Bayern 1 - Experten-Tipps


9

Verpackungsfrei einkaufen Wie ein Metzger mit diesen Boxen 400 kg Plastik spart

Zuerst kommt die Trennfolie, dann Plastik und dann nochmal eine Tüte - die Plastikflut beim Wursteinkauf ist enorm. Der BAYERN 1 Umweltkommissar zeigt eine einfache Alternative von einem Metzger aus Altenstadt.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 25.09.2019

Metzgerei verpackungsfrei | Bild: mauritius-images

Warum verpackungsfrei einkaufen?

Fakt ist: Wir haben in Deutschland ein Verpackungsmüll-Problem. Trotz aller Bekenntnisse, Aufrufe oder Einsichten. Der Verpackungsmüll nimmt seit Jahren eher zu als ab. Das neue Verpackungsgesetz, das mit Beginn 2019 in Kraft getreten ist, soll zwar zumindest die Recyclingquote deutlich erhöhen und Händler sowie Hersteller mehr Verantwortung übertragen. Es gilt das Prinzip der "erweiterten Produktverantwortung", weil Händler, die Verpackungen (inklusive Füllmaterial) in Umlauf bringen, auch dafür Sorge tragen müssen, dass diese verwertet oder zurückgenommen werden können. Noch besser ist es aber, Plastik gleich von vornherein zu vermeiden.

Das ist in manchen Bereichen gar nicht so einfach. Ein Recycling des Plastikmülls aus dem Gelben Sack, der dann - hübsch aufbereitet - wieder den Weg ins Supermarktregal findet, ist nicht erlaubt. Lebensmittel dürfen mit diesem recycelten Plastikmaterial nämlich nicht mehr umhüllt werden, sagt Maria Schäfer von der REWE-Group:

"Plastik aus dem Gelben Sack, gilt sozusagen als unrein und darf mit Lebensmitteln nicht mehr direkt in Kontakt kommen."

Maria Schäfer von der REWE-Group

Auch beim Metzger hinter der Theke ist die Plastikvermeidung beispielsweise nicht einfach. Auch wenn gerade hier Trennfolien oder speziell beschichtete Papiere zuhauf eingesetzt werden und spätestens zuhause in der Mülltonne oder im Gelben Sack landen. "Jeder, der an der Frischfleischtheke einkauft, kennt ja das Problem", sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern (HBE), "die Wurst kommt erst in Einwegfolie, das wird dann verpackt. Das kommt dann in eine Papiertüte und am Ende wird noch ein Bon drangetackert. Das ist eigentlich der tägliche Verpackungswahnsinn." Das System aufzubrechen ist schwierig, denn in Deutschland gelten sehr strenge Hygienevorschriften.  

Verpackungsfrei einkaufen: Wie funktioniert's?

Die Lebensmittelverordnung schreibt eben vor, dass nichts "von außen", also vom Kunden, hinter die Theke gelangen darf. "Denn sonst", erklärt Bernd Ohlmann vom HBE, "können dort zum Beispiel die Waage oder andere Materialien kontaminiert werden."

Zwar sind Supermärkte und Metzger dazu verpflichtet diese Hygieneverordnung einzuhalten, aber es gibt dennoch Möglichkeiten diese zu umgehen. Zum Beispiel darf eine mitgebrachte Box zwar nicht hinter die Theke, aber eben auf der Theke stehen bleiben. Manche Metzger oder auch Supermärkte bieten den Service und platzieren dort ein Tablett, auf das der Kunde dann seinen mitgebrachten Behälter stellen kann. Der Mitarbeiter kann dann das Tablett nehmen und die Wurst in die Box des Kunden legen, ohne dass sie - eben entsprechend den Vorschriften - mit irgendetwas hinter der Theke in Kontakt kommt. Wirkt affig, ist aber zumindest ein Schlupfloch, das es ermöglicht, dem Plastikverpackungswahnsinn zu entgehen. Nicht nur einzelne Metzger, auch die großen Handelskonzerne experimentieren damit.

"Die großen Supermärkte, wie REWE oder Edeka, testen schon seit langem Möglichkeiten, dass der Kunde selbst Tupperware mitbringt und dann die Wurst eingepackt rübergibt."

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern (HBE)

Wachstuch als Alternative zu Plastik

Arnold Schleyer von der Firma "Compostella" im hessischen Laubach verkauft beispielsweise Plastikalternativen speziell für die Frischetheke: "Wir haben die plastikfreie Verpackung für Wurst und Käse entwickelt. Wir haben ein dichtes Papier genommen. Ein Papier, das aus reiner Cellulose besteht. Und haben es bestrichen mit einem natürlichen Wachs. Und natürliches Wachs heißt in dem Moment: Ein Pflanzenwachs." Das Naturwachs stammt von der Carnauba-Palme, einer Wachspalme aus Südamerika. Laut Anbieter "Compostella" haben sich die Beutel und Wachspapiere schon nach zwei Wochen in der Kompostieranlage komplett zersetzt.

Tipp: Wachstücher können Sie mit wenig Zeitaufwand auch selbst herstellen - hier erklären wir, wie: Bienenwachstuch selber machen: Nie wieder Frischhaltefolie!

Wie verpackungsfrei einkaufen?

Mit Pfand-Boxen gegen die Plastikflut: Metzgerei Filser in Altenstadt

Einige Metzger und Fleischer in Deutschland bieten ihren Kunden bereits ein Mehrwegsystem und damit eine sinnvolle und praktische Alternative an. Bayerns erstes Mehrweg-Pfandsystem gibt es in einer Metzgerei in Altenstadt, im Landkreis Weilheim Schongau. Das System ist einfach, und die Kunden nehmen es an: Oben hellgrün, unten durchsichtig – mit zwei Verschlussgriffen an der Seite, oben ein kleiner, verstellbarer Ring für das Haltbarkeitsdatum, dazu ein Loch für eine Vakuumpumpe, so sieht die Mehrwegbox in der Metzgerei in Altenstadt aus. Eine echte Neuheit an der Wursttheke.

Facebook-Vorschau - es werden keine Daten von Facebook geladen.

BR24

Mit Frischhalteboxen gegen den Plastikmüll - Frischhalteboxen ♻️ statt Plastiktüten: Damit spart eine Metzgerei in Altenstadt rund 400 Kilo Plastikmüll im Jahr.Gepostet von BR24 am Donnerstag, 19. September 2019

Nach dieser Frischhaltebox hat Metzgermeister Ludwig Filser eineinhalb Jahre gesucht, jetzt hat er Bayerns erstes Mehrweg-Pfandsystem in einer Metzgerei eingeführt. Der Kunde bekommt die Box gleich am Eingang, lässt sie sich befüllen und nimmt sie mit nach Hause. Dann zahlt er Pfand und bringt die Box beim nächsten Besuch gereinigt wieder zurück:

"Wir packen den neuen Einkauf in neue Boxen ein, weil die frisch gespült sind und jeder Einkauf verschieden ist - und an der Kasse wird das Pfand zurück verrechnet wie im Getränkemarkt."

Metzgermeister Ludwig Filser, Altenstadt

Normalerweise fallen bei jedem Verpackungsvorgang an der Wurst- und Fleischtheke durchschnittlich 20 Gramm Plastik an. Hochgerechnet auf 100 Kunden am Tag, sind das über 400 Kilo Plastikmüll im Jahr. Die Initialzündung dazu kam aber nicht vom Metzger-Ehepaar Ludwig und Barbara Filser, sondern von ihrer Tochter: "Wir haben ein Paket bekommen, da war nur eine kleine Sache mit Unmengen Füllmaterial drin. Da hat unsere vierjährige Tochter gefragt: 'So viel Müll, für so ein kleines Teil und muss das sein?'", erzählt Barbara Filser.

Dabei war die Suche nach der richtigen Box schwieriger als gedacht. Der bekannteste Plastikboxhersteller meldete sich gleich gar nicht; andere Anbieter haben verlangt, dass die Filsers gleich tausende Boxen abnehmen. Ein kleines Unternehmen aus Hessen brachte die Lösung: Die EcoBox. Steril, unempfindlich gegen Hitze und Kälte - ideal als "Metzger-Mehrweg-Box". Sie kann leicht sterilisiert werden, ist Hitze-Kälte-unempfindlich und kann sogar zu 100 Prozent recycelt werden. Boxen, die zurückkommen, werden natürlich in einer Spülmaschine gereinigt. "Sie sind wirklich sauber, heiß gereinigt und keimfrei und ich kann sie unseren Kunden jetzt gekühlt und guten Gewissens dem Kunden gefüllt wieder mitgeben."

Das Pfandsystem ist der Renner in der Metzgerei. Kein Mehraufwand für die Mitarbeiter, die Boxen sind schnell befüllt und auch wieder gereinigt. Kunden haben nicht nur ein gutes Gewissen, sie überzeugt auch die Praktikabilität und dass die Ware länger frisch bleibt - dank Vakuumsystem. Dafür gibt es viel Lob. Etwa die Hälfte der Kunden nutzt die "Metzger-Mehrwegbox" schon. Bei gut der Hälfte aller Einkäufe kommen schon jetzt die Mehrweg-Boxen zum Einsatz - und es werden immer mehr:

"Einer muss anfangen. Vielleicht haben wir so auch viele andere erreicht und können ihnen Mut machen, dass sie vielleicht auch auf den Zug aufspringen. Zusammen können wir was bewegen."

Metzgermeister Ludwig Filser, Altenstadt

Wo kann man verpackungsfrei einkaufen?

Niemand muss aber extra nach Altenstadt fahren, um Plastikverpackungen an der Wurst- oder Fleischtheke zu sparen. Wie oben erwähnt sind die meisten Metzger selbst in den Supermärkten bereit, mitgebrachte Mehrwegboxen zu befüllen, wenn die Hygienevorschriften eingehalten werden:

"Eins muss man auch ganz klar sagen: Wir merken zwar aus den Supermärkten, dass immer mehr Kunden nachfragen 'Kann ich nicht meinen eigenen Behälter mitbringen?' - und die Händler reagieren auch darauf. Aber von einer flächendeckenden Invasion zu sprechen, dass massenhaft Kunden dastehen, davon kann überhaupt keine Rede sein. Das ist bislang immer noch die absolute Ausnahme in den bayerischen Supermärkten."

Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern (HBE)

Es liegt also wie so oft an uns, den Verbrauchern, ein Zeichen zu setzen. Schließlich kauft man Wurst meist nicht spontan ein, sondern geplant und gezielt. Einfach dran denken :-)

Quellen:

https://www.fleischwirtschaft.de/... Frischebox ersetzt Plastiktüte

https://utopia.de/... Eigener Behälter statt Plastikverpackung

https://ze.tt/... Edeka testet Strategie, um Plastikmüll zu vermeiden

https://ozeankind-shop.de/... Unverpackt im Supermarkt einkaufen - was ist erlaubt?

BAYERN 1 Umweltkommissar als Podcast abonnieren

Hier erhalten Sie unseren Umweltkommissar als Podcast: 
Alle Folgen im BR-Podcast Center oder bei iTunes anhören, downloaden - und abonnieren


9