Bayern 1 - Experten-Tipps


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Verpackungsfrei einkaufen Wie ein Metzger mit diesen Boxen 1 Tonne Plastik spart

Die Plastikflut beim Wursteinkauf ist enorm. Ein Metzger aus Altenstadt zeigt, wie es ohne geht.

Author: Alexander Dallmus

Published at: 7-12-2022

Metzgerei verpackungsfrei | Bild: mauritius-images

https://www.ardaudiothek.de/episode/besser-leben-der-bayern-1-nachhaltigkeitspodcast/wie-kleine-ideen-und-initiativen-vor-ihrer-haustuer-die-welt-ein-bisschen-besser-machen/bayern-1/12105139/

Warum verpackungsfrei einkaufen?

Fakt ist: Wir haben in Deutschland ein Verpackungsmüll-Problem. Trotz aller Bekenntnisse, Aufrufe oder Einsichten: Der Verpackungsmüll nimmt seit Jahren eher zu als ab. Die Corona-Pandemie hat im Jahr 2020 zwar zu einem leichten Rückgang des Verbrauchs von Verpackungen geführt. Laut Umweltbundesamt (UBA) war der Rückgang auf insgesamt 18,8 Millionen Tonnen Verpackungsmüll - mit einem Minus von 0,7 Prozent - nur leicht, im Vergleich zum Vorjahr. Vor allem Kunststoffverpackungen wurden sowohl im privaten als auch im gewerblichen Bereich wieder mehr verbraucht.

Umso wichtiger ist und bleibt es, Plastik von vorneherein zu vermeiden. Das ist in manchen Bereichen gar nicht so einfach. Ein Recycling des Plastikmülls aus dem Gelben Sack, der dann hübsch aufbereitet wieder den Weg ins Supermarktregal findet, ist nicht erlaubt. Lebensmittel dürfen mit diesem recycelten Plastikmaterial nämlich nicht mehr umhüllt werden, sagt Maria Schäfer von der REWE-Group:

"Plastik aus dem Gelben Sack, gilt sozusagen als unrein und darf mit Lebensmitteln nicht mehr direkt in Kontakt kommen."

Maria Schäfer von der REWE-Group

Auch beim Metzger hinter der Theke ist die Plastikvermeidung beispielsweise nicht einfach. Auch wenn gerade hier Trennfolien oder speziell beschichtete Papiere zuhauf eingesetzt werden und spätestens zuhause in der Mülltonne oder im Gelben Sack landen. "Jeder, der an der Frischfleischtheke einkauft, kennt ja das Problem", sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern (HBE), "die Wurst kommt erst in Einwegfolie, das wird dann verpackt. Das kommt dann in eine Papiertüte und am Ende wird noch ein Bon drangetackert. Das ist eigentlich der tägliche Verpackungswahnsinn." Das System aufzubrechen ist schwierig, denn in Deutschland gelten sehr strenge Hygienevorschriften.  

Verpackungsfrei einkaufen: Wie funktioniert's?

Die Lebensmittelverordnung schreibt eben vor, dass nichts "von außen", also vom Kunden, hinter die Theke gelangen darf. "Denn sonst", erklärt Bernd Ohlmann vom HBE, "können dort zum Beispiel die Waage oder andere Materialien kontaminiert werden."

Zwar sind Supermärkte und Metzger dazu verpflichtet diese Hygieneverordnung einzuhalten, aber es gibt dennoch Möglichkeiten diese zu umgehen. Zum Beispiel darf eine mitgebrachte Box zwar nicht hinter die Theke, aber eben auf der Theke stehen bleiben. Manche Metzger oder auch Supermärkte bieten den Service und platzieren dort ein Tablett, auf das der Kunde dann seinen mitgebrachten Behälter stellen kann. Der Mitarbeiter kann dann das Tablett nehmen und die Wurst in die Box des Kunden legen, ohne dass sie - eben entsprechend den Vorschriften - mit irgendetwas hinter der Theke in Kontakt kommt. Mittlerweile praktizieren das viele Metzger und auch Mitarbeiter an den Frischetheken der großen Handelskonzerne. Ein Recht darauf, dass mitgebrachte Behältnisse mit Wurst und Fleisch befüllt werden, haben Kunden allerdings nicht.

Wachstuch als Alternative zu Plastik

Arnold Schleyer von der Firma "Compostella" im hessischen Laubach verkauft beispielsweise Plastikalternativen speziell für die Frischetheke: "Wir haben die plastikfreie Verpackung für Wurst und Käse entwickelt. Wir haben ein dichtes Papier genommen. Ein Papier, das aus reiner Cellulose besteht. Und haben es bestrichen mit einem natürlichen Wachs. Und natürliches Wachs heißt in dem Moment: Ein Pflanzenwachs." Das Naturwachs stammt von der Carnauba-Palme, einer Wachspalme aus Südamerika. Laut Anbieter "Compostella" haben sich die Beutel und Wachspapiere schon nach zwei Wochen in der Kompostieranlage komplett zersetzt.

Tipp: Wachstücher können Sie mit wenig Zeitaufwand auch selbst herstellen - hier erklären wir, wie: Bienenwachstuch selber machen: Nie wieder Frischhaltefolie!

Wie verpackungsfrei einkaufen?

Mit Pfand-Boxen gegen die Plastikflut: Metzgerei Filser in Altenstadt

Einige Metzger und Fleischer in Deutschland bieten ihren Kunden bereits ein Mehrwegsystem und damit eine sinnvolle und praktische Alternative an. Bayerns erstes Mehrweg-Pfandsystem gibt es seit 2019 in einer Metzgerei in Altenstadt, im Landkreis Weilheim Schongau. Das System ist einfach, und die Kunden nehmen es an: Oben hellgrün, unten durchsichtig - mit zwei Verschlussgriffen an der Seite, oben ein kleiner, verstellbarer Ring für das Haltbarkeitsdatum, dazu ein Loch für eine Vakuumpumpe, so sieht die Mehrwegbox in der Metzgerei in Altenstadt aus. Damals eine echte Neuheit an der Wursttheke.

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BR24

Mit Frischhalteboxen gegen den Plastikmüll - Frischhalteboxen ♻️ statt Plastiktüten: Damit spart eine Metzgerei in Altenstadt rund 400 Kilo Plastikmüll im Jahr.Gepostet von BR24 am Donnerstag, 19. September 2019

Der bekannteste Plastikboxhersteller meldete sich gleich gar nicht. Ein kleines Unternehmen aus Hessen brachte die Lösung: Die EcoBox. Steril, unempfindlich gegen Hitze und Kälte - ideal als "Metzger-Mehrweg-Box". "Die werden bei über 90 Grad nachgespült, so dass sie hygienisch einwandfrei sind", erklärt Ludwig Filser, "wir machen immer wieder Abklatschproben, die im Labor untersucht werden. Also die sind keimfrei". Jeder Kunde bekommt für seine mitgebrachte Mehrwegbox eine frische, gespülte und keimfreie neue.

Normalerweise fallen bei jedem Verpackungsvorgang an der Wurst- und Fleischtheke durchschnittlich 20 Gramm Plastik an. Einwickelpapier, Folien oder Plastikbecher für Fleischsalat und ähnliches. Ludwig Filser schätzt, dass er mittlerweile etwa 1,1 Tonne pro Jahr an Plastik einspart. Deutschlandweit und selbst aus Südtirol gab es Interesse und Nachfragen von Kollegen:

"Ich finde es einfach ein wichtiges Thema, wie wir Handwerksmetzger sagen können: Wir schauen, dass wir weniger Müll produzieren können und ich denke, dass das bei vielen ein Ausrufezeichen war, um sich abzuheben."

Ludwig Filser, Metzgermeister aus Altenstadt

Das Pfandsystem ist der Renner in der Metzgerei. Kein Mehraufwand für die Mitarbeiter, die Boxen sind schnell befüllt und auch wieder gereinigt. Kunden haben nicht nur ein gutes Gewissen, sie überzeugt auch die Praktikabilität und dass die Ware länger frisch bleibt - dank Vakuumsystem. Dafür gibt es viel Lob. Etwa die Hälfte der Kunden nutzt die "Metzger-Mehrwegbox" schon. Bei gut der Hälfte aller Einkäufe kommen schon jetzt die Mehrweg-Boxen zum Einsatz - und es werden immer mehr:

"Einer muss anfangen. Vielleicht haben wir so auch viele andere erreicht und können ihnen Mut machen, dass sie vielleicht auch auf den Zug aufspringen. Zusammen können wir was bewegen."

Metzgermeister Ludwig Filser, Altenstadt

Papier- statt Aluformen für Leberkäs

Einer wie der Ludwig Filser hat auch immer neue Ideen. Zum Beispiel sind seine Brätformen, für Leberkäse aus der hauseigenen Schlachtung, aus Papier. Aluminium lässt sich zwar grundsätzlich sehr gut recyceln, landet aber eben oft im Restmüll und ist stofflich damit aus dem Kreislauf. "In meinen Augen habe ich alles richtig gemacht. Sicher sind die Energiekosten ein bisschen höher, weil wir jetzt einfach mehr spülen müssen", gibt Ludwig Filser zu, "aber da wir 70 bis 80 Prozent unseres Stroms über erneuerbare Energien bekommen und die Wärme für die Spülmaschine aus dem Warmwasser unserer Hackschnitzel-Heizung stammt, können wir das guten Gewissens tragen."

Wo kann man verpackungsfrei einkaufen?

Niemand muss aber extra nach Altenstadt fahren, um Plastikverpackungen an der Wurst- oder Fleischtheke zu sparen. Wie oben erwähnt sind die meisten Metzger selbst in den Supermärkten bereit, mitgebrachte Mehrwegboxen zu befüllen, wenn die Hygienevorschriften eingehalten werden:

"Eins muss man auch ganz klar sagen: Wir merken zwar aus den Supermärkten, dass immer mehr Kunden nachfragen 'Kann ich nicht meinen eigenen Behälter mitbringen?' - und die Händler reagieren auch darauf. Aber von einer flächendeckenden Invasion zu sprechen, dass massenhaft Kunden dastehen, davon kann überhaupt keine Rede sein. Das ist bislang immer noch die absolute Ausnahme in den bayerischen Supermärkten."

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern (HBE)

Es liegt also wie so oft an uns, den Verbrauchern, ein Zeichen zu setzen. Schließlich kauft man Wurst meist nicht spontan ein, sondern geplant und gezielt. Einfach dran denken :-)

Quellen:

Podcast "Besser leben. Der BAYERN 1 Nachhaltigkeitspodcast"

Alle Episoden zum Nachhören oder auch den Podcast im Abo gibt's jederzeit und kostenlos bei iTunes, Spotify und der ARD Audiothek.
Alle Folgen zum Nachlesen finden Sie auf der Übersichtsseite "Besser leben. Der BAYERN 1 Nachhaltigkeitspodcast".

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