Bayern 1 - Experten-Tipps


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Wie kann das sein? Länger Waschen spart Energie

Moderne Waschmaschinen brauchen pro Waschgang deutlich mehr Zeit als alte Modelle. Je länger die Maschine wäscht, desto mehr Strom verbraucht sie - oder doch nicht? Der Bayern 1-Umweltkommissar geht dem Widerspruch nach.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 21.05.2013

Illustration: Der Umweltkommissar schläft an eine Waschmaschine gelehnt | Bild: BR/Susanne Baur

Kann das ökologisch sinnvoll sein? Moderne Waschmaschinen mit der Energieeffizienz-Klasse A+++ brauchen für eine Ladung 40-Grad-Wäsche über zweieinhalb Stunden. Das verbraucht doch mehr Strom als ältere Maschinen, die für dieselbe Waschladung knapp zwei Stunden brauchen, möchte man meinen. Beim Waschen kommt's jedoch auf vier Faktoren an, die Zeit ist nur einer davon.

Vier Faktoren bestimmen das Waschergebnis

  • Waschmittel
  • Mechanik (Beschaffenheit der Waschtrommel, wie bewegt sie sich, ...)
  • Temperatur
  • Zeit

Wenn einer der vier Faktoren verändert wird, wirkt sich das auf die anderen drei aus.

Waschmaschinen-Hersteller haben auf die Wirkung von Waschmittel keinen Einfluss. Auch die Mechanik ist bereits sehr ausgereift, hier lässt sich der Energieverbrauch kaum noch verbessern. "Das Potenzial, mit noch besserer Mechanik noch mehr Energie einzusparen, ist sehr gering", erklärt Werner Scholz. Er ist beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) für den Bereich Elektrohausgeräte verantwortlich.

Temperatur

Das Aufheizen des Wassers verbraucht zwar den größten Anteil an Energie, aber auch hier sind die Spielräume begrenzt. Die Waschtemperatur kann nicht beliebig gesenkt werden, weil sonst die Waschmittel nicht mehr richtig wirken. Waschmittel enthalten zum Beispiel Enzyme, die ihre Wirkung erst bei bestimmten Temperaturen entfalten.

Auch aus hygienischen Gründen sollte die Waschtemperatur nicht unter 40 Grad liegen. Viele Keime überleben sonst. Bei normal verschmutzter Wäsche reichen 40 Grad aus, bei stark verschmutzter Wäsche sind 60 Grad ausreichend. Um Keime in der Maschine abzutöten, sollte einmal im Monat mit 60 Grad gewaschen werden. Die 95-Grad-Wäsche ist heutzutage ein Ausnahmefall.

Waschmaschine am Warmwasseranschluss anschließen?

Ob es sich lohnt, die Waschmaschine am Warmwasseranschluss anzuschließen, hängt von mehreren Faktoren ab. Wichtig ist, wie das warme Wasser erhitzt wird. Lohnen könnte es sich bei modernen Brennwertheizungen, einer Wärmepumpe oder Solaranlage. Allerdings muss auch die Waschmaschine dafür ausgestattet sein. Ob sich der Anschluss finanziell rechnet, weil zum Beispiel neue Leitungen verlegt werden müssen, muss im Einzelfall geprüft werden.

Zeit

Das Waschergebnis hängt stark davon ab, wie lange ein Waschzyklus dauert. In den vergangenen Jahren sind die Waschprogramme immer länger geworden, damit die Wäsche genauso sauber wird wie früher, als die Programme kürzer liefen, aber mehr Energie eingesetzt wurde. Ein langer Waschzyklus verbraucht weniger Energie als ein kurzer.

"Dieser Widerspruch lässt sich am Beispiel Autofahren erläutern: Wer eine Strecke von 100 Kilometern mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h fährt, braucht deutlich mehr Sprit als bei Tempo 50 für dieselbe Strecke. Dafür dauert die Fahrt halt länger."

Werner Scholz, Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI)

Fakten zum Waschen

  • Pro Person fallen in Deutschland pro Woche vier Kilogramm Schmutzwäsche an.
  • Waschen verbraucht pro Jahr etwa sechs Milliarden Kilowattstunden Strom und 330 Millionen Kubikmeter Wasser.
  • Eine neue Waschmaschine verbraucht bei durchschnittlicher Nutzung jährlich fast 30.000 Liter Wasser, 200 Kilowattstunden Strom und neun Kilogramm Waschmittel weniger als eine Maschine vor 25 Jahren.
  • Trotz geringeren Energieverbrauchs haben moderne Waschmaschinen eine höhere Waschleistung als alte Modelle: Die heutige 40-Grad-Wäsche ist vergleichbar mit der 60-Grad-Wäsche.
  • Energie lässt sich vorallem durch Absenken der Wassertemperatur sparen. Das Drehen der Trommel verbraucht vergleichsweise wenig Strom.
  • Die längere Waschdauer verbessert das Waschergebnis bei niedriger Temperatur und spart bis zu 50 Prozent Energie ein.
  • Ein Zwei-Personen-Haushalt entlastet die Umwelt bei niedriger Waschtemperatur durch ca. 33 Kilogramm weniger CO2-Ausstoß im Jahr (Quelle: Universität Bonn, Haushaltstechnik)

Vergleich: Alte und neue Waschmaschinen

  • Eine 15 Jahre alte Waschmaschine verursacht in einem Vier-Personen-Haushalt 75 Euro Mehrkosten pro Jahr.
  • Eine 15 Jahre alte Waschmaschine verbraucht doppelt so viel Energie und Wasser wie eine moderne Maschine.
  • Eine 30 Jahre alte Maschine verbraucht viermal so viel Energie und Wasser wie eine moderne.

Fazit

Geduld beim Wäschewaschen zahlt sich aus - für die Umwelt und den Geldbeutel.


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