Bayern 1 - Experten-Tipps


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Abfall oder Wertstoff Wie sinnvoll ist Mülltrennen?

Flaschen in den Glascontainer, Zeitungen zum Altpapier, Apfelbutzen in die Biotonne: Die Deutschen sind Weltmeister im Mülltrennen. Lohnt sich das oder wird alles miteinander verbrannt? Der Bayern 1-Umweltkommissar ermittelt.

Von: Alexander Dallmus

Stand: 14.05.2013

Illustration: Der Umweltkommissar trennt Müll | Bild: BR/Susanne Baur, Creativ Collection

In Deutschland weiß jedes Kind, dass Glas in den Container, Zeitungen in die Papiertonne und Joghurtbecher in die Gelbe Tonne gehören.

Flaschen kommen in den Altglascontainer.

Doch was passiert eigentlich mit unserem Restmüll oder dem Inhalt aus dem Gelben Sack? Findet unser Verpackungsmüll tatsächlich seinen Weg in die Recyclinganlage? Viele haben Bedenken, dass am Ende doch alles unsortiert in der Müllverbrennung landet. Sie fragen sich, welchen Sinn ihre Mülltrennung dann noch hat.

Rückblick

In den 90er-Jahren begann alles mit viel gutem Willen: Millionenfach wurden Gelbe Säcke an deutsche Haushalte verteilt. Damit sollten mehr Wertstoffe aus dem Müll gefischt werden, um daraus wieder neue Produkte herzustellen. Organisiert wird das Sammeln und Sortieren vom Dualen System Deutschland (DSD).

Der Anfang des dualen Systems war holprig. Zunächst gab es noch keine entsprechenden Sortier- und Verwertungsanlagen für die Menge an Wertstoffen, die plötzlich getrennt wurden. Außerdem fehlte die hochmoderne Technologie der Anlagen, die wir heute haben. So wurde viel Müll einfach nur verbrannt oder illegal ins Ausland abtransportiert. Für die Menschen bestand deshalb noch kein großer Anlass, ihren Müll zu sortieren.

Heute: Weltmeister im Mülltrennen

Auch moderne Sortiermaschinen brauchen kaum noch menschliche Unterstützung.

Heutzutage ist das anders. Die Deutschen sind Weltmeister im Mülltrennen. Fast 20 Jahre nach Einführung von Grünem Punkt und Gelbem Sack gibt es hochmoderne Sortiermaschinen zum Trennen und Sortieren des Abfalls. Die Bänder laufen dreimal schneller als in den 90ern. Infrarotdetektoren, Siebe und Magnete, arbeiten so exakt, dass vom Sortierrest der alten Anlage am Ende wiederum nur ein kleines Häufchen Ausschuss übrig bleibt. Alles andere landet, sauber getrennt, in Containern.

Sortieranlagen sind heute die Regel. Das beweist, dass nicht alles verbrannt wird. Dennoch ist dieses Gerücht unter vielen Bürgern noch im Umlauf, weil sie sich an frühere Zeiten erinnern.

"Das sind Wertstoffe im wahrsten Sinne des Wortes mit einem positivem Marktwert. Fürs Verbrennen müsste man sogar bezahlen. Das ergibt wirtschaftlich keinen Sinn."

Benjamin Bongart, Abfallexperte beim Naturschutzbund NABU

Fast 60 Prozent unseres Mülls werden recycelt. Vom Restmüll sind bis zu 20 Prozent gut wiederverwertbar und zu schade zum Verbrennen. Kunststoffbehälter, Glas, Dosen aus Eisenblech und vieles mehr werden stofflich wiederverwertet. Im Gegensatz zu früher werden heute auch Joghurtbecher und andere kleinere Kunststoffverpackungen recycelt, weil der Kunststoff, aus dem sie gemacht sind (Polypropylen), als Recyclingware sehr gefragt ist.

Vorsortieren entlastet Sortiermaschinen

Aber wieso überhaupt Müll trennen, wenn es doch sowieso hochmoderne Sortieranlagen gibt, die das alles machen? Aus verschiedenen Gründen. Der Wichtigste: Die Sortiermaschinen funktionieren nicht effektiv, wenn der Müll nicht richtig getrennt ist. Bei Essensresten in einem Container mit Wertstoffen ist die Säuberung trotz moderner Maschinen kaum noch effizient zu bewerkstelligen – dann werden die getrennten Wertstoffe eben doch als Restmüll verbrannt.

Sauber, nicht rein

Joghurtbecher sollte man nicht ausspülen. Sie müssen nicht sauber in die Sortieranlagen oder zur Verbrennung. Das überflüssige Spülen verbraucht lediglich Energie und Wasser und belastet die Umwelt durch den Einsatz von Spülmitteln zusätzlich.

Wertstofftonnen mit offensichtlichen Fehlwürfen werden von der Müllabfuhr deshalb oft erst gar nicht mitgenommen. Oder wenn zum Beispiel in der Biotonne nicht nur Bioabfall, sondern auch Plastik drin ist, ist die gesamte Tonne wertlos und kann nicht zu Kompost weiterverarbeitet werden. Außerdem verbrauchen Sortieranlagen sehr viel Energie und Zeit.

Mülltrennung ist also laut Untersuchungen ökologisch vorteilhaft. Je mehr man auf die Mülltrennung achtet, desto mehr unterstützt man das System, bei dem der Müll am Ende wiederverwertet und nicht verbrannt wird.

Was passiert wirklich mit unserem Müll?

In den unterschiedlichen Bundesländern existieren verschiedene Müllentsorgungstechniken. Entweder stehen den Bürgern gelbe Säcke zur Verfügung oder sie bringen ihren Müll zu Sammelcontainern und direkt zum Wertstoffhof.

Müll aus dem Gelben Sack wird als Rohstoff wiederverwertet.

Die Abfälle aus dem Gelben Sack werden nach dem Sortieren als Rohstoffe wieder verwertet. Metalle zum Beispiel können für die Stahlerzeugung benutzt werden. Aus Kunststoffen werden neue Kunststoffprodukte. Alles aus dem Altpapiercontainer wird zu neuen Papierprodukten verarbeitet. Aus Altglas werden neue Glasprodukte hergestellt.

Blaues Glas

Die blaue Flasche gesellt sich im Altglas zu den grünen.

Altglascontainer gibt's für weißes, grünes und braunes Glas. Prosecco gibt's oft in blauen Flaschen - wohin damit? Zum Grünglas, das verkraftet einen geringen Anteil an Fehlfarben. Eine einzige grüne Flasche würde 500 Kilogramm Weißglas einen grünen Schimmer verpassen. Zu viel Weißglas im Buntcontainer "verwässert" das Braun- und Grünglas. Buntes Glas wird als Lichtschutz, zum Beispiel bei Milchflaschen, gebraucht.

Abfälle aus der Biotonne werden nicht nur zu Komposterde, sondern auch zu Biogas weiterverarbeitet. Verbrannt werden die Abfälle aus der Restmülltonne (Graue Tonne) und einige Sonderabfälle. Dabei werden Strom und Fernwärme für Haushalte erzeugt. Auch leichtere Sachen wie Joghurtbecher, Nudeltüten, Fertigpizzakartons oder Zahnpastatuben kommen oft ins "thermische Recycling": werden also verbrannt.

Müll vermeiden ist besser als wiederverwerten

Besser als Müll zu trennen, ist es Müll zu vermeiden, wo es nur geht. Ganz besonders gilt das für Plastik. Kunststoffe verschmutzen die Umwelt, da sie sich anders als natürliche Rohstoffe nach Angaben der Verbraucherinitiative Öko-Fair oft erst nach Hunderten Jahren zersetzen.

Der Grüne Punkt kann auch mal blau sein.

Der nächste Schritt ist die korrekte Mülltrennung. Bei der Orientierung hilft das grüne Logo. Die meisten kennen den Grünen Punkt auf den Verpackungen. Er erleichtert dem Verbraucher die Mülltrennung ordnungsgemäß durchzuführen. Denn der Grüne Punkt dient dem Verbraucher als Hinweis darauf, dass der Produkthersteller für diese Verpackung die Pflichten der Verpackungsordnung erfüllt hat.

Das heißt also: Bioabfall in die grüne Tonne, Kunststoff- und Metallverpackungen (Dosen) in den Gelben Sack, Glas in die Altglascontainer, Papier in die Altpapiertonnen. Trockener Müll ist übrigens auch leichter zu trennen als nasser Müll.

Spart Mülltrennen Geld?

Viele fragen sich auch, was das für sie bringt, wenn andere mit ihrem Biomüll Geld verdienen? Die Antwort: Ein Teil der Erlöse geht in Form von niedrigen Müllgebühren an die Bürger zurück. Die Bayern haben im bundesweiten Schnitt extrem niedrige Müllgebühren. Die privaten Sortieranstrengungen lohnen sich also für die Haushalte.

Fazit

Mülltrennung ist in der Regel sehr sinnvoll: Richtig gemacht ist es umweltfreundlich, kostensparend und ressourcenschonend. Denn ein Großteil des getrennt gesammelten Mülls wird dann wiederverwertet. Je besser die Haushalte vorsortieren, desto effektiver ist das Sortiersystem.


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