleine in Kosmetikprodukten jährlich etwa 500 Tonnen aus Polyethylen in Deutschland verwendet werden. Für eine im Oktober 2014 veröffentlichte Untersuchung, im Auftrag des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV) und des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden Proben aus dem Ablauf von zwölf Kläranlagen entnommen.

Je nach Anlagengröße gelangen pro Jahr zwischen 93 Millionen und 8,2 Milliarden Partikeln in die Vorfluter und damit in die Flüsse. Auch im Klärschlamm wurden große Mengen Mikroplastik gefunden. Je Kilogramm Trockenmasse waren es zwischen gut 1000 und mehr als 24.000 Teilchen. Für jede Kläranlage ergibt das hochgerechnet Werte zwischen 1,2 und 5,7 Milliarden Partikeln. Wenn Klärschlamm auf Felder ausgebracht wird, gelangen die Teilchen abermals in die Umwelt.

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Oder eben auch bis in die abgelegenen Gewässer der Erde, beklagt nicht nur der Bund für Umwelt und Naturschutz e.V. (BUND) : "Leichtes Mikroplastik schwimmt zum Großteil an der Meeresoberfläche. Hier wird es von Kleinstlebewesen aufgenommen, die eine wichtige Nahrungsquelle für Fische darstellen." Damit sind sie Bestandteil der Nahrungskette und eines Kreislaufs, der mehr und mehr mit kleinsten Partikel aus Plastik versetzt ist. ""

Mikroplastik und die Folgen

Welche Auswirkungen das auf Lebewesen hat, ist noch weitgehend unerforscht. Nach einer Studie der englischen University of Exeter lösen aufgenommene Hart-PVC-Teilchen Entzündungsreaktionen bei Wattwürmern aus. Mehr als 250 Meeresarten sind bekannt, die Plastik mit der Nahrung aufnehmen. Muscheln, die ihre Nahrung direkt aus dem Wasser filtern, sind natürlich anfälliger, als andere Lebewesen. Dennoch braucht es Langzeitstudien, um zu erforschen, wie sich Mikroplastik, der nun einmal nicht ins Fettgewebe gehört, bei Lebewesen über Jahre oder Jahrzehnte auswirkt. 

Umweltbelastungen durch in Kosmetikprodukten verwendete Mikrokunststoffpartikel können nach Einschätzung des Umweltbundesamtes (UBA) nicht ausgeschlossen werden. Seitens der Bundesregierung ist man aber seit Jahren eher nachsichtig:  "Dem Vorsorgeprinzip folgend wirkt sie daher unter anderem in einem Dialog mit der Kosmetikindustrie auf einen freiwilligen Ausstieg aus der Nutzung von Mikrokunststoffpartikeln in Kosmetikprodukten hin."

Wie langwierig sich dadurch konkrete Maßnahmen gestalten, haben wir bereits beim freiwilligen Verzicht des Handels auf die Ausgabe von Plastiktüten erlebt. Schweden hat in diesem Jahr bereits ein Verbot von Kosmetikprodukten durchgesetzt, die kleine oder kleinste Kunststoffpartikel enthalten. Ab Juli 2018 startet das Verkaufsverbot. Bis Anfang 2019 müssen bereits eingekaufte Produkte dann endgültig abverkauft werden.

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Mikropartikel müssten auch in Deutschland viel früher, also schon bei der Herstellung von Produkten, vermieden werden. Diese und ähnliche Forderungen von Umweltschutzverbänden wie Greenpeace oder dem BUND haben immerhin dazu geführt, dass der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e.V., seinen Mitgliedern empfiehlt, Mikroplastik aus Kosmetika zu entfernen. Und auch die neue EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie zwingt die Mitgliedsstaaten, das Müllvorkommen in den europäischen Meeresregionen besser zu überwachen und zu regulieren, mit dem Ziel, dass bis 2020 Abfälle keine weiteren schädlichen Effekte auf Meeresbewohner ausüben. Ob entsprechende  Maßnahmen tatsächlich greifen, scheint aber angesichts steigender Plastikabfälle mehr als fraglich.   

Fünf Produkte in denen sich Mikroplastik verstecken

1. Putzlappen und Schwämme

Viele Schwämme für Töpfe, alle Mikrofasertücher und Schwammtücher bestehen aus Plastikfasern. Beim Spülen und Schrubben lösen sich zwangsläufig kleine Partikel und werden in den Ausguss gespült. Es gibt auch Reinigungsschwämme, die aus reiner Pflanzenfaser wie Zellulose, Mais- oder Bambusfaser bestehen. Diese Schwämme kann man am Ende einfach in den Biomüll oder auf den Kompost werfen.

2. Waschmittel und Mikroplastik

Auch in vielen Weichspülern und Waschmitteln sind kleinste Kunststoffteilchen zu finden. Hier wird Polyethylen verwendet, um insbesondere bei Flüssigwaschmitteln diese gelartige Konsistenz herzustellen. Das lässt sich leicht auf der Inhaltsliste des Waschmittels feststellen. Wer wirklich plastikfrei seine Wäsche waschen will, kann so genannte Waschnüsse verwenden. Die machen Wäsche durch natürlich Saponine sauber. Der Nachteil: Die lange Transportweg aus Asien. Eine andere Option dazu ist das Waschkonzentrat von Uni Sapon. Das Konzentrat ist zwar in einer PET-Flasche abgefüllt, aber die Flasche kann man bei einer der Abfüllstationen von Uni Sapon wiederbefüllen. Darüber hinaus reicht eine 500 ml Flasche für 50 Waschgänge.

3. Mikroplastik im Kaugummi

Es ist lange her, dass Kaugummi tatsächlich hauptsächlich aus Chicle hergestellt worden ist, also dem Milchsaft des Breiapfelbaums. Heutzutage bestehen Kaugummis hauptsächlich aus Polymeren, also Kunststoffen auf Erdölbasis. Doch damit nicht genug: Weichmacher, Bindemittel, Farbstoffe und zumeist künstliche Aromen sind auch noch. Was genau und in welcher Zusammensetzung ist nicht einfach zusagen, denn die Hersteller berufen sich auf ihr Betriebsgeheimnis. Fakt ist: Fast alle Kaugummis sind auch nicht biologisch abbaubar.

4. Mikroplastik in Fleece-Klamotten

Aus einer Weiterentwicklung der Polyesterfasern entstehen die Fleece-Stoffe. Maschinen schneiden hierzu, hauchfein, die Schlingen der Maschenware auf, wodurch ein Flor entsteht. Ein Faserpelz auf dem Grundmaterial, der eine sehr feinporige und fühlbar flauschige Oberfläche hat. Das Fleece hat eine isolierende und wärmende Wirkung und  lässt sich leicht waschen. Wie der irische Meeresbiologe Mark Browne schon 2013 in einer Studie, die im Fachjournal "Environment and Technology Journal" veröffentlicht worden ist, zeigen konnte, verliert Fleecekleidung bei jedem Waschgang rund 2.000 winzige Kunststofffasern. Diese Kunststoff-Kleinstfasern werden von den wenigsten Sieben in der Waschmaschine oder in Kläranlagen aufgefangen und gelangen deshalb auch in die Meere. Auch in Strümpfe und Strumpfhosen sind sehr oft, wenigstens teilweise, Polyesterfasern verarbeitet.

5. Bodylotion und Peelings: Kosmetik mit Mikroplastik

Plastikkügelchen, die in Kosmetik- und Pflegeprodukten zu finden sind, bestehen meist aus Polyethylen (PE). PE ist ein sehr kostengünstiger und vielseitiger Stoff, der sich auch prima zum Binden von Flüssigkeiten eignet. Deshalb fühlt sich eine Creme auch so geschmeidig an: Weil Polyethylen drin ist. PE lässt sich ideal auch als Schleifmittel verwenden, und ist deshalb häufig in Peelings zu finden, die alte Hautschüppchen runterreiben sollen.

Fazit:

Wer sich über zu viel Plastik  aufregt oder Angst vor Mikroplastik in der Umwelt hat, kann selbst was tun. Und zwar jeden Tag. Durch Plastikvermeidung!

Tragetaschen aus Baumwolle sind zwar für den Einkauf nicht automatisch umweltfreundlicher, aber nach vielfacher Wiederverwendung schon. Verwenden Sie keine Peelings, Duschgels und Zahnpasten, die Kunststoffe (zum Beispiel Polyethylen) enthalten. Der BUND hat dafür einen umfassenden, aktualisierten Einkaufsratgeber zusammengestellt.

Dass der Druck der Verbraucher etwas bringt, hat sich bei der Zahnpasta gezeigt: Die Hersteller verzichten auch bei den Weißmacher-Pasten auf Plastikkügelchen. Selbst der BUND hat derzeit keine Erkenntnisse, dass Kunststoff in Zahnpasta enthalten ist. Statt Kunststoffen werden jetzt Mineralien und Ähnliches für das Entfernen von Belag auf den Zähnen verwendet. .


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