Bayern 1 - Experten-Tipps


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Äpfel im Vergleich Was ist besser für die Umwelt: Bodensee- und Neuseelandapfel?

Warum Äpfel aus Neuseelannd kaufen, wenn sie doch auch in Bayern wachsen? Auf den ersten Blick haben heimische Äpfel eine bessere Ökobilanz als Obst aus Übersee. Der Bayern 1-Umweltkommissar beleuchtet den Apfel von allen Seiten.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 25.04.2018

Illustration: Der Umweltkommissar betrachtet kritisch zwei Stapel mit Äpfeln, von denen eine Sorte aus der Region und eine Sorte aus Übersee kommt | Bild: BR/Susanne Baur

Übersee  oder Bodensee – Das Ding mit der Ökobilanz bei Äpfeln

Auf den ersten Blick scheint der Fall keiner Rede wert: Äpfel aus der Region MÜSSEN ja eine bessere Ökobilanz haben, als Äpfel aus Übersee. Die Äpfel vom anderen Ende der Welt sind schließlich tausende von Kilometern unterwegs und eine Faustregel gilt nach wie vor: Je länger und aufwendiger ein Produkt transportiert werden muss, desto schlechter wirkt sich das unterm Strich auf den ökologischen Fußabdruck der Produkte aus.

Andererseits sind die Zeiten in denen zur deutschen Apfelernte noch 40 oder 50 Kilo Äpfel pro Haushalt gekauft wurden und bis ins Frühjahr hinein, in dunklen, kühlen Kellergewölben vor sich hin schrumpeln konnten, längt vorbei. Wir Verbraucher wollen immer knackiges und „frisches“ Obst. Zu jeder Zeit. Auch im April oder Mai, wenn es nun mal in Deutschland eigentlich keine reifen Äpfel gibt. Dass wir im Frühjahr trotzdem noch knackige Äpfel vom Bodensee oder zumindest aus dem nächst gelegenen Südtirol im Supermarkt finden, liegt an der speziellen Lagerung, die überaus energieintensiv ist.

Äpfel aus Neuseeland, die per Schiff kommen, haben unter Umständen eine bessere Ökobilanz als bayerische Äpfel.

Weit weg, in Neuseeland oder Chile ist oder war dagegen gerade Erntesaison. Auf riesigen Apfelplantagen, wird das Obst millionenfach abgeerntet und mit Containerschiffen  nach Europa gebracht. Und tatsächlich – auch wenn es unglaublich scheint – können Äpfel aus Neuseeland oder Chile um die halbe Welt verschifft werden und sind trotzdem für weniger Treibhausgase verantwortlich, als ein Apfel der zur gleichen Jahreszeit vom Bodensee kommt. Aber eben nur unter bestimmten Umständen und wenn alle Details stimmen. Selbst Experten, wie die Forscher des Heidelberger Instituts für Energie- und Umweltforschung müssen viel rechnen, um so eine Aussage zu untermauern.

Nur was Saison hat, ist wirklich gut!

Eine Faustregel ist gültig und einfach zu merken: Wer überwiegend saisonal, aus der Region einkauft und sich strikt daran hält, unterstützt nicht nur die lokalen Betriebe, sondern tut auch der Natur etwas Gutes. Es liegt nämlich auf der Hand, dass Salat, Tomaten oder Äpfel aus der Region, von Frühsommer bis Herbst – also wenn sie eben in Deutschland natürlich wachsen und gedeihen – eine bessere Umweltbilanz aufweisen, als Gemüse, das in dieser Zeit aus Übersee kommt. Eine klare Angelegenheit!

Im Winter bis ins Frühjahr, sieht das etwas anders aus. Hier in Deutschland müssen Gewächshäuser beheizt oder auch Äpfel über Monate speziell gelagert und gekühlt werden. Das bindet natürlich enorm viel Energie, während anderswo auf der Welt die Sonne scheint und Obst und Gemüse ganz natürlich wachsen kann.

Beispiel: Neuseeländische Äpfel, die Ende März gepflückt werden, sind vier Wochen mit dem Containerschiff unterwegs und liegen Ende April im deutschen Laden. Selbst bei geernteten deutschen Äpfeln, die im Oktober gepflückt und dann für einige Monate speziell gelagert werden müssen, ist der Energieverbrauch am Ende nur gut ein Viertel höher, als bei den Äpfeln aus Übersee. Werden noch Folien, Gewächshäuser und Heizgeräte verwendet, kippt die Umweltbilanz leicht und macht die Äpfel aus Übersee sogar „umweltfreundlicher“. Eine dauerhafte Kühlung von 1 Grad Celsius der deutschen Äpfel und der weitgehende Entzug von Sauerstoff, um den Reifprozess extrem zu verlangsamen, wirken sich natürlich irgendwann sehr negativ auf die CO2-Bilanz aus. Sagt auch Lebensmittelexpertin Katarina Schickling: „weil der nämlich dann so lange in einem Kühlhaus lag und da feucht besprüht worden ist, damit der auch im April noch so knackig ist, wie unmittelbar nach der Ernte. Dass dann möglicherweise die Ökobilanz vom chilenischen Apfel, der frisch geerntet und nur ein bisschen Schiff gefahren ist, möglicherweise besser ist, als die des deutschen Apfels.“

Das beeinflusst die Ökobilanz?

  • Wie und wo werden die Äpfel angebaut. Es ist natürlich ein himmelweiter Unterschied, ob die Äpfel auf einer Streuobstwiese wachsen oder auf Plantagen angebaut werden.
  • Ob konventionell oder ökologisch angebaut wird, spielt insbesondere beim Einsatz von Pestiziden und der Belastung der unmittelbaren Umgebung eine gewichtige Rolle. Aber auch Unterschiede beim konventionellen Anbau, können in den jeweiligen Ländern unterschiedlich sein.
  • Kurze Transportwege belasten die Umwelt natürlich weit weniger, als lange Wege, die zwangsläufig einen höheren Ausstoß von Klimagasen und Luftschadstoffen wie Feinstaub oder Stickoxiden mit sich bringen.
  • Natürlich schlägt das Kühlhaus für Obst aus der Region negativ zu Buche, allerdings werden auch Äpfel aus Übersee oftmals zwischengelagert und liegen wochenlang in einem Kühlhaus. Zum Beispiel in Antwerpen, dem weltweit  größten Hafen für Stückgut.
  • Wenn Flugzeuge zum Transport eingesetzt werden, ist es mit der Umweltbilanz im Vergleich regional-Übersee sowieso Essig. Wer im Winter Bio-Erdbeeren aus Spanien kauft, muss sich im Klaren darüber sein, dass es allein über den Transportweg zu einem immensen CO2-Ausstoß kommt. Egal ob im Ursprungsland ökologisch angebaut wird oder nicht.

Für den Verbraucher einfacher, wäre es natürlich, er könnte gleich bei der Ausschilderung des Produkts erkennen, wie es um die Ökobilanz steht. Ein schöner und nützlicher Service, findet prinzipiell auch Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern: „Das wäre wünschenswert, allerdings ist der Aufwand der Ökobilanzberechnung extrem hoch und je nachdem welches Unternehmen das in Auftrag gibt, bekommt man dann auch häufig ganz andere Daten. Das erscheint mir derzeit sehr schwer zu sein, dass man CO2-Fußabdrücke auf den jeweiligen Produkten abbildet.“

Die zweite Ebene: Wie kaufen Sie die Äpfel?

Auf den ersten Blick, scheint es gerechtfertigt, sich über Obst oder Gemüse, das tausende von Kilometer unterwegs war, aufzuregen. Muss ja nicht sein! Und wer vorzugsweise Produkte aus der Region kauft, hilft nicht nur der Umwelt, erklärt Nicole Weik vom Bundesverband der Regionalbewegung: „Landwirte prägen, vor allem in Bayern, maßgeblich die Kulturlandschaft. Das erhalte ich alles dadurch. Und schütze natürlich die Umwelt, indem ich kurze Transportwege erhalte. Bringt natürlich nichts, wenn ich zum Einkaufen mit dem SUV fahre. Da sollte man ein bisschen drauf achten, wie man einkaufen geht, sonst macht das auch die schöne Umweltbilanz regionaler Produkte schnell kaputt.“

Tatsächlich beweist das eine kleine Rechnung, die der niederländische Bio-Großhändler Eosta errechnet hat: So liegt demnach der CO2-Ausstoß für ein Kilogramm Bio-Äpfel aus Argentinien bei etwa 163 Gramm. Der Energieverbrauch für den Transport ist da mit eingerechnet. Ein Truck, der die Äpfel zum Hafen bringt, die dort in ein riesiges Containerschiff verladen werden, welches wiederum das Obst über das Meer zu uns bringt. Aber alles ist eben verteilt auf viele Tonnen; die Masse macht’s!

Einkaufen mit dem Auto verschlechtert die Öko-Bilanz des Apfels.

Wer jetzt mit dem eigenen Mittelklassewagen zum Supermarkt fährt, um heimische Äpfel zu kaufen, bewegt für ein Kilo Äpfel, rund eine Tonne Blech und entsprechend schlecht fällt die Umweltbilanz aus. Das Auto allein sorgt schon für 160 Gramm CO2 für jeden gefahrenen Kilometer. Im Fahrradkorb wäre die Rechnung anders aufgegangen.

Fazit:

Wer saisonal einkauft und sich danach richtet, macht alles richtig. Spargel oder Erdbeeren im Winter müssen ja auch nicht unbedingt sein. Bei exotischen Produkten wie Kaffee, Bananen, Zitrusfrüchten oder Ananas, hat der Verbraucher eh keine Wahl, sondern ist darauf angewiesen, dass die Produkte beim Anbau klimaschonend angebaut werden.

Allerdings ist es auch nicht so einfach Produkte aus Übersee generell zu verdammen, denn unter bestimmten Umständen weisen die eine bessere Umweltbilanz auf, als Produkte aus der Region. Das kann eben auch für den Apfel aus Neuseeland und Chile gelten. Zumindest für einen bestimmten Zeitraum im Frühjahr.

Äpfel richtig lagern:

Äpfel nicht neben Bananen lagern.

Heimische Äpfel kaufen und einlagern! Das ist in jedem Fall die beste Möglichkeit die CO2-Bilanz für Äpfel aus der Region konstant niedrig zu halten. Temperaturen von ein bis zwei Grad sind ideal. Wer einen hat, nutzt den dunklen kühlen Keller. In den Mehrzonenkühlschränken ist eben nicht so viel Platz um den ganzen Winter mit den Äpfeln über die Runden zu kommen.

Wichtig ist auch in welcher Umgebung die Äpfel lagern. Sie setzen nämlich das Pflanzenhormon Ethylen frei und bringen damit auch andere Früchte zum Reifen. Das merken Sie gerade bei Kiwis, Bananen oder Birnen. 


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